Das ist das Album-Cover für das neue Soulfly-Album "Chama". Im Vordergrund brennt ein großes Lagerfeuer, über dem ein Schamane steht. Er trägt eine indigene Kopfbedeckung und traditionelle Kleidung, mit den Armen weit ausgestreckt, in denen er hölzerne Stöcke hält. Über ihm ist in geschwungenen, goldenen Buchstaben der Bandname "Soulfly" zu lesen, während der Albumtitel "Chama" am unteren Rand in ähnlichen goldenen Buchstaben steht.

Review Soulfly – Chama

Max Cavalera is back on track: Nachdem die Fans auf „Totem“ (2022) erstmalig (!) seit der Bandgründung 1995 vier Jahre auf ein Album warten mussten, hat der Meister des Groove-Metal-Riffs seinen Rhythmus wiedergefunden: Drei Jahre später gibt es nun „Chama“ auf die Ohren – und zwar ordentlich.

Schon der Opener „Indigenous Inquisition“ klingt bedrohlich – kompositorisch durch wuchtiges Riffing und Tribal-Percussions, aber auch in Sachen Sound. Denn so wie hier alles scheppert und brummt, während die Tribal-Percussions Assoziationen zum letzten Kindergeburtstag mit Topfschlagen wecken, fragt man sich doch, was da noch kommen soll. Quantitativ betrachtet: nicht viel. Mit zehn Songs bringt es „Chama“ auf gerade einmal 32:27 Minuten, nur zwei Songs knacken die Vier-Minuten-Marke, der kürzeste dagegen bringt es gerade einmal auf 1:55 Minuten. Für ausufernde Klangwelten bleibt da keine Zeit. Wer also – verleitet vom Cover, das eine Zeremonie eines Apache-Kronentänzers festhält, oder den vorangeschickten Aussagen von Max, es ginge „back to the roots“ – eine Rückkehr zu den groovigen, aber eben auch melodiös-ausschweifenden Anfangstagen erwartet hat, wird von „Chama“ wohl enttäuscht. Zwar ist auch das folgende „Storm The Gates“ von Tribal-Percussions getrieben, und beim finalen Titeltrack kommt nochmal einiges durch, doch auch hier bleibt das „Wie“ – konkret der Sound – ein Problem: Wirklich groovig klingt das Gedrömmel nämlich nicht.

Andererseits dürfte, wer die Entwicklung von Max Cavalera mitverfolgt hat, mitbekommen haben, wie sehr der Mann für punkigen Proto-Metal brennt – und dahingehend hat „Chama“ fraglos seine Qualitäten: Das Album ist roh, dreckig, puristisch, und dazu wiederum passt der rohe Klang des Albums ziemlich gut. Mehr als einmal weckt „Chama“ Erinnerungen an Bands wie MANTAR oder NAILS. Wären da nicht, und das ist wiederum eine Cavalera-typische Eigenheit, die ganzen Gastmusiker: Wie der Diamantring im Altmetall leuchten völlig unerwartet virtuose Soli von Dino Cazares (FEAR FACTORY) oder Michael Amott (ARCH ENEMY) aus dem räudigen Geprügel. Dazu kommen Guest-Vocals von Ben Cook (NO WARNING), Todd Jones (NAILS) oder – völlig überraschend – Gabe Franco (UNTO OTHERS). Zu entdecken gibt es also trotz der Kürze und der vorherrschenden Stumpfheit viel.

Als echter Fremdkörper erweist sich leider der nunmehr 13. Teil des selbstbetitelten Instrumentals, „Soulfly XIII“ – vor allem, weil SOULFLY dieses nicht in guter Tradition als Outro, sondern (wie schon auf „Totem“) als vorletzten Track auf dem Album platziert haben. Für sich genommen ein schönes Stück aus atmosphärisch wabernden Cleangitarren und einem breiten Sammelsurium an Percussion-Instrumenten, will der Song so gar nicht zum generellen Vibe von „Chama“ passen.

Hat „Chama“ den versprochenen „ursprünglichen Metal-Spirit“? Definitiv. Die ebenso angekündigten Vibes der ersten SOULFLY-Alben sucht man allerdings vergeblich. Deswegen ist „Chama“ rein musikalisch gesehen kein schlechtes Album. Im SOULFLY-Kosmos ist es jedoch eine weitere verpasste Chance. Denn abermals gelingt es Max Cavalera nicht, das Profil von SOULFLY wieder zu schärfen. Waren die SOULFLY der 2010er-Jahre maßgeblich von Max Cavaleras Begeisterung für CAVALERA CONSPIRACY und deren gradlinigen Thrash-Death geprägt, hört man „Chama“ nun in jedem Ton die Freude an, die Max mit GO AHEAD AND DIE hat. Nur gibt es all diese Projekte eben schon, sodass ein zusätzliches SOULFLY-Album mit dreckigem, noisig-punkigem Death Metal leider obsolet ist.

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Wertung: 7 / 10

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2 Kommentare zu “Soulfly – Chama

    1. Hi! Das ist so nicht ganz korrekt, auf „3“, „Prophecy“, „Dark Ages“, „Conquer“, „Omen“ und „Ritual“ standen sie als „Outro“ (oder eben abschließender letzter Song, wenn du dich am Wording störst?) an letzter Stelle (bzw. gefolgt nurmehr von Coversongs/Bonusmaterial).

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