CD-Review: Nephilim's Howl - Through The Marrow Of Human Suffering

Besetzung

Reavhan – Gesang
VJR – Gitarre, Bass, Synthesizer
AEK – Schlagzeug, Perkussion

Gastmusiker:
Jerry K – Saxophon (Track 01), Solo (Track 04)

Tracklist

01. Void Reflections I – Remembrance
02. Of Ordeals And Triumph
03. Hate Revelations
04. Against The Worlds That Bind Us
05. Through The Marrow Of Human Suffering


Erst vor zwei Jahren hat sich das finnische Dreigespann NEPHILIM’S HOWL gegründet und schon legen die Black-/Doom-Metaller ihr Debüt „Through The Marrow Of Human Suffering“ vor. Dass die Band gewissermaßen noch in ihren Kinderschuhen steckt, hat I, Voidhanger Records jedenfalls nicht davon abgehalten, die Newcomer unter Vertrag zu nehmen, also kann man davon ausgehen, dass sie genau wissen, was sie tun, und dass ihre Musik sowohl düster als auch ungewöhnlich ist. Hört man sich die 41-minütige Platte an, wird man feststellen, dass all dies tatsächlich zutrifft – größtenteils.

Zweifelsohne beherrschen NEPHILIM’S HOWL ihr Handwerk, das bleibt nicht lange verborgen. Dagegen erscheint es jedoch erst mal etwas verwunderlich, wie handzahm die Finnen musizieren. Zwar wird auf dem über vier Minuten langen Intro „Void Reflections I – Remembrance“ mit stark verzerrten, dröhnenden Gitarren und schleppenden Drums sowie einem dezenten Saxophon durchaus eine finstere Atmosphäre erzeugt. Dennoch würde man sich aufgrund des bedienten Genres, des Albumtitels und des Artworks wohl etwas Bedrohlicheres, Extremeres erwarten. Auch in weiterer Folge lassen Ausbrüche nach oben lange auf sich warten, die vereinzelten schwarzmetallischen Wutanfälle mit rohem Riffing und infernalischem Blasting kann man an einer Hand abzählen.
Genau so wie das Erstlingswerk des Trios beinahe frei von Black-Metal-Raserei ist, fehlt es NEPHILIM’S HOWL auch an der tonnenschweren Wucht, von der die Musik anderer Doom-Metal-Kapellen gezeichnet ist. Mit ihren angeschwärzten, nicht allzu brutalen Gitarrenriffs und ihrem zumeist trägen, aber auch kreativen Drumming stehen NEPHILIM’S HOWL somit in gewisser Weise zwischen den stilistischen Fronten. Das betrifft auch die tragischen Vocals, die immer wieder die Grenze vom Klargesang zum Screaming zu überschreiten scheinen, dies aber erst auf „Against The Worlds That Bind Us“ eindeutig tun.
Während die Instrumentalisierung zwar vergleichsweise wenig überwältigend, in ihrer Düsternis aber zumindest überzeugend und bis zu einem gewissen Grad auch eigenständig wirkt, ist der gleichermaßen aggressive wie klagende Gesang, der zeitweise an Alan Averill (Primordial) erinnert, der eigentliche Trumpf im Repertoire von NEPHILIM’S HOWL. Die darin zum Ausdruck kommende Bitterkeit lässt die gequält kriechende, zum Teil aber auch sehr groovige musikalische Untermalung („Hate Revelations“) wiederum nur konsequent erscheinen.

Hat man sich erst einmal mit „Through The Marrow Of Human Suffering“ auseinandergesetzt, weicht die anfängliche Verwunderung über den unerwartet niedrigen Härtegrad der Erkenntnis, dass NEPHILIM’S HOWL damit ihren ganz eigenen Stil anstreben. Insbesondere gesanglich gelingt ihnen das außergewöhnlich gut, sodass die Finnen mit ihren fünf Debüt-Tracks weit mehr als nur 08/15-Standardkost kreiert haben. Dennoch können der interessante Ansatz und der kräftige Sound nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass die Songs nur selten mitreißen und nicht wirklich hängenbleiben. Vor einem Blindkauf sollte man also erst mal Probe hören.

Bewertung: 6.5 / 10

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