CD-Review: In Reverence - The Selected Breed

Mai 2017

Besetzung

Filip Danielsson – Gesang
Pedram Khatibi Shahidi – Gitarre
Oscar Krumlinde – Schlagzeug

Gastmusiker:
Joakim Mikiver – Gesang
Joakim Antman – Bass

Tracklist

01. Jahiliah
02. Gods Of Dehumanization
03. Prometheus
04. The Selected Breed
05. The Sixth Bloodletting
06. Anthropogeny
07. Red Waves
08. Gift Of Disintegration
09. Life Rejuvenate


Ganz grob kann man Extreme Metal in zwei Kategorien einteilen. Es gibt die aggressive, brachiale Variante, die vor allem im Death Metal vertreten ist, wohingegen die düstere, atmosphärische Spielart weitgehend dem Black Metal vorbehalten ist. Diese Kluft wollen IN REVERENCE nun mit ihrem Atmospheric Death Metal überbrücken – ohne dabei jedoch schwarzmetallische Einflüsse in ihren Sound aufzunehmen, wie es etwa Behemoth oder Belphegor tun. Sieben Jahre nach seiner Gründung legt das schwedische Trio unter Zuhilfenahme zweier Gastmusiker nun endlich sein Debüt „The Selected Breed“ vor, das im Zuge einer guten halben Stunde den Untergang der menschlichen Spezies vertont.

Dass IN REVERENCE ihren Stil bewusst als Atmospheric Death Metal bezeichnen, hat jedenfalls definitiv seine Berechtigung. Die Thematik ihres Konzeptalbums mag zwar nicht allzu revolutionär sein, die entsprechende Grundstimmung könnten die Schweden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Stilmitteln jedoch kaum überzeugender umsetzen. IN REVERENCE setzen in ihren Kompositionen nämlich nicht etwa auf die Inkorporation anderer Musikrichtungen, wie es Fallujah mit Ambient oder Fleshgod Apocalypse mit sinfonischer Musik tun, sondern verlassen sich ausschließlich auf ihr todesbleiernes Handwerkszeug.
Beinahe ausschließlich. So manche ihrer Todestiraden beginnt oder endet dann doch ganz untypisch mit orientalisch angehauchten Zupfinstrumenten, akustischen oder cleanen Gitarren, die die ansonsten gnadenlos brutalen Death-Metal-Tracks sogar noch düsterer wirken lassen. Davon abgesehen ist „The Selected Breed“ jedoch ein unverfälschtes Todesmetall-Inferno: Mächtige Growls – hin und wieder von fiesen Screams abgelöst – geben dem thematisierten Grauen eine Stimme, während die durchgehend verhängnisvollen Gitarrenmelodien im Geiste ein furchterregendes Bild der Apokalypse malen.
In puncto Härte könnten IN REVERENCE vielen ihrer Genre-Kollegen noch etwas beibringen, sowohl in Bezug auf das grobschlächtige Riffing als auch bezüglich des Hochgeschwindigkeits-Blastings. Dennoch sind die Schweden weit davon entfernt, nur sinnentleert vor sich hin zu prügeln. Denn wie man am Beispiel von „Anthropogeny“ sieht, sind IN REVERENCE stets darauf bedacht, den atmosphärischen Faden nicht abreißen zu lassen – weder in ihren knallharten Brutalo-Riffs noch in den epischen, unheilverkündenden Tremolo-Passagen oder den frickeligen Leads und Soli.

Auf ihrem Erstlingswerk haben IN REVERENCE praktisch den perfekten Mittelweg zwischen Brutalität und Atmosphäre gefunden, und zwar fast ganz ohne große Experimente. Sogar Produktionstechnisch wurde hier alles richtig gemacht, der Sound ist wuchtig, modern und klar. Noch bleibt Raum für Weiterentwicklung: Die einzelnen Tracks prägen sich nur nach und nach ein und enden gefühlt zu oft mit einem Fade-Out – das Songwriting könnte also noch etwas raffinierter sein. Nichtsdestotrotz ist „The Selected Breed“ ein verdammt starker Auftakt, der es verdient hat, gehört zu werden.

Bewertung: 8 / 10

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