CD-Review: The Algorithm - Compiler Optimization Techniques

Besetzung

Rémi Gallego - alle Instrumente
Jean Ferry - Schlagzeug

Tracklist

1. Cluster
2. Fragmentation
3. Superscalar
4. Binary Space
5. Sentinel Node


(Progressive Metal / IDM) Wer auf der Suche nach facettenreicher Musik ist, die beispielsweise Electronica mit Prog Metal verbindet, sollte aktuell seinen Blick gen Frankreich lenken. Nach Pryapisme und Hardcore Anal Hydrogen schicken sich nämlich nun THE ALGORITHM an, die Metal-Welt mal wieder ins Staunen zu bringen.

Im Jahre 2009 als Einmannprojekt des Wahl-Kölners Rémi Gallego gegründet, brachte THE ALGORITHM seitdem drei Studioalben auf den Markt, eine verschrobener als die andere. Dabei kehrt Gallego die Zusammensetzung einer Djent-Platte um: Anstatt kühl produziertes Palm Muting mit Samples zu unterlegen, nutzt THE ALGORITHM typische Elemente der IDM (Intelligent Dance Music) die von Djent- sowie Mathcore-Elementen begleitet wird. Unter Verwendung eines Midi (Musical Instrument Digital Interface) Controllers verbindet Gallego zwei Genres, die handwerklich unterschiedlicher kaum sein könnten, aber vom gleichen Antrieb getrieben sind: Innovation, out-of-the-box-Denken, Facettenreichtum.

Selbst in der fortschrittlichen Prog-Szene stellen THE ALGORITHM ein Novum dar. Ein Umstand, den die aktuelle Platte „Compiler Optimization Techniques“ nur noch erhärten wird: Dort treffen druckvolle Basslinien auf elektronische Sounds, die sich mit den sieben Saiten der Gitarren zu einem Ungetüm erheben („Fragmentation“) oder in dem jene sieben Saiten in feinster Prog-Metal-Manier in einen Song einleiten, der sich im weiteren Verkauf ebenso geschmeidig wie heavy gibt („Binary Space“, „Superscalar“). Gerade in diesen beiden Songs zeigt sich, dass Prog Metal und Electronica in Symbiose leben können, denn nachteilig ist diese Verbandelung für keine der beiden Richtungen.

Wenngleich nicht nachteilig, ist dieses Zusammenspiel allerdings fordernd für den Hörer: Was Periphery und Tesseract an Komplexität mit warmen melodischen Klargesang wieder wett machen, gelingt THE ALGORITHM nicht. Als reines Instrumentalprojekt auslegt, müssen allein Gallegos Ideen am Sequenzer reichen, um „Compiler Optimization Techniques“ auf Dauer nicht zu anstrengend und wirr werden zu lassen. Wer Celldweller trotz Klaytons Gesang zu unkoordiniert empfindet, sollte gehörig Abstand halten von THE ALGORITHM!

Besonders auf dem denkbar schlecht platzierten Opener „Cluster“, immerhin einem knapp zwölfminütigen Track, zeigt sich diese Schwierigkeit. Zu viele wechselnde Motive, zu unharmonisch die Übergänge, eine Herausforderung ohne klaren roten Faden. Als Grundsteinlegung für die restlichen vier Songs schlecht gewählt, versucht THE ALGORITHM hier etwas, was wesentlich mehr Tiefgang und Steigerung bedarf, um den Hörer nicht restlos zu überfordern.

Mit „Compiler Optimization Techniques“ zeigt das Einmannprojekt THE ALGORITHM sowohl seine größte Stärke als auch seine noch deutlich hörbare Schwäche: Die Kunst, dauerhaft gut zu unterhalten. Noch gelingt das Gallego nicht mit jedem seiner Songs, mit dem einen oder anderen Track hingegen grandios („Fragmentation“). Das Lot schlägt sowohl nach oben als auch nach unten noch zu sehr aus, was allerdings bei dem mutigen Unterfangen, Prog Metal und IDM zu verbinden, nicht überrascht.

Bewertung: 7 / 10

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1 Kommentar zu “The Algorithm – Compiler Optimization Techniques”

  1. Gunnar

    Ich habe The Algorithm vor einiger Zeit im Vorprogramm von Haken gesehen, und was in kleinen Dosen frisch und unterhaltsam war, wurde auf Konzertlänge ziemlich flott als eintönig entlarvt. Interessanterweise war die Musik immer dann am spannendsten, wenn Gallego anstatt der Gitarre den Bass in die Hand nahm – dem entlockte er nämlich mehr als die tiefsten verfügbaren Noten in kruden rhythmischen Patterns, sondern zur Abwechslung mal Musik.

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