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Thou – Magus

(Sludge / Hardcore / Doom Metal) THOU haben sich ihre eigene kleine Nische geschaffen: Aus dem Sumpfwasser von Baton Rouge, Lousiana emporgekrochen, mischt die Band Elemente des Sludge und Doom mit fiesem, schon fast blackmetaleskem Keifen und Progressive-Rock-Attitütde. Dafür wird die Bands von den Großen des Southern Metal und anderer härterer Genres über den grünen Klee gelobt. Ebenso machen die fünf Musiker keinen Hehl aus ihrer starken antifaschistischen Einstellung – in einer oft gezwungen apolitischen Szene eine sympathische Grundhaltung. Mit „Magus“ legen THOU ihr viertes Album vor, mit dem sie ein weiteres Mal die Wände erzittern lassen.

„Magus“ ist in jeder Hinsicht ein Monster: Mit einer Spielzeit von 83 Minuten reizen THOU die Grenzen einer Compact Disc komplett aus. Die meisten Songs bewegen sich um die Zehnminutenmarke, und werden von einigen kürzeren Interludes und kompakteren Nummern begleitet. Trotz des verschleppten Tempos und der tonnenschweren Riffs kommen auf „Magus“ Melodien nicht zu kurz. Dass diese zwar harmonisch, allerdings alles andere als versöhnlich klingen, liegt in der Hässlichkeit, die THOU auf „Magus“ zelebrieren. Diese Mischung wird von einer druckvollen, bewusst dreckig gehaltenen Produktion großartig eingefangen.

Man hört „Magus“ an, dass THOU im Vorfeld drei EPs mit musikalisch komplett unterschiedlichen Zugängen veröffentlicht haben. So stolpern in „My Brother Caliban“ „The Law Which Compels“ neben Drone-Anklängen vereinzelte elektronische Elemente umher, besonders in „Invocation Of Disgust“ Blitzen Spuren von Grunge auf und „Sovereign Self“ könnte mit seiner Hardcore-Stimmung auch eine langsame Converge-Nummer sein. Diese unterschiedlichen Einflüsse sind auch notwendig, da sich THOU nicht gerade durch große Abwechslung im Songwriting auszeichnen, wie es bei derart verschleppter Musik häufig der Fall ist.  Dennoch tritt trotz struktureller Ähnlichkeiten keine Langeweile auf.

„Magus“ fordert die gesamte Aufmerksamkeit seiner Hörer*Innen ein, um seine ganze Größe zu entfalten. Auch wenn THOU das Rad mit „Magus“ nicht neu erfinden, wissen sie mit ihrem ganz eigenen Stilmix dennoch zu begeistern. Der Eindruck, dass diese mächtige Soundwand in einer konzentrierteren Form noch stärker mitreißen könnte, bleibt allerdings.

Black Tusk – T.C.B.T.

BLACK TUSK, das war zumindest optisch immer in erster Linie Jonathan Athon – der bärige Bassist und Sänger mit dem eindrucksvollen Bart, der mit seiner grundsympathischen Art jeden Zuschauer mitzureißen vermochte. Bis Athon am 09.11.2014 an den Folgen eines Motorradunfalls verstarb. Für die hinterbliebenen Musiker war schnell klar: Es geht weiter – mit seinem Freund Corey Barhorst (ehemals Kylesa) am Bass und jeder Menge Wut im Bauch.

Auf das 2016er-Album „Pillars Of Ash“, an dessen entstehung Athon noch selbst beteiligt war und das sogar noch von ihm eingespielte und -gesungene Tonspuren enthielt, folgt nun das erste Album ganz ohne Athon: „T.C.B.T.“. Der Titel ist die Abkürzung für „Taking Care of Black Tusk“, und in der Tat sorgen BLACK TUSK mit Album Nummer fünf vorbildlich für den guten Ruf der Kapelle, der ihnen schon zu gemeinsamen Touren mit Größen wie Black Label Society, Down, Weedeater oder Eyehategod verholfen hat.

Nach dem eher untypischen, gesprochenen Intro weiß bereits der Opener „Closed Eye“ mit unglaublicher Dynamik zu begeistern: BLACK TUSK sprühen nur so vor Energie, die sich in den kurzen, oft nur knapp über zwei Minuten langen Nummern explosionsartig entlädt: Simple, punkig angehauchte Riffs, Powerplay auf dem Schlagzeug und die Reibeisenstimmen dreier wütender Kerle vereinen sich so zu kraftvollem „Swamp Metal“, wie die Band ihren Stil selbst nennt, der direkt zum Mitmoshen einlädt.

An diesem bereits auf den Vorgängern konsequent durchgezogenen Konzept ändern BLACK TUSK auch im Verlauf von „T.C.B.T.“ nicht viel: Große kompositorische Überraschungen braucht man sich nicht zu erwarten, vielmehr gilt das Prinzip „kennt man einen, kennt man alle“. Damit aber auch: Mag man einen, mag man alle. Denn qualitativ lassen BLACK TUSK über die gebotenen 42 Minuten zu keiner Sekunde nach.

Von der ersten bis zur letzten Sekunde drücken die Jungs aus Savannah, Georgia, USA, auf „T.C.B.T.“ das Gaspedal voll durch und überzeugen mit Lässigkeit, Charme und so viel Spielfreude, dass es schwer ist, sich dieser zu verweigern. Das Bandkonzept ist schnell verstanden, danach geht es einfach nur noch rund. Wem ein einzelner Song dieses Albums zu wenig Finesse zu bieten hat, ist wohl nicht der richtige Adressat für „T.C.B.T.“. Alle anderen dürfen sich über ein BLACK-TUSK Album nach bester Tradition freuen. Ohne Athon – für Athon.

Red Apollo – The Laurels Of Serenity

Nachdem es einige Jahre lang eher ruhig an der Sludge-Front war, scheint es so, dass immer mehr Bands zu diesem Musikstil zurückkehren und damit, zumindest subkulturell, Erfolg haben. Ein Beweis dafür sind RED APOLLO, die in den letzten Jahren mit schweißtreibenden Live-Shows und brachialen Gitarrenwalzen auf sich aufmerksam machen konnten. Innerhalb von nur sieben Jahren Bandgeschichte legt die Band mit „The Laurels Of Serenity“ ihr drittes und bisher stärkstes Album vor.

Der wütende, leidenschaftliche Post-Black-Metal, den RED APOLLO auf dem Vorgänger „Altruist“ fokussiert haben, ist auf „The Laurels Of Serenity“ nur noch in der Stimmung zu spüren. So finden sich auf „Ides Of March“ einige Gitarrenläufe, die dieser Spielart unverkennbar entnommen sind, auch wenn der Song generell als einer der weniger überzeugenden Momente auf diesem starken Album fungiert. Der Gesang erinnert immer wieder an Crust-Bands, was sich auch in den dreckigen Gitarrenläufen und den gelegentlichen Tempoausbrüchen festmachen lässt. Gepaart mit aus dem Progressive Rock entlehnten Melodien und Rhythmusspielereien, wie im Titeltrack, dominiert auf „The Laurels Of Serenity“ dennoch ganz klar Sludge: Zentnerschwere Gitarrenriffs treffen auf ein wuchtiges Schlagzeug, tiefes, fast schon tierisches Gebrüll trifft auf ruhige Melodien, all das überlagert von einer beklemmenden, melancholischen Atmosphäre.

Seien es der Basslauf in „Anguish & Purgatory“, die Melodieführung in „Rituals & Repulsion“, die groß angelegten Flächen auf allen Nummern, die wuchtigen Ausbrüche oder das charismatische Zusammenspiel zwischen Melodie und Härte, wie zu Beginn von „Deathwaters Of Acheron“: Unverkennbar stehen die großen Isis Pate für RED APOLLO. Dazu passt, dass „The Laurels Of Serenity“ mit der Auseinandersetzung mit pathologischen Ängsten ein durchgehendes Thema besitzt. Durch die Einflüsse von Black Metal, Crust und Progressive Rock klingt die Band aus NRW allerdings nie wie eine Kopie der Band aus Kalifornien, sondern besitzt einen eigenen Sound. RED APOLLO haben mit ihrem dritten Album ihren eigenen Sound gefunden – es wird spannend sein, die weitere Entwicklung dieser Band zu verfolgen.

Crowbar: Bassist Todd Strange verlässt die Band

Todd Strange, Gründungsmitglied der aus New Orleans, Louisiana stammenden Sludge-Metaller CROWBAR, der erst 2016 nach 16-jähriger Abstinenz zurückgekehrt war, wird nicht mehr länger Mitglied der Band sein.

CROWBAR sagten hierzu: „Alle von uns denken, dass die Familie zuerst kommen muss.“

Wer Strange ersetzen wird, wurde bisher noch nicht bekanntgegeben.

Amenra w/ Myrkur

Im Februar kündigten mit AMENRA und MYRKUR zwei Bands, die sich atmosphärisch dichter Musik verschrieben haben, eine gemeinsame Tour in Deutschland und der Schweiz an. Beide brachten 2017 viel beachtete und geschätzte Alben heraus: Die Post-/Sludge-Metal-Formation AMENRA mit ihrem Opus „Mass VI“ und MYRKUR, das Black-Metal-Projekt der dänischen Sängerin Amalie Bruun, mit ihrem zweiten Werk „Mareridt“. An diesem Abend macht das Duo im Hansa 39 des Münchner Feierwerks halt.

In der schon gut gefüllten Halle betreten die den Abend eröffnenden MYRKUR die Bühne, auf der ein hübsch mit Pflanzen geschmückter Mikroständer an der Front platziert wurde. Zu einem sehr langsamen Drone-Riff nimmt Sängerin Amalie Bruun den Platz dahinter ein und beginnt, ihre sphärischen Gesänge darüberzulegen. Es ist eine ganz eigene Atmosphäre zwischen Schwermütigkeit und Mystik, die sich während MYRKURs Auftritt im Zuschauerraum breitmacht. Musikalisch bleibt die Band meist im Doom-Bereich, wechselt aber dann ab und zu auf einen Post-Black-Metal-Teil oder eine folkige Passage.

Bruun gelingt der Gesang dabei unheimlich gut und präzise – etwas zu sehr, um nicht zumindest ein wenig misstrauisch zu werden, wie viel da nachgeholfen wurde. Zumal ihr Gesang leider nicht gerade selten von etlichen sie begleitenden, vom Band abgespielten Hintergrundgesängen unterstützt wird. Dennoch: Mit viel Hall ausgestattet bringt sie einige sehr schöne Momente zustande, auch wenn es heute fast ausschließlich bei Klargesang bleibt. Ob es für die Wirkung des Auftritts musikalisch überflüssiges, optisch dramatisches Schlagen einer Handtrommel braucht, muss wohl jeder selbst entscheiden. Einen gelungenen Abschluss finden MYRKUR jedoch mit der von Bruun solo vorgetragenen, mittelalterlichen Ballade „Villemann og Magnhild“.

Setlist MYRKUR

  1. Drone Intro
  2. The Serpent
  3. Ulvinde
  4. Dybt I Skoven
  5. Onde Børn
  6. Vølvens Spådom
  7. Jeg Er Guden, I Er Tjenerne
  8. De Tre Piker
  9. Elleskudt
    Måneblôt
  10. Skøgen Skulle Dø
  11. Skaði
  12. Villemann Og Magnhild


Nach einer halben Stunde Umbaupause erscheint das Logo der Church Of Ra im Hansa 39, das zwar nicht ausverkauft, aber doch beeindruckend voll ist. Als AMENRA unspektakulär die Bühne betreten, ertönen erste Jubelschrei, das klassische Pausengemurmel verstummt dann allerdings erst auf einen Schlag, als Drummer Bjorn Lebon zwei Klangstöcke zusammenschlägt und die Messe eröffnet. Über gut fünf Minuten baut sich eine kaum auszuhaltende Spannung aus, bis die erste brachiale Wall of Sound über das Publikum hinweg walzt. Die Abmischung ist kristallklar, das Publikum headbangt in Slow Motion und AMENRA reißen mit einer bedrohlichen, packenden Atmosphäre mit, die inhaltlich fast alle Alben der Belgier abdeckt.

Es dauert fast 40 Minuten, bis Sänger Colin van Eeckhout sein Shirt auszieht und sein imposantes Rückentattoo offenbart. Auch wenn AMENRA wie immer auf jede Form der Publikumsinteraktion verzichten, überrascht es, dass Colin dieses Mal ganze Passagen dem Publikum zugewandt singt – den Großteil der Show verbringt er allerdings in seiner eigenen Welt, tief vergraben in den Visuals. Diese wirken auf der recht kleinen Bühne des Hansa 39 heute fast etwas verloren – die Kranhalle wäre insgesamt die stimmigere Location für ein Konzert von AMENRA gewesen. Nach 70 Minuten Brutalität, Fragilität, Leidenschaft und Sehnsucht ist es plötzlich still und die Musiker verlassen die Bühne – zurück bleibt nur das Logo der Church Of Ra.

Setlist AMENRA

  1. Boden
  2. Plus Près De Toi (Closer To You)
  3. Razoreater
  4. Diaken
  5. Thurifer et Clamor ad te Veniat
  6. Nowena | 9.10
  7. Terziele
  8. Am Kreuz
  9. Silver Needle. Golden Nail


Die mythische und apokalyptische Stimmung des Abends wird von beiden Bands auf unterschiedliche Weise transportiert. Während Myrkur verträumter, schöner und außerweltlicher agieren, sind Amenra eine grollende, aus der Tiefe stammende Urgewalt. Egal, wie oft man eine Show der Belgier auch sieht: Es ist immer wieder aufs Neue beeindruckend und umwerfend.

Hemelbestormer – A Ring Of Blue Light

2012 im belgischen Diepenbeek gegründet, wussten HEMELBESTORMER bereits mit ihrem Debüt-Album „Aether“ an allen Fronten zu überzeugen: Zunächst die Verantwortlichen des französischen Black-/Doom-Labels Debemur Morti Productions, anschließend Presse und Fans. Auf dieser Sympathiewelle schwimmend, legen die Instrumental-Doomer nun ihr zweites Album nach – diesmal über das nicht weniger namhafte deutsche Szene-Label Ván Records.

Was das Layout angeht, sind sich HEMELBESTORMER im Großen und Ganzen treu geblieben: Auch diesmal ziert ein eindrucksvoller Gipfel vor Sternenhimmel das Cover. Wenig gelungen ist dabei jedoch die grafische Umsetzung des Albumtitels: Schon mit ein paar simplen Effekten hätte man den babyblauen MS-Paint-Kringel zu einem glaubhaften „Ring Of Blue Light“ werden lassen können. So jedoch fehlt der Darstellung jedwede Strahlkraft, um beim Thema zu bleiben.

Das sieht bei der Musik zum Glück anders aus – wenn hier auch bei Weitem nicht alles beim Alten geblieben ist. Düster und rein instrumental agieren HEMELBESTORMER zwar auch auf ihrem zweiten Album. Doch auch der Stil der Band hat sich sehr konkret weiterentwickelt: Während der Opener „Eight Billion Stars“ mit seinem schleppenden, Sludge-Doom-Riffing und seinem extrem dreckigen Distortion-Sound zu Beginn fast noch böser klingt als das „Aether“-Material, überrascht das Stück in der zweiten Hälfte mit sanften Melodien, ja, zwischendurch sogar einem filigranen, unverzerrten Part.

Diese neue Seite zeigt sich im Folgenden immer häufiger: „Towards The Nebula“ wartet mit melodischen Cleangitarren und anderen Post-Rock-Elementen auf, „Redshift“ offenbart Ambient-Anleihen und der Quasi-Titeltrack „Blue Light“ klingt – nur mit Cleangitarre und minimalistischem Schlagwerk arrangiert – für HEMELBESTORMER fast zärtlich. Dem stehen nicht nur mit dem Zwischenspiel „Clusters“, sondern auch mit dem finalen „The Serpent Bearer“ (zumindest in dessen erster, harscher Hälfte) zwei stark Noise-/Drone-geprägte Nummern entgegen.

War das Debüt noch geprägt von „düsteren, vollen Riffs, die griffig und zugleich schroff“ aus den Boxen dröhnten, gehen HEMELBESTORMER auf ihrem zweiten Album deutlich feinfühliger zu Werke. Was einerseits ohne Frage die Vielseitigkeit steigert, entschärft andererseits die Gesamtatmosphäre etwas: An die alles mitreißende, zähe Düsternis von „Aether“ kommt „Ring Of Blue Light“ deswegen trotz harscherer Produktion, herausragender Momente und einem durchgehend sehr hohen musikalischen Niveau leider nicht ganz heran.

Amenra

  • Englische Version

    Hi Colin, thanks a lot for taking time for this interview! How are you doing?
    I am doing okay thank you. We are currently driving to Leipzig overnight. We play there tonight. And our bassplayer, Levy, is driving a 1300km right before a show. It’s madness. People don’t always realize that, we left home at 2AM to play a show at 11PM.

    First, congratulations on your new record „Mass VI“. Are you satisfied with how the album turned out and with the reactions of fans and press so far?
    Thank you very much. Yes, it was the first time that I believed in the album, as soon as it was recorded. Mostly I am extremely uncertain of its outcome, and reviews and testimonies persuade me of its ’success‘ after a while. We are extremely happy of how it is received, and all the good reviews and comments. I do believe that it’s a new milestone in our existence.

    You decided to give the record two different mixes in Europe and the US, as well as a different artwork. How do they differ and why did you decide to do this?
    In AMENRA we really know what we want, sound and aesthetic wise. So we like to do as much as we can ourselves, to make it just the way we want it to be.

    The more people involved the more you stray from your intentional goal or wish. That is mainly why we have a EU version, where we went wild on the vinyl, making it a 2x180gr LP 45rpm vinyl. For optimal sound results, a custom sleeve etc. Wasn’t a smart economic decision though, postage and production wise etc.. But for us it always needs to be an object of art. Or something as close to it as possible. We really want the things to be like we want it.

    The photographer we worked with, Stephan Vanfleteren, also made a beautiful series of photographs, and it was obvious for us to ‚play‘ with that, instead of going the easy route, and just copy pasting it in different templates.

    As for the mixes, we always wondered what would happen to our music if it goes to different producer/sound engineer’s hands. And this time we had the means to do so. So we had Billy mixing and producing the album for one version (US), and Jack Shirley for another version (EU). It was interesting to hear the different nuances etc., and realise the importance of mixes and masters.

    What is the message of the cover art in your opinion and how is it linked to the music and the lyrics on „Mass VI“?

    There is an expression in different languages: „Svanesang“, „La mort du cygne“, etc. We’ve almost been around for 20 years and this time round we succeeded in writing another album. There is an ending to everything, and the longer we exist the more aware I am that that ending might be coming closer, or more present. Also we are mere humans and there is probably also a limits to our musicmanship or creative skills. I have difficulty believing that it is possible to keep on growing or bettering yourself as a band.

    As for the cover art itself. The photograph of the swan truly spoke to me. It really embodies and visualized what we created with “Mass VI”. I always look for an image that comes as close as possible to what we have written.

    The swan is a beautiful and gracious, yet ferocious animal. It demands a certain respect, and forces you to maintain distance while observing its beauty. And here the swan’s life has come to an end. Even after its death, it still demands respect. It still has its beauty and grace. The silence, the rest that comes from this image is striking. The Calm. Eternal Sleep. It’s a farewell, a good bye. In everything we do, also hides that farewell. We say goodbye in everything we do.

    How would you say that „Mass VI“ separates itself from its predecessors? How are all the entries in the series linked to each other?
    The series of Masses? I can say MASS III and MASS VI would be what I suspect to be turning points in our „career“. You can easily google my essay from the independent, where I analyse that, as well as our 2009-2014 book. I and II is where we were looking for our way into the musical world. III is where we found our way, IIII and V is where we perfected that way. And presumably VI is where we opened a new door again.

    Could you imagine releasing a heavy album that is not a continuation of the „Mass“-series?
    Of course, why not? We are our own masters. If it doesn’t make sense to us to name it Mass, we won’t. We have Afterlife and Alive already, etc.

    This time there is a lot more of clean singing than on your previous records. How did this come about?
    I think I grew more certain of my clean singing, through playing acoustic shows, my solo project CHVE and numerous cooperations and vocal contributions to befriended projects. I was free there, could reign over a new land. And through time it became a new voice inside my head. Where in the past my innervoice was „scream vocals“, I now have a second voice.

    How do you usually write your songs? Do you all meet up or does someone do the composing?
    For this album, we lacked the time to endlessly jam and discuss every note played, like we did in the past. So all the guitar players worked at home looking for parts and ideas. Whereas we now had Levy writing with us for the first time, who was already comfortable working in that matter. So he really put the machine in motion and wrote a lot of guitars for VI. He knew and liked the band before ever playing in it, so was able to work from a whole different view, while we all had written at least six AMENRA albums before. It was really nice to have this new wind blow through the writing process.

    Did your acoustic record have an influence on the way of writing songs and lyrics compared to your earlier records?
    I think we felt more comfortable in the more acoustic clean parts of the album. It came more naturally, it’s like a new language we had just learned to speak

    There are three languages used on the album. How do you decide which language is the right one for which song?
    It comes naturally. I continuously write things down in books, sometimes it had phrases in Dutch, French, even German; things that made sense to me, spoke to me. It’s just a decision to make, you follow that inner voice. Whatever language that speaks, that’s the language you take.

    What do the two Flemish Interludes talk about and why did you decide to use interludes this time?
    They are what the french call ‚des points de repères‘. Moments where everything comes back to ‚one‘, where you come back to yourself, where you center your being. Hard to explain. We felt you needed those moments in the album. They should feel like a moment, where someone just puts his or her hand on your shoulder, and looks you in the eye. A faint smile. Right before you dive back into it.

    They’re dutch poems, our native tongue makes it possible for us to ‚work‘ the words more. To make it sound right, have an undertow, of meaning. That is only graspable by those whom speak the language. It’s where we put everything AMENRA does into the least words possible. Say more, with less.

    You released a very symbolic and atmospheric video for „Children Of The Eye“. Why did you choose that song and can you talk a little bit about the symbolism used in the video?
    Our friend Wim Reygaert, who did the first AMENRA visuals live ever, around the time of the MASS III release, directed the video. DOP Maxim Dierickx made the COR and 23.10 DVD for us around 2008. It’s obvious for us to fall back on friends who’ve known us for over a decade. We need less words to explain things to each other.

    “Children of the Eye” is a clear attack on an invisible enemy. We address the moments in time or life, where there is no clear person or place to direct your anger or frustration to. It’s the moments in time where you have to endure a situation, without being able to do anything about it. It’s the situations in life that are of such a magnitude that they turn your life upside down, against your will. But you simply have to live with it, and find ways to make it a part of your ’new‘ life. It is where, no matter how hard you try, and how hard you work, fate decides for you. And you will bow down to that. It’s about not giving up, and losing hope. It’s about being together in that moment, even though they are the loneliest times in a human’s life.

    As your mesmerizing music, your live shows are almost a ritual and really intense. Did you decide from the beginning to immerse yourself into the combination of visuals and minimalistic lighting?
    Pretty much; the minimal, filmic and repetitive nature of our music quickly directed us towards the use of visuals and close to no lights live. We wanted to be complete. Work on all senses. Help people to get lost in the moment/music. We like to make the moment our own. The bigger we get the harder it gets though, production wise.

    You toured together with Converge and Neurosis in the US this year – how was that experience, on stage and backstage?
    Mindblowing. They both influenced us along the way, they’re both bands who carved their way through an existing musical landscape, and just mowed right through it. They had and have a clear vision where they don’t uphold any expectation or demand. They just do whatever comes into their minds or souls. I really respect that.

    How both bands really took us under their wing to make this US tour possible for us was heartwarming. They helped us out with everything. We knew each other from EU shows and became friends throughout the years, so all went really natural. Best tour we ever had.

    Are there any specific countries or cities you enjoy playing more than others?
    I might be speaking for myself, but I look back to Greek and Russian shows with a certain melancholy. Of course, European Capitals are nice too, as well as some US cities.

    How do you think festival shows are different from club shows and which do you prefer?
    Club shows obviously. It’s more intimate. We have more time to make the place our own. You have half a day to prepare your production instead of half an hour. The cool thing about festivals is that you reach more people, it’s more of a challenge, feels more like guerrilla warfare. Whereas clubs tend to give us more control.

    You are an integral part of the Belgian Alternative-Music-scene, especially with Church Of Ra. How would you describe the scene and how does it differ from other countries?
    It probably does not differ from other scenes or countries, where befriended bands help each other out as much as they can. I can’t really say, cause i can’t speak for the world.

    How did the idea for Church of Ra come up in the beginning?
    The knowledge of us not being alone, it being more than the five musicians who make the music.

    Are there any specific plans for shows next year or maybe even already new music on the horizon?
    Lots of touring and playing shows. I think we’ll all be putting attention to our side- and other projects now, since this one is written. Wiegedood and Oathbreaker are writing, Absent in Body, CHVE and Syndrome will follow. New projects and cooperations etc. And I believe next one up for us will be an acoustic album. You never know.

    I would like to end the interview with our traditional Metal1.info-brainstorming. What is the first thing that comes to your mind when you hear the following terms:
    Religion: Belief
    Black and White: Light over darkness
    Cold: Warmth
    Belgium: Home
    AMENRA in 10 years: Present

    The last words are yours – is there anything left you want to tell our readers?
    Gratitude. Eternal gratitude to all involved in our path of existence.

  • Deutsche Version

    Mit „Mass VI“ haben AMENRA ihr vielleicht bisher bestes, auf jeden Fall aber ihr ausgereiftestes Werk vorgelegt. Wir sprachen mit Sänger Colin Van Eeckhout über die Entstehung des Albums, das tiefere, symbolische Konzept und dessen Inhalt, den Mythos der Church Of Ra und das Tourleben der Band.

    Colin, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast! Wie geht es dir?
    Mir geht es ganz gut, danke. Gerade fahren wir über Nacht nach Leipzig. Wir spielen heute Abend dort. Und unser Bassist Levy fährt 1300 km direkt vor einer Show. Es ist Wahnsinn! Die Leute merken es meistens nicht, dass wir um 2 Uhr morgens zu Hause aufbrechen, um eine Show um 23 Uhr zu spielen.

    Zunächst herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album „Mass VI“. Bist du zufrieden mit dem Ergebnis und den Reaktionen der Fans und der Presse?
    Vielen Dank! Ja, es war das erste Mal, dass ich an das Album geglaubt habe, sobald es aufgenommen war. Meistens bin sehr unsicher gegenüber dem Resultat, und Rezensionen und Zeugnisse überzeugen mich erst nach einer Weile von seinem „Erfolg „. Wir freuen uns sehr über die Resonanz und die guten Bewertungen und Kommentare. Ich glaube, es ist ein neuer Meilenstein in unserer Bandgeschichte.

    (c) Stephan Vanfleteren

    Ihr habt euch entschieden, der Platte zwei verschiedene Mixe und zwei unterschiedliche Artworks in Europa und den USA zu geben. Worin unterscheiden sie sich und was sind die Gründe dafür?
    In AMENRA wissen wir, was wir wollen, klanglich und ästhetisch. Wir tun also gerne so viel wie wir können, um es so zu gestalten, wie wir es uns wünschen.

    Je mehr Menschen involviert sind, desto mehr weicht man von seinem eigenen gewollten Ziel oder Wunsch ab. Das ist der größte Grund, warum wir eine EU-Version haben, bei der wir uns mit der Vinyl-Ausgabe ausgetobt haben und eine 2x180gr LP 45rpm Vinyl gemacht haben, optimale Klangergebnisse, eine maßgeschneiderte Hülle etc. Das war aber keine kluge wirtschaftliche Entscheidung, was Porto und Produktion etc. betrifft. Aber für uns muss es immer ein Kunstobjekt sein, oder etwas, das so nah wie möglich dran ist. Es ist uns sehr wichtig, dass die Dinge so sind, wie wir es wollen.

    Der Fotograf, mit dem wir gearbeitet haben, Stephan Vanfleteren, hat auch eine wunderschöne Fotoserie gemacht, und es lag für uns auf der Hand, damit zu‘ spielen‘, anstatt den einfachen Weg zu gehen und die Bilder einfach in verschiedene Vorlagen einzufügen.

    Was die Mixe angeht, haben wir uns immer gefragt, was mit unserer Musik passieren würde, wenn sie an verschiedene Produzenten/Soundtechniker geht. Und diesmal hatten wir die Mittel dazu. Also hatten wir Billy als Mixer und Produzent für eine Version (US) und Jack Shirley für eine andere Version (EU). Es war interessant, die verschiedenen Nuancen zu hören und die Bedeutung von Mixen und Mastern zu erkennen.

    Was ist deiner Meinung nach die Botschaft des Cover-Artworks und wie ist es mit der Musik und den Texten auf „Mass VI“ verknüpft?
    Es gibt einen Ausdruck in verschiedenen Sprachen.“Svanesang“, “ La mort du cygne“, usw. Uns gibt es jetzt seit fast 20 Jahren und dieses Mal ist es uns gelungen, ein weiteres Album zu schreiben. Es gibt ein Ende für alles, und je länger wir existieren, desto bewusster bin ich mir darüber, dass dieses Ende näherkommen könnte oder präsenter wird. Auch wir sind nur Menschen und es gibt wahrscheinlich eine Grenze für unser musikalisches Können oder unsere kreativen Fähigkeiten. Ich habe Schwierigkeiten, daran zu glauben, dass es möglich ist, als Band weiter zu wachsen oder sich selbst zu verbessern.

    Zum Artwork selbst: Das Foto des Schwans hat wirklich zu mir gesprochen. Es verkörpert und visualisiert das, was wir mit „Mass VI“ geschaffen haben. Ich suche immer nach einem Bild, das dem, was wir geschrieben haben, so nahe wie möglich kommt. Der Schwan ist ein wunderschönes und graziöses, aber wildes Tier. Es verlangt einen gewissen Respekt und zwingt einen dazu, Distanz zu wahren und gleichzeitig seine Schönheit zu beobachten. Und hier ist das Leben des Schwans zu Ende. Auch nach seinem Tod verlangt es noch immer Respekt. Er hat immer noch seine Schönheit und Anmut. Die Stille, die von diesem Bild ausgeht, ist umwerfend. Die Ruhe. Ewiger Schlaf. Es ist ein Abschied. In allem, was wir tun, versteckt sich eine Verabschiedung. Wir sagen Auf Wiedersehen in allem, was wir tun.

    Worin unterscheidet sich „Mass VI“ von seinen Vorgängern und was ist die Gemeinsamkeit dieser Reihe?
    Die Reihe der Messen, meinst du? Ich kann sagen, dass „Mass III“ und „Mass VI“ dem entsprechen, was ich als Wendepunkte in unserer „Karriere“ bezeichnen würde. Dazu kann man leicht meinen Essay im Independent googeln, in dem ich das analysiere. Gleiches gilt für unser Buch 2009-2014. „I“ und „II“ sind der Ort, an dem wir den Weg in die musikalische Welt gesucht haben. „III“ ist der Moment, an dem wir unseren Weg gefunden haben, „IIII“ und „V“ sind die Stellen, an denen wir ihn perfektioniert haben. Und vermutlich ist „VI“ der Moment, in dem wir wieder eine neue Tür geöffnet haben.

    Könnt ihr euch vorstellen, ein hartes Album zu veröffentlichen, das keine Fortsetzung der „Mass“-Reihe ist?
    Natürlich, warum nicht? Wir sind unsere eigenen Herren. Wenn es für uns keinen Sinn ergibt, es „Messe“ zu nennen, werden wir es nicht tun. Wir haben bereits Afterlife und Alive, usw.

    Diesmal gibt es viel mehr Klargesang als auf euren bisherigen Platten. Wie kam es dazu?
    Ich denke, ich bin sicherer in meinem Cleangesang geworden, unter anderem durch das Spielen von akustischen Shows, durch mein Soloprojekt CHVE und durch zahlreiche Kooperationen und gesangliche Beiträge in befreundeten Projekten. Ich war dort frei und konnte quasi über ein neues Land regieren. Im Laufe der Zeit hat sich das zu einer neuen Stimme in meinem Kopf entwickelt. Wo früher meine innere Stimme noch „Schrei-Gesang“ war, habe ich jetzt eine zweite Stimme.

    Wie schreibt ihr eure Songs normalerweise? Treffen Sie sich alle oder komponiert jemand?
    Für dieses Album fehlte uns die Zeit, um endlos zu jammen und jede gespielte Note zu besprechen, wie in der Vergangenheit. Alle Gitarristen arbeiteten zu Hause und suchten nach Teilen und Ideen. Dieses Mal hat zum ersten Mal Levy bei uns mitgeschrieben, der sich mit diesem Verfahren bereits wohl fühlte. So hat er die Maschine wirklich in Bewegung gesetzt und viele Gitarren für „Mass VI“ geschrieben. Er kannte und mochte die Band, bevor er überhaupt in ihr spielte, also konnte er aus einer ganz anderen Perspektive arbeiten, während wir alle mindestens schon sechs AMENRA-Alben geschrieben hatten. Es war wirklich schön, diesen neuen Wind in den Schreibprozess zu bringen.

    Hatte euer Akustik-Album einen Einfluss auf die Art und Weise, wie ihr Songs und Texte geschrieben habt, vor allem im Vergleich zu euren früheren Platten?
    Ich glaube, wir haben uns dadurch wohler in den akustisch und cleanen Teilen des Albums gefühlt. Es kam natürlicher, es war wie eine neue Sprache, die wir gerade gelernt hatten.

    Es gibt drei Sprachen auf dem Album. Wie entscheidest du, welche Sprache für welchen Song die richtige ist?Es kommt von selbst. Ich schreibe ständig etwas in Bücher, manchmal hatte ich Phrasen in niederländisch, französisch oder deutsch; Dinge, die Sinn für mich ergaben, mit mir sprachen. Es ist nur eine Entscheidung, die man treffen musst, indem du dieser inneren Stimme folgst. Die Sprache, die du dort hörst, ist die Sprache, die du nimmst.

    (c) Stephan Vanfleteren

    Wofür stehen die beiden flämischen Interludes und warum habt ihr euch diesmal für Interludes entschieden?
    Sie sind das, was die Franzosen „des points de repères“ nennen. Momente, in denen alles wieder „eins“ wird, in denen du zu dir selbst zurückkehrst, in denen du dein Wesen zentrierst. Schwer zu erklären. Wir dachten, dass es diese Momente auf dem Album braucht. Sie sollten sich wie ein Moment anfühlen, in dem jemand seinen Arm auf deine Schulter legt und dir in die Augen sieht. Ein schwaches Lächeln. Kurz bevor du wieder hineintauchst.

    Es sind niederländische Gedichte. Unsere Muttersprache macht es uns möglich, Worten stärker zu ‚ bearbeiten‘, damit sie richtig klingen und einen symbolischen Unterton haben, der nur von denen verstanden werden kann, die die Sprache sprechen. Diese Interludes sind das, in denen wir alles, was AMENRA tut, so knapp sagen wie möglich. Mehr mit Weniger sagen.

    Ihr habt ein sehr symbolisches und atmosphärisches Video für „Children Of The Eye“ veröffentlicht. Warum habt ihr euch für diesen Song entschieden und kannst du ein wenig über die Symbolik des Videos sprechen?
    Unser Freund Wim Reygaert, der die ersten AMENRA-Visuals live während der „Mass III“-Veröffentlichung gemacht hat, hat das Video gedreht. DOP Maxim Dierickx hat die „COR“ und „23.10.“-DVD für uns 2008 gemacht. Es liegt auf der Hand, dass wir auf Freunde zurückgreifen, die uns seit über einem Jahrzehnt kennen. Wir brauchen weniger Worte, um uns gegenseitig Dinge zu erklären.

    „Children Of The Eye“ ist ein klarer Angriff auf einen unsichtbaren Feind. Wir sprechen die Momente in der Zeit oder dem Leben an, in denen es keine klare Person und keinen eindeutigen Ort gibt, wogegen man seine Wut oder Frustration richten kann. Es sind die Momente, in denen man eine Situation aushalten muss, ohne in der Lage zu sein, etwas dagegen zu tun. Die Situationen im Leben, die von einer solchen Größe sind, dass sie das Leben gegen den eigenen Willen auf den Kopf stellen. Aber man muss einfach damit leben und Wege finden, es zu einem Teil seines „neuen“ Lebens zu machen. Dort, wo das Schicksal für dich entscheidet, egal wie sehr du dich auch anstrengst und wie hart du arbeitest. Und dem wirst dich beugen. Es geht darum, nicht aufzugeben und die Hoffnung zu verlieren. Es geht darum, in diesem Moment zusammen zu sein, obwohl es die einsamsten Zeiten im Leben eines Menschen sind.

    So wie eure hypnotisierende Musik sind auch eure Live-Shows fast schon ein Ritual und sehr intensiv. Habt ihr euch von Anfang an dafür entschieden, euch in die Kombination aus Visuals und minimalistischer Beleuchtung zu hüllen?
    Quasi von Anfang an; die minimalistische, filmische und repetitive Natur unserer Musik hat uns schnell auf den Gebrauch von Visuals und einer minimalistischen Beleuchtung gebracht. Wir wollten komplett sein. An allen Sinnen arbeiten. Den Leuten helfen, sich im Moment bzw. der Musik zu verlieren. Wir machen den Moment zu unserem eigenen. Je größer wir werden, desto schwieriger wird das allerdings produktionsbedingt.

    Dieses Jahr habt ihr gemeinsam mit Converge und Neurosis in den USA getourt. Wie war das, auf der Bühne und hinter den Kulissen?
    Umwerfend. Beide haben uns auf unserem Weg beeinflusst und beide sind Bands, die ihren Weg durch die bestehende Musiklandschaft gemacht haben und einfach durch sie hindurch gemäht sind. Sie hatten und haben eine klare Vision, und müssen keine Erwartungen und Forderungen erfüllen. Sie tun einfach, was auch immer in ihren Köpfen oder Seelen vor sich geht. Ich respektiere das wirklich.

    Wie beide Bands uns unter ihre Fittiche genommen haben, um diese US-Tournee für uns möglich zu machen, war herzerwärmend. Sie haben uns bei allem geholfen. Wir kannten uns von EU-Shows und wurden im Laufe der Jahre Freunde, sodass alles ganz natürlich verlief. Die beste Tour, die wir je hatten.

    Gibt es bestimmte Länder oder Städte, in denen ihr am liebsten spielt?
    Ich spreche vielleicht für mich selbst, aber ich schaue mit einer gewissen Melancholie auf unsere Shows in Griechenland und Russland zurück. Europäische Hauptstädte sind natürlich auch schön, ebenso wie einige US-Städte.

    Wie unterscheiden sich Festivalshows von Clubshows und was bevorzugt ihr?
    Club-Shows natürlich. Es ist intimer. Wir haben mehr Zeit, uns den Ort zu eigen zu machen. Dort hat man einen halben Tag Zeit, um die Produktion vorzubereiten, anstatt einer halben Stunde. Das Coole an Festivals ist, dass man mehr Leute erreicht, es ist eher eine Herausforderung, fühlt sich mehr wie Guerilla-Kriegsführung an. Die Clubs geben uns tendenziell mehr Kontrolle.

    Ihr seid ein integraler Bestandteil der belgischen Alternative-Music-Szene, besonders mit der Church Of Ra. Wie würdet ihr die Szene beschreiben und wie unterscheidet sie sich von anderen Ländern?
    Es unterscheidet sich wahrscheinlich nicht von anderen Szenen oder Ländern, in denen befreundete Bands sich gegenseitig helfen, soweit sie können. Ich kann es nicht wirklich sagen, denn ich kann nicht für die Welt sprechen.

    Wie kam die Idee für Church of Ra damals zustande?
    Durch das Wissen, dass wir nicht allein sind, sondern mehr als fünf Musiker, die Musik machen.

    Gibt es konkrete Pläne für Shows im nächsten Jahr und ist vielleicht schon neue Musik geplant?
    Es wird zahlreiche Tourneen und Auftritte geben. Ich denke, wir werden uns jetzt auf unsere Seiten- und andere Projekte konzentrieren, da dieses Kapitel geschrieben ist. Wiegedood und Oathbreaker schreiben, Absent in Body, CHVE und Syndrome werden folgen, neue Projekte und Kooperationen etc. Ich glaube, dass wir mit AMENRA als nächstes ein akustisches Album machen werden. Aber man weiß nie.

    (c) Stephan Vanfleteren

    Ich möchte das Interview mit unserem traditionellen Metal1.info-Brainstorming beenden. Was ist das erste, das dir in den Sinn kommt, wenn du die folgenden Begriffe hörst:
    Religion: Glaube
    Schwarz und Weiß: Licht über Dunkelheit
    Kälte: Wärme
    Belgien: Heimat
    AMENRA in 10 Jahren: Gegenwart

    Die letzten Worte sind deine – gibt es noch etwas, was du unseren LeserInnen mitteilen möchtest?
    Dankbarkeit. Unendliche Dankbarkeit an alle, die auf unserem Weg begleiten.

Process Of Guilt – Black Earth

Neu im Geschäft sind PROCESS OF GUILT lange nicht mehr: Vor 15 Jahren gegründet, haben die Portugiesen bereits drei Studioalben und zwei Split-EPs herausgebracht. Ausnahmslos starke Veröffentlichungen, sei an dieser Stelle bereits angemerkt. Mit „Black Earth“ legt das Quartett nun nach und sein viertes Album vor und lässt damit qualitativ erneut keine Wünsche offen.

Im Bereich des düster-dreckigen Metal, zwischen Sludge, Death-Doom und Noise, bewegen sich PROCESS OF GUILT ausgesprochen elegant: Massive Riffs, vehementes Drumming und der kraftvolle Gesang von Hugo Santos – was man sich von Musik dieses Genres erwartet, findet sich auch in der Musik der Band aus Évora. Und das überaus geschickt arrangiert.

Das Monumentale aus dem Sound von Neurosis (unter anderem in „(No) Shelter“) findet sich hier ebenso wie die Düsternis der Death-Doomer Omega Massif und der Purismus der deutschen Dreckschleuder Valborg („Feral Ground“, „Black Earth“). Gerade der knapp 12-minütige Titeltrack beweist eindrucksvoll, wie energiegeladen auch schleppend langsame Musik sein kann: Während die Gitarren zäh wie Teer aus den Boxen tropfen, sorgt das Schlagzeugspiel für die Dynamik, der Gesang für die Emotion. Das Ergebnis ist ein so düsteres wie packendes Stück Musik. Wer 12 Minuten kann, kann auch weniger – insofern ist es kein Wunder, dass die restlichen vier Stücke, wie das etwas differenziertere, transparenter arrangierte „Servant“ oder das eher verschwommen dahinwabernde „Hoax“ zu gefallen wissen.

Dass all das so gut funktioniert, ist nicht zuletzt Verdienst der involvierten Tontechniker, Andrew Schnider (Mix) aus New York, der bereits für Unsane, Julie Christmas, Cave In und Rosetta tätig war, sowie Collin Jordan vom The Boiler Room LLC – Music Mastering in Chicago, der schon Wovenhand, Eyehategod oder Minsk zu einem druckvollen Master verholfen hat. Das Resultat ihrer Arbeit kann sich auch diesmal hören lassen: So dreckig und zugleich klar, wie „Black Earth“ aus den Boxen schallt, muss man ein Album erst einmal produzieren können.

„Black Earth“ klingt trotzig und roh, aber auch emotional aufgeladen und tiefgründig. Damit gelingt es PROCESS OF GUILT, sich weit vom durchschnittlichen Slduge-Drone-Doom-Gedöns, bei dem es vor allem brummt und wumst, abzuheben: Vergleiche zu Bands wie den genannten Neurosis, Omega Massif und Valborg, aber auch Isis oder Cult Of Luna sind da keinesfalls vermessen.