Ein-Song-Releases sind immer so eine Sache: Oftmals handelt es sich dabei um (über-)ambitionierte Projekte von Bands, die entweder sonst schon alle Grenzen gesprengt haben oder die etwas unter Beweis stellen wollen – zumeist jedenfalls Routiniers, die ihr kompositorisches Können schon unzählige Male an herkömmlichen Songs geschärft haben. Und dann sind da FÄULNIS. Mit nur einer rohen 7-Track-Demo im Gepäck, machte sich deren Mastermind Seuche 2005 auf, das „Das Portrait eines psychischen Totalausfalles“ zu zeichnen, wie „Letharg“ untertitelt ist.
Im Original auf dem strittigen Label Christhunt erschienen, legen Eisenwald Tonträger die EP neu auf – nach der Vinyl-Fassung (bereits ausverkauft) nun auch auf CD. In beiden Formaten gibt es zwei Versionen des Songs zu hören, der 2008 zudem mit begleitendem Musikvideo auf DVD erschienen ist: Einmal die Originalfassung (interessanterweise hintangestellt), sowie eine 2022 umgesetzte Fassung, bei der die gesprochenen Passagen neu aufgenommen wurden. Rundum erneuert ist, wie schon beim „Cholerik“-Re-Release, das Drumherum: Das Coverfoto gibt es jetzt ohne viele Effekte zu sehen, das Booklet enthält Liner-Notes von Seuche – und wer keinen CD-Player mehr hat, kommt sogar in den Genuss eines Downloadcodes.
Aber was holt man sich da eigentlich ins Haus? Eine ordentliche (oder eigentlich eben die doppelte) Portion Düsternis, so viel ist klar. Über 20 Minuten hinweg mäandert „Letharg“ zwischen sinistren Ambient-Parts und rohen Black-Metal-Riffs. Das ist nicht spektakulär und rumpelt und quietscht grade in den harten Passagen an allen Ecken und Enden – kombiniert mit dem Textwerk und dessen gesanglicher Darbietung erzeugt „Letharg“ dennoch eine Atmosphäre, der man gar nicht so leicht entkommt: Mal mit Erzählerstimme, mal in klassischem Black-Metal-Screeming, mal fast in Richtung DSBM-Geheule gehend, sorgt der Gesang nicht nur für Abwechslung, sondern immer wieder für Unbehagen. Und was, wenn nicht das, soll Black Metal beim Hörer erzeugen?
Ob das 2022er-Remake des Spoken-Word-Parts wirklich eine Verbesserung darstellt? War das Original zwar monoton heruntergeleiert, damit aber eben auch sehr passend zur namensgebenden lethargischen Grundstimmung, wirkt der Part in der Neuaufnahme theatralischer, aber eben auch arg affektiert. Da FÄULNIS und Eisenwald auf dem Re-Make sowieso beide Versionen anbieten, kann man diese Geschmacksfrage getrost offen lassen.
So gibt es dem Fazit, das ein Kollege in seinem Review zum Original-Release von 2005 zog, nichts hinzuzufügen: „’Letharg‘ ist ein starkes, ein emotionales, ein intensives Werk und macht Lust auf mehr. FÄULNIS glänzen mit guten Gitarrenarrangements, mit einem überaus exzellenten Einsatz des Keyboards, welches die teilweise vorhandene Ödnis, Trostlosigkeit sehr geschickt und gut zeichnet. Auch der Gesang von Seuche ist große Klasse und lässt so manchen Gänsehautmoment aufkommen. Wer beschriebenes schätzt, der sollte handeln und sich „Letharg“ zulegen.“
Keine Wertung



„Im Original auf dem strittigen Label Christhunt erschienen“
Was gibt es bei diesem Label zu streiten? Rechtsoffener Mist, wenn man sich das Roaster durchliest!
Hättet ihr den Kollegen im Interview auch mal drauf ansprechen können. Anstatt früheren Kolumnenschreibern nur Wohlfühlfragen zu stellen.
Jajaja. Dazu wurde doch schon vor hunnert Jahrn alles gesagt. Passt doch zum Konzept des Albums, dass ihm damals wohl einfach alles egal war.
Ja, macht es nicht besser.
Geiles Konzept auch, weil einem alles egal ist auf dem selben Label wie A…D und M..g zu releasen. Richtig edgy.
Sorry auch, dass ich nciht alle Fäulnis Interviews ausgedruckt und abgeheftet hab…
/s
Für Letzteres musst du nicht um Entschuldigung bitten, aber generell wäre ein weniger aggressiver Ton der Diskussion sicher zuträglich. Im Interview wurde es trotzdem aus dem genannten Grund nicht aufgegriffen: Das Thema wurde in der Vergangenheit ausführlich diskutiert. Weiterhin besteht im Kontext von Fäulnis kein Zweifel an der politischen Integrität. Insofern kann man das meiner Ansicht nach guten Gewissens als jugendliche Dummheit/Ignoranz ad acta legen. Ich gebe dir aber recht, dass die Formulierung meinerseits im Review als Verharmlosung des Labels verstanden werden kann. Das war keinesfalls meine Absicht.