Review Minus The Bear – Lost Loves

  • Label: Dangerbird
  • Veröffentlicht: 2014
  • Spielart: Rock

Willkommen in der ehemaligen Erfolgsserie O.C. California, in der sich durchgehend viel zu reiche Teenager an einem Strand von Kalifornien die Nacht mit trinken, tanzen und turteln vertreiben. Die richtige Hintergrundmusik dafür bietet die neuste Scheibe von MINUS THE BEAR. Ob es sich um einen eskalierenden Streit, Mord oder doch um die romantischste Szene der Fernsehgeschichte handelt, „Lost Loves“ hat ganz sicher den richtigen Song parat – ein Abwechslungsreichtum, der definitiv für die Platte spricht. Doch ist sie tiefgründig genug, um zu überzeugen, oder scheitert es letztlich an Oberflächlichkeit, wie bei den Highschool-Besucherinnen aus Orange County?

Die im Jahre 2001 gegründete Band MINUS THE BEAR ist seither dafür bekannt, ihre Musik besonders jazzlastig zu gestalten. Auch auf ihrem neuen Album ändern sie ihre Strategie diesbezüglich nicht, spielen sie hier jedoch zusätzlich mit massig elektronischen Elementen, die dem Konzept der fünf Herren aus Seattle blühende Frische verleihen. Hörbar ist dies beispielsweise im Song „Walk On Air“, der zwar instrumentell und effekttechnisch einiges zu bieten hat, vonseiten des Textes und der Eingängigkeit aber weniger stark überzeugt.
Der darauf folgende Titel „Patiently Waiting“ weiß jedoch sofort, den Hörer für sich zu gewinnen. Ergreifender Gesang wird von einer balladesken Linie unterstützt, die sich durch das gesamte Lied zieht. Ähnlich ist es beim Ohrwurm „Invented Memory“, der eine recht entspannende Wirkung hat und zum großen Erstaunen des Hörers anfangs klingt, als dürfte hier mit einer großen Soul-Nummer gerechnet werden. MINUS THE BEAR hängen scheinbar nicht an alten Gewohnheiten, was vielleicht schon den einen oder anderen Fan abgeschreckt, vermutlich aber auch viele andere angesprochen hat.
Abwechslung auf „Lost Loves“ findet man auch im Titel „South Side Life“, wo zur Unterstützung von Sänger Jack Snider außerdem eine weibliche Gesangsstimme herangezogen wird, oder ganz einfach im Gitarrenspiel von David Knudson, der das Tapping, wie auch auf vielen vorherigen Veröffentlichungen, anwendet und damit zu überzeugen weiß.

Wer sich vor einem Blick über den Tellerrand nicht scheut, macht nichts falsch, wenn er gelegentlich in die neuste Platte von MINUS THE BEAR hineinhört. Dass die Herren allemal zu unterhalten wissen, ist kein Geheimnis. Doch vermutlich wird das nicht reichen, um der musikalische beste Freund des Menschen zu werden. Wie bereits vermutet, fehlt es dauerhaft an Tiefgründigkeit, an der seitens der Band gerne noch gearbeitet werden dürfte.

Wertung: 7 / 10

Publiziert am von Laura Wyska

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