Das Cover von "Day Out In Nowhere" von Graham Bonnet Band

Review Graham Bonnet Band – Day Out In Nowhere

  • Label: Frontiers
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Heavy Metal

Die Karriere von Graham Bonnet begann, als er 1978 die Nachfolge von Ronnie James Dio bei Rainbow antrat. Seither stand der Sänger u. a. Bands wie Impellitteri und Michael Schenker Group vor und gründete zusammen mit Yngwie Malmsteen Anfang der 80er die gefeierte US-Metal-Band Alcatrazz – kurz: Der Mann ist eine lebende Legende. Nachdem die Zusammenarbeit mit Alcatrazz unlängst ebenso abrupt wie unschön endete, konzentriert sich der Brite nun auf seine eigene GRAHAM BONNET BAND, mit der er seit 2015 nicht nur live überzeugen kann, sondern auch überaus gelungene neue Studioalben veröffentlicht. Mit „Day Out In Nowhere“ ist nun die dritte Platte seiner Hausband erschienen.

Mit 74 Jahren ist Graham Bonnet sicherlich einer der ältesten aktiven Rock- und Metal-Sänger – da könnte man verstehen, wenn der Mann es mittlerweile etwas ruhiger angehen lässt. Entgegen dem, was das gediegene Cover-Bild mit halbakustischer Gitarre suggerieren könnte, hat Mr. Bonnet die Lust an der Lautstärke aber keineswegs verloren: Auch auf dem dritten Album seiner GRAHAM BONNET BAND liefert der Frontmann noch kernigen Traditions-Metal vornehmlich amerikanischer Prägung ab. Wie schon auf „Meanwhile, Back In The Garage“ klappert er dabei die vielen Stationen seiner langen Karriere ab, jedoch ohne sich dabei selbst zu kopieren.

Den Hauptteil der Songs von „Day Out In Nowhere“ machen somit knackige US-Metal-Nummern wie der Opener „Imposter“, das hymnische „Brave New World“ oder das irgendwo zwischen Yngwie Malmsteen und härteren Rainbow angesiedelte „The Sky Is Alive“ aus. Die werden allesamt von ebenso druckvollen wie intelligenten Riffs, wie man sie auch bei Impellitteri erwarten würde, sowie dem unverwechselbaren Gesang des Bandchefs angetrieben. Letzterer mag nicht jedermanns Sache sein, aber im Zusammenspiel ergibt das eine unwiderstehliche Mischung, wie man sie nur bei GRAHAM BONNET BAND findet. Zudem werden sämtliche Songs von superber Leadgitarrenarbeit veredelt. Das liegt einerseits daran, dass Gitarrist Conrado Pesinato einen verflucht flotten Darm zupft, aber auch an der Beteiligung solch hochkarätiger Gastmusiker wie Jeff Loomis (Arch Enemy) und Roy Z (u. a. Halford).

Neben seinem starken Songwriting war und ist die größte Stärke von Graham Bonnet seine Fähigkeit zum intelligenten Texten. Auch auf „Day Out In Nowhere“ erzählt der Brite wieder charmante Geschichten aus dem Leben, die sowohl sprachlich als auch inhaltlich weit über das übliche Niveau platter Genre-Klischees hinausgehen. Das kann selbstreflektiert wie in „Imposter“, latent gruselig wie in „Uncle John“ oder erfrischend selbstironisch wie in „It’s Just A Frickin‘ Song“ ausfallen und macht stets Spaß beim Zuhören, weil der Mann schlicht etwas zu sagen hat – selbst die unverhohlen kitschige Pastorale, die GRAHAM BONNET BAND im Titeltrack heraufbeschwören, sticht da nicht negativ hervor.

Mit der GRAHAM BONNET BAND hat der namensgebende Sänger offenbar genau das richtige Ventil für seine nach wie vor hohe kreative Energie gefunden: Auf „Day Out In Nowhere“ zeigt der Engländer bereits zum dritten Mal, dass er auch im fortgeschrittenen Dienstalter noch weiß, wie richtiger Metal zu klingen hat und ruht sich zu keiner Zeit auf den Lorbeeren vergangener Tage aus. Das neueste Album seiner Band richtet sich natürlich vornehmlich – aber nicht nur – an Fans seiner bisherigen Arbeitgeber und trägt klar das Erbgut von Bands wie Alcatrazz und Impellitteri in sich, von Selbstkopie kann aber keine Rede sein. Schön, das Graham Bonnet noch aktiv ist, denn seine Musik ist nach wie vor großartig.

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Wertung: 8.5 / 10

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