CD-Review: Noise Trail Immersion - Symbology Of Shelter

Besetzung

Fabio Rapetti - Gesang
Nebil Jabnoun - Gitarre
Daniele Vergine - Gitarre
Lorenzo Sirotto - Bass
Paolo Mingoni - Schlagzeug

Tracklist

01. Mirroring
02. Repulsion And Escapism I
03. Repulsion And Escapism II
04. Acrimonious
05. The Empty Path I
06. The Empty Path II
07. Symbology Of Shelter


Technisch anspruchsvolles Geprügel mit komplexen, rhythmischen Strukturen kommt nicht aus der Mode – Bands wie Mantar oder auch die bereits aufgelösten The Dillinger Escape Plan sind nach wie vor ausgesprochen populär. NOISE TRAIL IMMERSION schlagen in genau diese Kerbe: „Symbology Of Shelter“ ist hektisch, disharmonisch und hart im besten Sinne, bedient aber gerade in der zweiten Hälfte auch andere Geschmäcker. Anlass genug, den neuen Longplayer der Italiener mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Im Gegensatz zu anderen Bands des Genres, die sich durch Dissonanz und ungewöhnliche Songstrukturen auszeichnen, haben NOISE TRAIL IMMERSION keinen Hardcore-Background. Die Wurzeln des Quintetts aus Turin liegen vielmehr in den härteren Spielarten des Metal: Ultraschnelle Blastbeatpassagen gepaart mit messerscharfen Riffattacken gehören ebenso zur Tagesordnung wie doomige Gitarrenarbeit und gegrowlte Vocals. Sänger Fabio Repetti klingt dabei bezüglich Stimmfarbe und Verzerrung ein wenig wie Corey Taylor auf frühen Slipknot-Platten, allerdings ohne dessen Qualitäten in Sachen Cleangesang. Letzere vermisst man aber auch nicht, denn melodische Atempausen gibt es auf „Symbology Of Shelter“ nur ausgesprochen selten zu verzeichnen. Dafür zeigen die letzten Takte von „Repulsion And Escapism II“, dass es bei Bedarf auch noch eine Spur hasserfüllter geht.

Der Opener „Mirroring“ gibt zumindest für die erste Albumhälfte die Marschrichtung vor: Kompromisslos hart, prügelt sich gerade der Schlagzeuger Paolo Mingoni die Seele aus dem Leib – und macht seine Sache ausgesprochen gut, wie gleich beim großartigen Übergang vom ersten Song zu „Repulsion And Escapism I“ auffällt. Catchy Hooklines oder große Melodien sucht man vergeblich, NOISE TRAIL IMMERSION wollen so klingen, als ob einem mit einem Goldbarren, der in Zitronenscheiben gehüllt ist, das Gehirn aus dem Kopf gedroschen wird (Zitat Ende). Obwohl technisch hervorragend umgesetzt, sind die ersten 25 Minuten aber leider auch ein wenig eintönig geraten.

Spannender wird die Geschichte wieder, als in der zweiten Hälfte von „Symbology Of Shelter“ mit dem neunminütigen „The Empty Earth I“ (zu dem noch ein ebenso langer, zweiter Teil gehört) andere Saiten aufgezogen werden: Die dissonante Hektik weicht atmosphärischen Gitarrenklängen, irgendwie melodisch, aber auch bedrohlich. Repetti schreit nicht, sondern singt (ganz akzeptabel) und verbreitet somit schon fast Neurosis-Vibes. Auch diese Seite steht NOISE TRAIL IMMERSION gut zu Gesicht und könnte in Zukunft gerne weiter ausgebaut werden – auch wenn in Sachen Eigenständigkeit noch Luft nach oben ist.

NOISE TRAIL IMMERSION bieten mehr, als man auf den ersten Eindruck vermuten würde, denn gerade die letzten 25 Minuten des Albums sind noch für die eine oder andere Überraschung gut. Die Produktion geht in Ordnung, ist aber auch kein Meilenstein der Tontechnik. „Symbology Of Shelter“ hat ohne Frage Eier – ob das Ei des Kolumbus dabei ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer War From A Harlots Mouth, The Dillinger Escape Plan oder eben auch Mantar mag, macht aber sicher nichts falsch.

Bewertung: 7.5 / 10

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