Interview mit Oliver Klump von Minotaurus

Obwohl der Stierkopf aus der griechischen Mythologie für den Namen MINOTAURUS Pate stand, hat ihre Musik mit Griechenland wenig zu tun. Stattdessen stehen für Frontmann Oliver Klump und seine Recken die keltischen Klänge im Vordergrund ihrer Musik, von der seit Oktober neue Stücke im Studio für das kommende Album entstehen. Im Interview mit M1 stellte sich Oliver auch kritischen Fragen zur Klangqualität der letzten MINOTAURUS-Tonträgers und erzählt etwas zu den verschiedenen Soundtracks, die die Bands inzwischen zu filmischen Projekten beigesteuert hat.

Wie würdet Ihr „Neulingen“ eure Form von mittelalterlicher Musik erklären?
Melodiöser Metal mit mittelalterlichen und keltischen Einflüssen.

Wie kann man ihnen diese Art von Musik zugänglich machen außer durch moderne Einflüsse?
Durch das Besuchen von Mittelaltermärkten z.B. kann man sehr schön in dieses Ambiente eintauchen und vielleicht auch seine Liebe für diese Musik und Zeit erwecken.

Wo liegen die Unterschiede von Euch zu anderen Mittelalterbands und was sorgt für Widererkennungswert bei eurer Musik?
Anders als andere Bands in dieser Richtung verwenden wir keine mittelalterlichen Instrumente, sondern wir lassen uns von den Melodien aus dieser Zeit inspirieren.Unsere Texte handeln von Fantasy-Stories bis zu wirklichen Begebenheiten aus dieser Epoche, siehe z.B. „Song for Scottland“.

Wodurch wird eure Musik am meisten beeinflusst (Vorbilder, Stilrichtungen, Kulturen, Religionen, usw.)?
Kulturell haben wir natürlich, wie es unser Name schon sagt, in der griechischen Mythologie begonnen. Wir sind aber sehr schnell auf den Schwerpunkt Mittelalter und die keltische Kultur umgeschwenkt, da das unser aller Interesse am meisten traf. Musikalische Einflüsse gibt es sehr viele: traditionelle Metal Bands wie natürlich „Iron Maiden“ und „Blind Guardian“ – aber auch Bands wie „Jethro Tull“ und viele viele mehr. Aus dem Folk oder auch Mittelaltersektor wären es noch „Sky Glad“, „Subway to Sally“ und „In Extremo“, die bei uns ihre Spuren hinterlassen haben. Religionen spielen bei unserer Musik dagegen keine Rolle.

Wie erklärt ihr euch die wachsende Akzeptanz eurer Musik in Deutschland auf der einen Seite und die ablehnende Haltung der Radiostationen, TV Sender, etc. auf der anderen?
Nun ja, in erster Linie ist es halt wirklich geile Mucke und es gibt auch unbestritten schon eine geraumer Zeit einen wahren Boom in Sachen Mittelalter, Fantasy und Folk siehe Filme wie „Braveheart“ und „Der Herr der Ringe“ oder Bestsellerbücher wie „Die Zwerge“ und überlaufene Mittelaltermärkte. Dazu kommen noch Fantasy- und Live-Rollenspiele und vieles mehr. Bei all diesen Dingen spielt auch Musik eine große Rolle und so ist wohl auch das Interesse stetig gewachsen. Na ja, und für die Medien ist es wohl immer noch ein bisschen zu weit vom Massengeschmack entfernt, um sie richtig groß herauszubringen.

Wie kann man allgemein und wie könnt ihr selbst Vorurteile wie z.B. Eintönigkeit und mangelnde Abwechslung gegenüber mittelalterlicher Musik widerlegen?
Na ganz einfach: Hört nicht nur eine Band an und probiert auch die nicht so bekannten Combos aus. Wem da noch das Wort „eintönig“ einfällt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Welche Zielgruppen sind eurer Meinung nach besonders geeignet für Drehleiern, Dudelsäcke, Geigen, Flöten, usw.?
Ich denke, jeder, der ein wenig Fantasie, Romantik oder auch nur Abenteuerlust verspürt, ist anfällig für diese Instrumente und Musik, den sie lassen uns träumen oder auch nur austoben in einer Art und Weise wie sie schon von vielen vergessen war.

Welches sind die größten Irrtümer, die man leichtfertig in Verbindung mit Mittelaltermusik bringt?
Ganz klar: Dass es sich nur um ruhige, schnulzige und/oder eintönige Musik handelt. Was für ein Quatsch…

Eure Meinung zu Mittelaltermärkten und Konzerten dort?
Wir besuchen immer wieder gerne solche Märkte. Man findet dort coole Klamotten, hört tolle Musik und trifft Gleichgesinnte. Am meisten aber trollt sich unser Bassist Uwe dort herum. Wenn es nach ihm ginge, glaube ich, würde er das Lagerleben nur für unsere Konzerte verlassen. Der Met macht dann den Rest. Mehr muss man da wohl nicht sagen!?

Mit „Battlehymn“ und „Warriorhearts“ habt ihr 2 zentrale Stücke im Album, die besonders durch ihre epische Länge auffallen, die man sonst eher von Bands wie Blind Guardian oder Opeth gewohnt ist. Versucht ihr so eine Verbindung zu anderen Musikrichtungen und Bands herzustellen oder hat dies andere Hintergründe?
Nein, geplant haben wir das nicht und einen Hintergedanken hatten wir schon gar nicht. Der Song „Warriorhearts“ war unser erster Versuch in Sachen Film. Die festen Vorgaben der Story und natürlich auch die Erwartungshaltung der Crew des Films hatten uns so angespornt, dass wir ein wenig über unsere normalen Songstrukturen hinausgewachsen sind. Und das hat uns auch sehr gefallen und in diesem Zug ist dann eben auch „Battlehymn“ entstanden.

Ihr habt den Titelsong für die DVD „Kriegerherzen“ geschrieben und sogar zum Song „Warriors Hearts“ ein Video gedreht. Dieses Jahr ward ihr wiederum für eine Herr der Ringe-Persiflage tätig. Versucht ihr euch so abseits von reinen CD-Verkäufen ein zweites Standbein aufzubauen?
Auch hier ein klares Nein. Dass wir den Song „Warriorhearts“ für „Kriegerherzen“ geschrieben und aufgenommen haben, resultierte aus einem Zufall heraus: Auch ich war jahrelang im Live-Rollenspiel aktiv unterwegs und habe so die Bekanntschaft von Rainer „ZIPP“ Fränzen und Lars Gatting gemacht, ihres Zeichens die Köpfe und Macher des Films.
Als sie hörten, was für eine Musik wir machen, fragten sie mich, ob wir nicht einen kleinen Beitrag zu diesen Film in musikalischer Form leisten wollen. Und da beschlossen wir: Wenn schon, dann richtig – wir schreiben euch einen Titelsong. Gesagt, getan. Das Resultat kann man auf der „Myth or Reality“ begutachten. Tja. und die Macher von dieser Persiflage „Der Einsame Zwerg“ schrieben uns an, ob wir für sie nicht auch einen Song schreiben würden, und wir hatten Bock darauf, das war‘s. Wenn je etwas anderes daraus entstehen sollte, war das weder erwartet noch geplant. Es ging uns einfach nur der Spaß daran. Ich denke, so sollte das auch sein.

Dieses Mal scheint es so, als ob man auf ein weiteres Werk von euch nicht wieder 5 Jahre warten müsse. Im Oktober geht es wieder ins Studio. Was gibt es denn zum kommenden Projekt bis jetzt zu berichten? Welche Veränderungen und Gemeinsamkeiten darf man sich erwarten, besonders im Vergleich zu „Myth Or Reality“?
Richtig. Wir sind schon in den letzten Vorbereitungen, um ins Studio zu gehen. Ein Großteil der Songs ist soweit geschrieben, nun geht’s an die Aufnahmen. Was bleibt ist der Minotaurus-Sound an sich, d.h. Mittelalter- und Fantasie-Lyriken sowie verspielte Melodien gepaart mit harten Klängen. Anders soll der Sound trotzdem ein wenig werden, denn im Gegensatz zur letzten Produktion werden wir das gesamte Album in nur einem Studio aufnehmen. Bei „Myth or Reality“ haben wir sehr viel herumexperimentiert und nun unsere Erfahrungen daraus gezogen. Und ich denke, dass es bei unserer nächsten CD auch soundtechnisch eine klare Steigerung geben wird. Geplant ist ebenso ein neuer Video-Clip, möglicherweise mit der Unterstützung von „E(h)rlebnisfilm“, den Machern der oben erwähnten Persiflage. Ansonsten möchte ich nicht zu viel verraten, aber das warten wird sich lohnen…versprochen.

Apropos „Myth Or Reality“: Die Produktion der CD wirkte an manchen Stellen etwas dumpf. Werdet ihr da nachbessern oder seid ihr anderer Meinung?
Wie ich in der letzten Frage schon sagte, hatten wir während den Aufnahmen zu „Myth or Reality“ viel ausprobiert. Da es auch unsere erste Produktion unter Curzweyhl war, wollten wir natürlich nur das Beste abliefern. Das ist leider auch nicht alles so geworden, wie wir uns das anfangs vorgestellt haben. Heute sind wir wieder etwas weiter und werden das eine oder andere bei der nächsten CD anders machen. Auf alle Fälle soll es ein richtiges Minotaurus-Fest werden.

Was sind eure Gründe dafür, dass ihr ausschließlich englisch singt und bis dato kein deutsches Lied habt?
In den Anfängen der Band, also gegen 1994, waren wir der festen Überzeugung nur so den richtigen Ausdruck für unsere Musik zu bekommen. Das haben wir bis dato einfach so beibehalten, und heutzutage damit anzufangen hat immer den faden Beigeschmack auf irgendeiner deutschsprachigen Erfolgswelle mitschwimmen zu wollen. Aber nach einer Umfrage auf unserer HP, ob wir denn nicht mal einen Song in deutscher Sprache machen sollten, die ein deutliches Ja hervorbrachte, werden wir sehr wahrscheinlich einen Titel auf unserer neuen Langrille auf Deutsch singen. Wir werden sehen

Wortspiel (das erste, was euch zu folgenden Begriffen in den Sinn kommt):
Corvus Corax – Raben
Schandmaul – Balladen
In Extremo – Abenteuer
Subway to Sally – Magische Tänze
Spielmänner und Spielmannsleben – Freiheit und Lebenslust
Tradition oder Fortschritt – sehr wichtig – nicht immer nötig
Plugged oder unplugged – wirbelnde Haare – weite Landschaften
Tokio Hotel – ohh mein Gott


Geschrieben am 21. November 2006 von Sigi Maier

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