CD-Review: The Dillinger Escape Plan - One Of Us Is The Killer

Mai 2013

Besetzung

Greg Puciato – Gesang
Ben Weinman – Gitarre, Programmierung
Liam Wilson – Bass
Billy Rymer – Schlagzeug

Session-Musiker:
Patrick Dougherty – Trompete, Flügelhorn
"Tuba-Joe" Exley – Tuba, Ventilposaune

Tracklist

01. Prancer
02. When I Lost My Bet
03. One Of Us Is The Killer
04. Hero Of The Soviet Union
05. Nothing's Funny
06. Understanding Decay
07. Paranoia Shields
08. CH 375 268 277 ARS
09. Magic That I Held You Prisoner
10. Crossburner
11. The Threat Posed by Nuclear Weapons


Sie sind wieder da. Drei Jahre nach ihrem Meisterwerk „Option Paralysis“ melden sich THE DILLINGER ESCAPE PLAN mit einem neuen Album zurück: „One Of Us Is The Killer“ lautet der Titel des Werkes, und bereits die schöne Tuschezeichnung auf dem Artwork sowie die kreative Idee einer Rubbellos-Beschichtung des Schubers bei der limitierten Edition machen hier Lust auf mehr.

Gewohnt abrupt geht es mit dem eröffnenden „Prancer“ los. Groove und Wahnsinn liegen bereits in diesem ersten Stück so nah beisammen, dass man sich über den restlichen Verlauf des Albums eigentlich keine Gedanken mehr zu machen braucht: In typischer DILLINGER-Manier, also auf höchstem Niveau und mit kaum zu überbietender Aggressivität, wird hier drauf los geprügelt – nicht jedoch, ohne dem Hörer die von Zeit zu Zeit notwendigen Verschnaufpausen zu gönnen.

Dennoch wird recht bald deutlich: „One Of Us Is The Killer“ ist, verglichen mit seinem Vorgänger „Option Paralysis“, das deutlich härtere Album, der direktere Schlag in die Fresse. Wo „Option Paralysis“ seinen Charakter vor allem aus der Unberechenbarkeit der Songs bezog und wie das Cover stellenweise einer Kollage aus verschiedensten Ideen und Soundschnipseln gleich, gehen THE DILLINGER ESCAPE PLAN dieses Mal deutlich gradliniger zu Werke. Das heißt nicht, dass man auf abgefahrene Breaks verzichten müsste und erst recht nicht, dass „One Of Us Is The Killer“ ein glattes Album ohne Ecken und Kanten wäre – zumindest aber kann man das Album als den logischeren, nachvollziehbareren Gedanken dieser Wahnsinnigen aus New Jersey umschreiben.

Diese Eigenschaft bringt mit sich, dass man im Verlauf der CD über weniger aus dem großen Ganzen herausstehende Elemente stolpert als das – im Positiven wie im Negativen – beim Vorgänger der Fall war. Waren es dort genau diese Momente, die „Option Paralysis“ vom ersten Hördurchgang an interessant gemacht hatten, das Album allerdings zugegebenermaßen mitunter sehr spontan und sprunghaft hatten wirken lassen, ist es schwieriger, sich von „One Of Us Is The Killer“ direkt mitreißen zu lassen – mit zunehmender Vertrautheit mit dem Songmaterial wächst dessen gefühlte Qualität dafür exponentiell: Die Songs wirken in sich, wie auch im Albumkontext, flüssiger arrangiert und geben damit ein Album wie aus einem Guss ab.

Dass „One Of Us Is The Killer“ das zweite Album in gleicher Besetzung ist, merkt man von der ersten bis zur letzten Minute: THE DILLINGER ESCAPE PLAN wirken kompositorisch besser aufeinander abgestimmt als das noch auf dem sehr unberechenbaren Vorgänger der Fall war und ziehen hier hörbar mit aller Kraft an einem Strang. Als Folge stehen auf „One Of Us Is The Killer“ weniger einzelne Momente oder Songs im Mittelpunkt als die Gesamtatmosphäre des Albums – ein Umstand, der das Werk flüssiger durchlaufen lässt, es dem Hörer jedoch auch etwas schwieriger macht, die Kontraste herauszuarbeiten.

Trotz unzähliger Durchläufe und dem Fakt, dass „One Of Us Is The Killer“ bereits jetzt nicht mehr aus meiner Musikauswahl wegzudenken ist, würde ich derzeit „Option Paralysis“ noch als das stärkere, wenn auch vielleicht nicht musikalisch bessere zweier großartiger Alben bezeichnen. Noch.

Bewertung: 9.5 / 10

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