Interview mit Dominik von Born From Pain

Holland zieht in den Krieg. BORN FROM PAIN veröffentlichen am 17. November 2006 ihr neues Album “War” voll von metallischem Hardcore und wollen damit Missstände aufzeigen und Hoffnung vermitteln.

Hy. Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst! Wie geht es dir?
Hi, Dominik von Born From Pain hier. Mir gehts super, sind grade auf Tour mit Napalm Death und es könnte nicht besser laufen!

Am 17. November ist es so weit, der nun 4. BORN FROM PAIN Longplayer „War“ wird in den Regalen stehen. Deine Gedanken dazu?
Ich bin mehr als gespannt. Die Aufnahmen liegen jetzt schon wieder eine Weile zurück und ich kanns kaum erwarten, wie die Leute auf das Album reagieren. Wir sind uns alle einig, dass es das bisher beste Born From Pain Album ist, so abgedroschen das jetzt klingen mag.

Über „War“ war bisher noch nicht allzu viel zu lesen, aber da ich in der glücklichen Lage bin eine Promo zu besitzen, konnte ich mich schon mit eurem neuen Werk auseinandersetzen. Meine ersten Gedanken waren, dass es schneller und noch kompromissloser als der direkte Vorgänger „In Love With The End“ ist.
In der Tat. Wir haben uns mit “War” mehr darauf konzentriert, die Songs auf Albumlänge noch dynamischer zu gestalten. Der typische Born From Pain Groove ist weiterhin vorhanden, wahrscheinlich sogar mehr denn je, aber uns war wichtig, dass “War” zu jeder Zeit interessant bleibt und Song fuer Song etwas eigenes mit sich bringt.

Der Vorgänger war meiner Meinung nach an manchen Stellen eher schleppend und etwas träge, dafür umso druckvoller – „War“ wirkt genau 180° gewendet, kann man das als eine gewünschte Weiterentwicklung bezeichnen?
Ich denke nicht, dass sich “War” im Gegensatz zum Vorgänger um 180 Grad gedreht hat. Wie schon gesagt, unser Fokus lag darauf, die Songs dynamischer zu gestalten und die typischen Born From Pain Merkmale, die schon auf “Sands Of Time” und “In Love With The End” geprägt wurden, auszubauen und mit einigen neuen Merkmalen zu versehen. Wir haben hier und da noch ein wenig mehr Melodie einfließen zu lassen, ohne aber Kompromisse bei der Heaviness zu machen.

„Scorched Hate“ zum Beispiel ist ein verdammt schneller Track der vor allem durch das angewendete Drumming enorme Wirkung hat. Welcher Song auf der neuen Platte spiegelt den perfekten Song wieder?
Mir haben schon mehrere Leute gesagt, dass “Scorched Earth” einer ihrer Lieblings-Tracks des Albums ist. Ob das der perfekte Song der Platte ist, weiss ich nicht, aber er ist schon recht komplett, ja. Ansonsten wuerde ich sagen, dass “Eyes Of The World” oder “Stop At Nothing” die Platte musikalisch wie auch inhaltlich wohl am besten wiedergeben, da sie sowohl einen enormen Groove als auch Melodie miteinander verbinden.

Leider enthielt meine Promo keine abgedruckten Texte, so dass ich mir an manchen Stellen etwas schwer getan habe sie richtig zu interpretieren. Wovon handelt das Lyrische des neuen Albums und welche Message wollt ihr vermitteln?
Die Texte von “War” reichen von persönlicher bis hin zu globaler Natur. Wir wollten noch bewusster als zuvor eine Botschaft vermitteln, ohne dabei unbedingt predigend zu wirken. Aber es ist schon auffallend, dass heutzutage nicht mehr all zu viele Bands, besonders auch im Hardcore/Punk/Metal Bereich keinen wirklichen Inhalt vermitteln, sondern es rein um den musikalischen Aspekt geht. Nun verstehen wir uns selbst nicht unbedingt als rein politische Band, aber es war uns wichtig, einige Missstände unserer Zeit aufzuzeigen, aber auch gleichzeitig versuchen, Hoffnung zu vermitteln ohne alles schwarzmalen zu wollen.

„Krieg“ als Albumtitel zu wählen kann nicht ganz ohne Hintergedanken geschehen, auch wirkt so mancher Songtitel („Crusader“, „Stop At Nothing“, „The War Is On“, usw.) sehr kritisch?
In Zeiten von religiösen Kriegen und einer extremen kapitalistischen Gesellschaft in unserer westlichen Zivilisation kommen wir langsam aber sicher an einen Punkt, an dem alles zu kollabieren scheint. Es ensteht ein immer größeres Loch zwischen Arm und Reich und es scheint immer schwieriger zu werden, sich und/oder seine Familie mit den notwendigen Dingen zu versorgen. Es wirkt teilweise, als gelte allein das Recht des Stärkeren und wer nicht mitkommt, bleibt eben auf der Strecke. Wir wissen, dass wir von unseren Regierungen keine Hilfe erwarten können, wir wissen, dass in Zeiten des Terrors die Luft brennt und auch bei uns in Europa die Spannungen hochkochen. Daher der Albumtitel und gleichzeitig das Konzept von”War”, wir führen Kriege auf persönlicher wie auf globaler Ebene.

Drastischer Themawechsel: Was ist Born From Pain? Metalcore oder Hardcore? Welcher Musikrichtung fühlt ihr euch mehr verbunden?
Born From Pain ist eine metallische Hardcore Band. Auch wenn der Mix aus Metal und Hardcore gerne als Metalcore bezeichnet wird, wir sind definitiv alle mit Hardcore aufgewachsen und ist bis heute ein großer Einfluss für Born From Pain. Ich kann aber sicher sagen, dass wir alle in der Band Metal lieben und gerne hören. Ansonsten würden wir ja nicht mit Bands wie Six Feet Under oder Napalm Death touren. Aber die Mischung funktioniert gut und ich glaube allein aufgrund der Härte in unserer Musik werden wir von vielen Szenen akzeptiert und auch für gut befunden.

Und wie würdest du euren Stil in eigenen Worten beschreiben?
Wie schon gesagt, ich sehe Born From Pain als eine metallische Hardcore Band. Heaviness, Groove und Aggressivitaet stehen bei uns immer im Vordergrund. Auf dem neuen Album haben wir diesmal auch vermehrt einen Schuss Melodie mit eingebracht, aber eben auf eine eigene Art und Weise, ohne gleich wie eine typische Metalcore Band zu klingen.

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Pepe (Hatesphere), Lou (Sick Of It All), Chris (Gorefest) und Barney (Napalm Death)? Handelt es sich um eine auf Tour entstandenen Idee?
Die Idee ist nicht wirklich auf Tour enstanden, aber all diese Leute haben wir auf Tour oder unseren Shows kennengelernt. Hatesphere sind schon lange gute Freunde von uns genau wie Napalm Death, mit denen wir bereits zum zweiten Mal unterwegs sind. Das Gleiche gilt fuer Sick Of It All und Gorefest, die wir unterwegs ständig wieder treffen. Insofern mussten wir nicht lange überlegen, welche Leute wir für unsere Gastauftritte fragen sollen und alle Beteiligten haben sofort begeistert zugestimmt, mit uns zu arbeiten.

Apropos Tour, auch anlässlich der Veröffentlichung von „War“ gibt es wieder eine Release Party, besser gesagt sogar zwei, eine in Holland und eine in Deutschland. Auf eurer Homepage selbst steht, dass ihr quasi ein zweites Zuhause habt. Wie darf man sich das vorstellen?
Nun, das ist im Grunde ganz einfach. Ich bin deutsch und wohne dementsprechend dort und Rob, unser Bassist, ist vor ein paar Jahren von Holland nach Deutschland gezogen. Aber es ist nicht nur die Tatsache, dass zwei von uns hier wohnen, sondern auch, dass Born From Pain als Band schon immer sehr viel in Deutschland gespielt hat und sich dort entsprechend heimisch fühlt. Daher die Idee fuer zwei Release-shows, welche übrigens nicht ganz neu ist, da das Gleiche schon für “In Love With The End” passiert ist und sehr gut funktioniert hat.

Auch wenn es oft sehr stressig ist und ihr schon lange genug im Geschäft seid, könnt ihr das Touren immer noch genießen wie am ersten Tag?
Natürlich, vielleicht sogar noch mehr als je zuvor. Unsere aktuelle Tour mit Napalm Death ist so bequem und komfortabel, dass man im Grunde jeden Tag total entspannt ist und daher volle Energie für die Shows hat. So angenehm sind wir bisher selten getourt und daher können wir es auch noch mehr genießen, ja!

Mit welcher Band würdet ihr am liebsten mal auf Tour gehen?
Mein Traum war immer, mit Metallica zu touren. Wer weiß, die sind ja weiterhin aktiv, vielleicht passiert das mal eines Tages! Abgesehen davon ist mir der Name der Band gar nicht so wichtig, solange man ne gute Zeit hat und man sich untereinander gut versteht.

Weil immer und immer wieder darüber diskutiert wird, wie ist eure Einstellung gegenüber Moshpits und/oder Violent Dancing? Habt ihr damit ein Problem oder wollt ihr genau dies mit eurer Musik erreichen – eine wütende Menge die voll mitgeht?
Natuerlich wollen wir mit unserer Musik eine wütende Menge, die voll mitgeht! Aber gegenseitiger Respekt sollte dabei immer gegeben sein und ein Pit sollte grundsätzlich Spaß machen, statt zu einem reinen Boxring zu mutieren. Solange das gegeben ist, freuen wir uns natürlich umso mehr, wenn die Leute voll abgehen zu Born From Pain!

Habt ihr schonmal einen Auftritt unterbrechen müssen weil es schlichtweg zu gefährlich wurde oder war das noch nie ein Problem?
Es gab schon mal vereinzelt Schlägereien, aber die hatten weniger mit dem zu tun, was im Pit passiert ist sondern eher, weil Leute zu betrunken oder was auch immer waren. Aber so etwas ist schon ewig nicht mehr passiert und ich denke das waren halt Einzelfälle, die auch auf jedem anderen x-beliebigen Konzert hätten passieren koennen.

Wie sieht die nähere Zukunft von BORN FROM PAIN aus? Eine kleine Verschnaufpause nach den Release-Parties oder weiter volles Programm?
Nein, keine wirkliche Verschnaufpause. Wir werden weiterhin an den Wochenenden spielen und ab Januar hoffentlich wieder auf Tour gehen. 2007 sollte mindestens eine US Tour beinhalten sowie eine Headliner-Tour in Europa. Ausserdem planen wir auch wieder nach Brasilien und Japan zu gehen. Also, wir werden mal wieder die Welt abgrasen mit neuem Album im Gepäck!

Auch ich folge dem Metal1.info typischen Wortspiel. Was fällt dir spontan zu folgenden Begriffen ein.

Hardcore: Die Herkunft Born From Pains und eine Szene, die bis heute großartige Bands hervorbringt.
Alkohol: Die einzige Droge, die ich mir ab und an geben kann.
Politik: Korruptiert und leider wenig hilfreich
Gesellschaft: Leider geht es abwärts, auf dem besten Weg zur Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es liegt an uns, etwas zu ändern.
Festivals: Diesen Sommer einige gespielt, jedesmal super Stimmung und immer nett, ein paar bekannte Gesichter auf einem Haufen zu treffen.
Metal1.info: War mir vor diesem Interview unbekannt, aber ab sofort in meinen Favoriten gespeichert.

Ich möchte mich für das Interview bedanken und euch für die Zukunft alles gute wünschen! Die letzten Worte gehören natürlich dir!
Vielen Dank fürs Interview! Ich hoffe Ihr checkt alle www.bornfrompain.com und www.myspace.com/bornfrompain fuer die neuesten Updates und Tourdaten! Und kauft “WAR” am 17. Novemeber! Danke, Dom/bfp


Geschrieben am 13. November 2006 von Michael Hinterholzer


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