CD-Review: Triptykon - Shatter (EP)

Besetzung

Tom Gabriel Warrior – Gesang, Gitarre, Programmierung
V. Santura – Gitarre
Vanja Slajh – Bass
Norman Lonhard – Schlagzeug

Gastmusiker:Nocturno Culto – Gesang (Track 5)

Tracklist

01. Shatter
02. I Am The Twilight
03. Crucifixus
04. Circle Of The Tyrants (Live, Celtic Frost-Cover)
05. Dethroned Emperor (Live, Celtic Frost-Cover)


Dass EPs nur selten auf CD gepresstes Herzblut darstellen, ist eine wenig revolutionäre Feststellung – handelt es sich bei diesem Format doch in den meisten Fällen, vor allem bei großen Bands mit großem Label im Rücken, eher selten um einen Release, der liebevoll zusammengestellt wurde und eine in sich geschlossene Einheit darstellt… gängiger ist (die Ausnahme bestätigt natürlich auch hier die Regel), die EP als Resteverwerter und Cash-Cow zu nutzen, mit der unter geringem finanziellem Aufwand, da das benötigte Material ja meist „eh schon da“ ist, gutes Geld gemacht werden kann.

TRIPTYKONs neuester Release, eine EP namens „Shatter“, gehört leider nicht zu den Ausnahmen, sondern bestätigt die Regel durch schlichtes Erfüllen all dieser Vorurteile:

Hinter einem Artwork, das den Anschein erweckt, man habe hier, um den Layouter zu sparen, einen Praktikanten von der Kaffeemaschine weggeholt („Komm, da machst mal schön dat Logo druff, dann packst da halt den Namen der EP drunter, am besten in… ach was soll der Geiz, nimm einfach den voreingestellten Paint-Textfeld-Font… und gut is‘. Ich komm so in 5Minuten wieder, bis dahin muss das stehen!“), verbirgt sich eine durch zwei Live-Versionen von Celtic Frost-Klassikern „aufgepeppte“ Sammlung von bei den Aufnahmen zu „Eparistera Daimones“ liegengebliebenen Stücken.Entgegen einigen „Unreleased Tracks“, die sich im Nachhinein als wahre Perlen herausstellen, erkennt man bei den drei Stücken auf „Shatter“ recht schnell, warum diese ihren Weg auf das Album nicht gefunden haben: Zwar sind sie sicher nicht schlecht im Sinne von grausig anzuhören oder dergleichen, der Aussage des Albums hätte jedoch keiner von ihnen etwas nennenswertes hinzuzufügen gehabt, so dass sie das Werk vielleicht länger, jedoch sicher nicht besser gemacht hätten. Ein gutes Beispiel hierfür ist das fast fünfminütige Quasi-Instrumental „Cruzifixus“, welches auch in „neugemixter und gemasterter Version“ allenfalls das Potential zu einem halbwegs gelungenen Intro oder Outro hätte, jedoch ob seiner Länge selbst hierfür ungeeignet erscheint…
Und wie so oft, geht auch diesmal der Versuch, die Tracklist mittels einiger Live-Recordings über die 25-Minuten-Hürde zu hiefen, um behaupten zu können, man biete dem Fan ja etwas für sein Geld, gründlich in die Hose – denn realistisch betrachtet braucht auch diese beiden Tracks kein Mensch: „Circle Of The Tyrants“ wirkt, aus dem Jahr 1985 gerissen und unverhofft wieder auf einen Release gepackt, etwas unschlüssig, wie er sich dort doch verhalten soll, passt er doch nicht wirklich zu den TRIPTYKON-Songs, kann die Verwandschaft jedoch auch nicht geheimhalten. Betretenes Schweigen im Saal. Nur wenig besser geht es seinem Leidensgenossen „Dethroned Emperor“, in dem, passend zum Alter des Songs (aus dem Jahre 1984), mit Nocturno Culto noch eine Black Metal-Koryphäe vergangener Tage durch Unauffälligkeit glänzen kann: Auch dieses Stück ist durchaus patent dargeboten, lässt jedoch erneut ein großes Fragezeichen über meinem Kopf entstehen, erwachsen und vergehen… fragt man sich doch, warum hier, wenn schon statt TRIPTYKON-Livetracks mit längst verjährten Heldentaten gepralt werden muss, nicht wenigstens Tracks im Stile TRIPTYKONs gewählt wurden – böte doch „Monotheist“ reichlich Material, das besser geeignet gewesen wäre.
Denn so realistisch muss man sein: Wer „Morbid Tales“ verehrt, fand doch schon „Monotheist“ ein Greuel, von TRIPTYKON ganz zu schweigen – sich so bei dieser Fangruppe einschleimen zu wollen, erscheint genauso aussichtslos, wie zu hoffen, mit dem true Geschrubbe von damals TRIPTYKON- beziehunsweise Celtic Frost-Spätphasen-Fans zu beglücken.

Alles in allem ist es ein sehr mageres Paket, dass die gefeierte Truppe hier geschnürt hat:
Von der Tatsache abgesehen, dass sich TRIPTYKON nicht nur live, wie auf dem Summer-Breeze bewiesen, sondern sogar noch auf CD zu beachtlichen Teilen auf das Vermächtnis von Celtic Frost stützen und sich für alte Heldentaten feiern lassen, statt neue zu vollbringen, bietet diese EP schlicht und ergreifend weder die Qualität, noch die Quantität, die einen Kauf rechtfertigen würde.

Keine Wertung

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