CD-Review: Wyrd - Heathen (Re-Release)

Besetzung

Narqath - Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Heathen


„Heathen” war 2001 das erste Werk von Narqath, Mastermind (und einziges Mitglied) von WYRD. Fünf Jahre später legte Omvina es neu auf, das übrigens mit neuem Covermotiv. Vergleicht man beide Grafiken, so fällt beim Original die putzige Zeichnung auf, das neue Bild ist hingegen modern aufgemacht, die darauf abgebildete Figur erinnert an den Waldgeist (?) rechts auf dem ursprünglichen Motiv. Der Elch wäre feiner gewesen, aber man kann nicht alles haben. Es ist jedoch tröstlich, dass er das Backcover ziert. Auf dem Album befindet sich übrigens nur ein Stück, das dann aber auch mit einer Laufzeit von mehr als 50 Minuten. Im Booklet finden sich ansonsten nebst Lyrik schöne Bilder einer herbstlichen/winterlichen Wälderlandschaft.

Mit sanften Klampfenklängen wird „Heathen“ eröffnet, eine idyllische Szene wird erschaffen, bis dann nach zwei Minuten die Stromgitarre und gedämpftes Drumming für eine deutlich kältere Stimmung sorgen, der Krächzgesang trägt seinen Anteil dazu bei. Der Refrain wird hingegen von klarem, hallendem Gesang getragen, was der Musik epische Züge verleiht. Besonders der Ausruf am Ende des Klargesangs und die damit einhergehende, plötzlich lauter werdende Instrumentalleistung kann begeistern. Wunderschöne und einprägsame Melodien werden hier aufgeboten. Nach einigen Minuten verlagert sich „Heathen“ wieder auf die Akustikgitarre, welche schlicht genießerische Musik zum Entspannen und Resümieren bietet. Darauf wieder ein Wechsel, es bleibt grundsätzlich bei melodischeren Klängen, dafür trumpft der Klargesang einmal mehr auf. Allerdings ist er hier und da vielleicht zu hervorragend, so dass er nicht immer hundertprozentig zu gefallen weiss. Später folgt eine Passage mit einer mystischen, an Bergthron erinnernden Keyboardmelodie, in welcher Narqath lediglich spricht. Dem Vernehmen und dem logischen Inhalt des Werkes nach geht es um die alten Götter und eine Anklage gegen die Christianisierung, in deren Zuge jener alte Glaube weichen musste. Nach gut 20 Minuten vernimmt man wieder Musik von WYRD, welche sich von der Beschreibung her in das bisherige Album nahtlos einfügen und voller Atmosphäre sind. Grundsätzlich scheint „Heathen“ auch im Folgenden immer diesen Wechsel zu vollziehen, wobei sich beide Parts in etwa gleichmäßig aufteilen. Nach einer hochklassigen Melodie, welche bei 30 Minuten ertönt, hört man Schlachtengetümmel, was aufschrecken lässt, denn wie viele Gruppen nutzen solche Utensilien und wirken damit mehr als lächerlich respektive nervig? Doch nach wenigen Sekunden ist die Chose auch schon wieder Vergangenheit und der Finne fährt wie zuvor fort. Das letzte Viertel geht es dann grundsätzlich gemäßigter zu, die Musik löst sich vom Black Metal, verhält sich offener und gefühlsneutraler. Gen Ende dürfen dann noch einmal Keyboard und Akustikgitarre heran, die Klänge werden sachte ausgeleitet und scheinen mir von der Wirkung her fast deckungsgleich mit denen von Bergthrons „Verborgen in den Tiefen der Wälder“ zu sein. Melancholisches Zurückblicken, nochmal ein kurzes Aufbäumen der Stromgitarre und letztlich ein lieblicher Klang, welcher das Ende verkündet, es mit seinem Liebreiz aber mit gemischten Gefühlen tut.

Natürlich kann ein Lied mit einer solchen Länge nicht permanent fesseln, dann wäre es mehr als das, mehr als Kunst. Das ist hier nicht der Fall. Dafür gibt es aber unzählige traumhafte, sehnsüchtige, einfach herrliche Melodiebögen, Riffs und Konstruktionen, was mehr als genug entschädigt. Die Zeit vergeht beim Hören recht fix, wenn man sich auf „Heathen“ einlässt, es lässt erleben und die Gedankenwelt von WYRD nachher besser verstehen, auch wenn man kein einziges Wort verstehen sollte. Die Musik ist die Sprache. Das wiederum ist keine Neuigkeit, sondern wurde hier nur auf wunderschöne, atemberaubende Weise belegt. Den einzigen Vorwurf, den man Narqath machen könnte, ist der manchmal weniger gut eingesetzte Klargesang, ansonsten fabelhaftes Stück.

Bewertung: 8 / 10

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