Interview mit Sebastian Radu Groß

„Sind wir nicht alte Seelen, die rastlos wandern?“

Diese Frage ziehrt die Rückseite von „Aschendämmerung“, ein Buch, dessen Cover ein 200 Jahre altes Gemälde ist. Sebastian Radu Groß erzählt, warum der Tod erst der Anfang ist und wie sich hier Lyrik, Geschichte und Musik vereinen. Wir befragten ihm zu seinem neuen Werk, zu seiner Band Anima Mortalis und zu weiteren Plänen.

 

Hallo und ersteinmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wie geht’s dir?
Gern geschehen :) Danke, mir geht’s soweit sehr gut. Es ist ein sehr schönes Gefühl, „Aschendämmerung“ auf die Menschheit losgelassen zu haben und nun mit diesem Kapitel abgeschlossen zu haben.

Du bezeichnest „Aschendämmerung“ sowohl als Prequel als auch Fortsetzung von „Seelenwerke“. Wie funktioniert das?
Zu Beginn des Buches wird die Reise des Namenlosen im ähnlichen Stil, wie bereits bei „Seelenwerke“ fortgesetzt. Dabei handelt es sich um Kurzgeschichten, die ich in Form von Lyrik verfasst habe. Untypisch ist dabei, das Ende des Buches in der Mitte. Direkt im Anschluss wird die Vorgeschichte des Namenlosen erzählt, dessen Tagebuch „Seelenwerke“ eigentlich ist.

sebastian radu groß
Worum geht es in „Aschendämmerung“ inhaltlich?
Der Reisende erwacht aus seinem Koma, und macht sich auf seine letzte Reise. Auf seinem Weg begegnen ihm sowohl alte Situationen („Brief an ein unbekanntes Herz“), als auch ein neues Bedürfnis, nicht nur in Schriftform Spuren zu hinterlassen („Von den Ungeborenen“). Inhaltlich geht es um die einzelnen Stationen des Lebens und die Dimension des Todes, die hier aus einem neuen Blickwinkel beleuchtet werden. Der Tod ist nur der Anfang von etwas neuem…

Das Buch ist in zwei Teile unterteilt. Wie unterscheiden sich diese bzw. welche Gemeinsamkeiten weisen sie auf, sei es inhaltlicher oder sprachlicher Natur?
Genau genommen sind es sogar drei Teile, denn der Soundtrack ist musikalisch und textlich auf die Geschichte abgestimmt. Gemeinsamkeiten gibt es nur inhaltlich, weil sie die Geschichte des Reisenden erzählen. Sprachlich ist der erste Teil lyrischer Natur, der zweite in Romanform und der dritte Teil als Musik inkl. Booklet. Wenn du willst, kann man es multimedial nennen; ich wollte schon immer unterschiedliche Formen der Kunst in einem Werk vereinen, allerdings auch dabei einen roten Faden beibehalten. Die Geschichte ist die Haupthandlung, Lyrik die Atmosphäre und Anima Mortalis der Soundtrack dazu. Warum etwas „normales“ machen, wenn es auch einmal abgedreht sein kann?

Wo siehst du Unterschiede und/ oder Gemeinsamkeiten zwischen „Seelenwerke“ und „Aschendämmerung“?
“Seelenwerke“ war ein reiner Lyrikband, der zu Beginn nur Gedichte beinhaltete. Erst im Laufe des Buches kommt (ungereimte) Lyrik und Prosa, bis hin zu Kurzgeschichten zum Tragen. Textlich und atmosphärisch gehen der erste Teil von „Aschendämmerung“ und „Seelenwerke“ Hand in Hand. Ursprünglich sollten es Songtexte für eine noch ungeborene Band werden, aber unterm Strich hat „Seelenwerke“ schnell ein Eigenleben entwickelt. Später kam dann die Idee mit Anima Mortalis, wobei nun einige Texte vertont wurden. Inhaltlich steht in beiden Büchern der Reisende im Mittelpunkt, der charakteristisch für jeden von uns steht. Denn mal im ernst: er durchlebt jede Gefühlswelt, die wir zum erleben im Stande sind, geht durch die Hölle und ist ein Leben lang auf der Suche. Dass seine Suche bereits zu Beginn unter einem anderen Stern stand, erklärt der zweite Teil von „Aschendämmerung“…

Verbirgt sich hinter dem Cover des Buches ebenfalls eine Geschichte?
Ja, sogar eine sehr persönliche. Das Bild ist von einem Gemälde, das bereits mehrere hundert Jahre auf dem Buckel hat und in unserem Familienbesitz ist. Als ich klein war, hing das Gemälde über den Plattenspieler und ich habe Stunden damit verbracht Musik zu hören und mich zu fragen, woran der alte Mann wohl denken mag. Im zweiten Teil des Buches wird die Frage beantwortet.

Mit deiner Band Anima Mortalis hast du zudem drei Songs und 2 Videos produziert, die dem Buch beiliegen. Untermalen diese die Geschichte, oder ergänzen sie diese und führen sie fort?
Insgesamt ist Anima Mortalis ein Familienprojekt. Mein Kumpel Christian Töpper und ich haben ursprünglich in derselben Death Metal Band gespielt, ehe sie sich auflöste. Durch Zufall spielte er mir seine ersten Gitarrenriffs und Schlagzeugspuren vor und ich röchelte daraufhin einige Vocals über das, was später „Enter My Darkness“ werden sollte. Nach mehreren Sängerinnen hat meine Frau Heike uns beim Mikro unterstützt, während das Bandlogo von meinem Vater Radu entworfen wurde. Die Videos habe ich als Buchtrailer genutzt, um auf eine andere Art und Weise auf die beiden Bücher und unsere Band aufmerksam zu machen. Ich dachte mir, wenn schon multimedial mit Wort, Bild und Ton, dann kann auch gleich noch Platz für zwei Videos sein :) Allerdings könnten sie auch eine Botschaft enthalten, die Aufschlüsse über den Hauptprotagonisten geben.

Wie entstanden diese Lieder? Habt ihr die Musik zu deinen Texten komponiert, oder war das ein separater Kreativprozess?
Die Musik stand als erstes. Als ich die Gitarrenlinien und Schlagzeugspuren hörte, habe ich einfach drauflosgeröchelt, bis es sich ansatzweise passend anhörte. Texte gab es zu Beginn keine; während des Prozesses kamen die Texte dann von alleine und fügten sich quasi nahtlos in die Musik und in das Konzept der Bücher ein. Beim Komponieren steht bei uns sowohl der Spaß, als auch das Tüfteln an erster Stelle, wobei wir mittlerweile sehr viel dazugelernt haben. Chris hat unsere Demo im Alleingang produziert und wir feilen zur Zeit an weiteren Songs. Allerdings wird es dieses Mal ausschließlich Musik ohne Bezug auf weitere Bücher geben.

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In wie weit findet sich deine zweite Heimat Rumänien in deinem Werk wieder? Hast du dort Inspiration gefunden?
Teilweise. Wenn ich meine Eltern besuche, reisen wir gerne durch die unterschiedlichen Gebiete Rumäniens. So klischeehaft es klingt, aber die Berge und Karpaten haben mich schon immer angezogen. Wenn sich dort der Morgennebel mit der Welt vereint und dich nur Stille umgibt, dann werden schon deine inneren Dämonen geweckt. Ein direkter Bezug zu Rumänien ist es nicht, lediglich die Atmosphäre von meinen Reisen spiegeln sich in einigen Zeilen wider.

„Enter My Darkness“ ist das erste Demo von Anima Mortalis und eng mit „Aschendämmerung“ verbunden. Wie sehen die Pläne für die Band aus? Wird es Musik von euch geben, die von deinem Schreiben losgelöst ist, oder werdet ihr ausschließlich deine Texte vertonen?
Der Plan ist, ein Album aufzunehmen. Wir haben bereits viel Material zusammen und sind dabei, es in Einklang zu bringen. Allerdings haben uns sehr viele organisatorische und persönliche Gründe dazu gezwungen, mehrere Gänge runter zuschalten. Nun da „Aschendämmerung“ draußen ist, kann ich mich für meinen Teil wieder ganz auf die Band konzentrieren. Ein weiterer Bezug auf meine Bücher ist jedoch nicht vorgesehen. Wir lassen uns überraschen, was der Entstehungsprozess noch mit sich bringt.

Wem würdest du „Aschendämmerung“ empfehlen? Gibt es eine Zielgruppe für deine Texte?
Interesse dem Tod mal Backstage zu begegnen? Hast du dich jemals gefragt, warum sich dein Geist im Schlaf vom Körper löst und frei ist? Warum hast du manchmal das Gefühl, diesen Moment bereits zu kennen, obwohl er gerade vor dir steht? Die Antworten darauf erwarten dich in „Aschendämmerung“.

Alles klar. Dann noch einmal vielen Dank für deine Zeit. Falls du noch etwas hinzufügen möchtest – die letzten Worte gehören dir!
Vielen Dank für das Interview! Ich freue mich, dass meine Zeilen nicht nur stumm auf Papier kreisen, sondern den Weg zu neugierigen Augen gefunden haben. Danke für eure Unterstützung und werft einen Blick in das Buch hört bei Anima Mortalis rein, wir freuen uns auf euch! Support the underground!