CD-Review: Killer Be Killed - Reluctant Hero

Besetzung

Greg Puciato – Gesang, Gitarre
Max Cavalera – Gesang, Gitarre
Troy Sanders – Gesang, Bass
Ben Koller – Schlagzeug

Tracklist

01. Deconstructing Self-Destruction
02. Dream Gone Bad
03. Left Of Center
04. Inner Calm From Outer Storms
05. Filthy Vagabond
06. From A Crowded Wound
07. The Great Purge
08. Comfort From Nothing
09. Animus
10. Dead Limbs
11. Reluctant Hero


Sechs Jahre ist es her, dass sich vier Musiker zusammentaten, deren bloße Namen Metalfans das Herz erwärmen: Gregg Puciato von The Dillinger Escape Plan, Troy Sanders von Mastodon, Max Cavalera (ex-Sepultura, Soulfly, Cavalera Conspiracy) und The-Mars-Volta-Drummer Dave Elitch. Unter dem Namen KILLER BE KILLED veröffentlichte das Quartett ein selbstbetiteltes Debütalbum, das wirklich gut war. Das muss tatsächlich erwähnt werden, da sogenannte Supergroups oftmals nicht (viel) mehr sind als die Summe ihrer Einzelteile. So kommen auf jede funktionierende Kapelle aus renommierten Musikern wie Down oder Bloodbath massenhaft Gegenbeispiele, bei denen das Endprodukt nicht annähernd den Erwartungen entspricht (Prophets Of Rage, Powerflo, Hollywood Vampires, The Winery Dogs, etc.).

So schnell wie KILLER BE KILLED aufgetaucht und hochgehypt waren, so schnell kehrte nach „Killer Be Killed“ wieder Ruhe ein: Die Jahre zogen ins Land und wohl niemand glaubte daran, noch einmal etwas von dieser Combo zu hören – bis 2020 nicht nur ein zweites Album angekündigt, sondern unter dem Namen „Reluctant Hero“ auch gleich veröffentlicht wurde.

Eine personelle Veränderung hat es im Lager von KILLER BE KILLED gegeben: Anstelle von Schlagzeuger Dave Elitch ist nun Ben Koller Teil der Band. Das ist aus gleich zwei Gründen spannend: Zum einen ist die Supergroup mit Koller, den man von All Pigs Must Die, Mutoid Man und natürlich Converge kennt, noch einen Zacken prominenter geworden, zum anderen ist Kollers Beitrag zu „Reluctant Hero“ überragend. Dass das Schlagzeugspiel des Mannes der Wahnsinn ist, versteht sich von selbst. Mal mit vielen Fills, mal lässig auf einem Groove sitzend, immer akzentuiert und songdienlich – was Koller hier abliefert, ist eine super Performance. Viel wichtiger aber ist noch, dass sich KILLER BE KILLED nach seinem Einstieg wie eine „echte“ Band anhören. Die Songs klingen organischer und weniger wie geplante Tracks, bei denen jedes Mitglied gleichmäßig viel Zeit zum Glänzen zugeteilt bekommen hat.

Natürlich haben die drei Stimmen von KILLER BE KILLED (wobei Puciato allein eigentlich schon drei, vier Stimmen beisteuert und es sich einfach gut anfühlt, den Mann mal wieder schreien zu hören) alle noch ihren Platz innerhalb der Songs und, auf das ganze Album gesehen, auch ungefähr gleich viel Gesangsanteil. Allerdings verteilen sich die Sänger diesmal besser als auf „Killer Be Killed“ und ergänzen sich auch innerhalb der Tracks, anstatt nur den Staffelstab weiterzureichen. Das lässt sich schon im Opener „Deconstructing Self-Destruction“ exemplarisch beobachten, der primär von Sanders und Puciato getragen wird, während Cavalera als cooles Stilmittel sein Brüllen dazwischenhaut.

Auch vom Gesang abgesehen ist „Reluctant Hero“ durchgängig eine unheimlich dynamische Platte, die wahrscheinlich sogar als Instrumentalalbum Spaß gemacht hätte, durch die Vocals aber natürlich nochmal in andere Sphären gehoben wird. Dabei ist die erste Hälfte der Veröffentlichung etwas straighter, während im zweiten Abschnitt etwas mehr Grandiosität und Epik Einzug halten („From A Crowded Wound“ fungiert hier als Trenner); etwa wenn „Dead Limbs“ – eigentlich ein einfacher, geradliniger Brecher – durch den melodischen Gesang von Troy Sanders auf ein neues Level gehoben wird oder wenn „The Great Purge“ allen Hörern die Frage beantwortet, wie „Blood Mountain“ von Mastodon klingen würde, wenn man es mit dem Gesang von „Gold Teeth On A Bum“ (The Dillinger Escape Plan) kombinieren würde. Die Antwort? Abgefahren, irrwitzig und unfassbar gut.

KILLER BE KILLED wären aber nicht sie selbst, wenn man ihr neues Album so einfach in zwei Teile spalten könnte. So ist etwa „Dream Gone Bad“ bei aller kraftvollen Aggression auch mit mitreißenden, melodischen Leads ausgestattet, wohingegen „Animus“ gegen Ende von „Reluctant Hero“ so klingt, als ob die anderen drei Mitglieder Max Cavalera dazu überredet hätten, nochmal einen Nailbomb-Song zu schreiben.

Mit ihrem zweiten Album sind KILLER BE KILLED erneut den Beweis angetreten, dass eine fast willkürlich wirkende Zusammensetzung renommierter Musiker zu mehr führen kann als ordentlich Vorschusslorbeeren und einem (wenn es gut läuft) soliden Album. „Reluctant Hero“ ist eine vielschichtige, dynamisches Platte geworden, die ihren Vorgänger locker in die Tasche steckt und sich auch sonst keinen Vergleich zu scheuen braucht. Spätestens seit diesem Album arbeiten bei KILLER BE BILLED vier grandiose Musiker zusammen, um gute Songs zu schreiben – und das funktioniert hervorragend.

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Bewertung: 9 / 10

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