Interview mit Anneke van Giersbergen von The Gathering

Eigentlich wollte unser Redakteur Daniel Popp mit The Gathering Sängerin Anneke van Giersbergen über ihre neue Rolle als Mutter und “Home”, die aktuelle Veröffentlichung der Band sprechen. Leider musste die Frontfrau das Interview jedoch wegen ihrer Krankheit absagen. Für sie ist kurzfristig der Drummer Hans Rutten eingesprungen.

Hallo Hans. Erst einmal vielen Dank, dass du dieses Interview mit Metal1.info führst.
Kein Problem.

Der Titel eures neusten Albums lautet „Home“. Dies ist ein Ort, der eine besondere Bedeutung hat, wenn man Mutter wird. Hat Annekes Schwangerschaft etwas damit zu tun?
Der Titel “Home” kann auf vielfältige Weise interpetiert werden. Wenn man viel reist, in der ganzen Welt tourt ist es immer schön nach Hause zu kommen, die Batterien wieder aufzuladen und wieder “normal” zu werden. Sicher ist es schwieriger und wichtiger nach Hause zu kommen, wenn man ein Baby hat, aber der Titel hat nicht wirklich etwas mit ihm zu tun.

Damit wären wir auch endgültig bei der Scheibe angekommen. Was mir als erstes aufgefallen ist, war die unheimliche atmosphärische Dichte, die das gesamte Album durchzieht. Wie habt ihr das hin bekommen?
Wir haben in einer Kirche aufgenommen und unser eigenes Studio mit unserem Produzenten Attie Bauw aufgebaut. So haben wir uns unsere eigene Heimat (“Home”) geschaffen, was etwas sehr besonderes für uns war, so dass wir sofort sehr konzentriert beim Aufnahmeprozess waren. Wir haben das Studio in einer Woche gebaut. Eine Menge Arbeit, die sich aber in dem überragenden Sound von “Home” ausprägt.

Auch Annekes Gesang fügt sich in dieses Gesamtbild hervoragend ein. Er klingt fast schon, wie ein weiteres Instrument, das die Atmosphäre unterstüzt, nur eben quasi „nebenbei“ noch Worte formt. Was ist das Geheimnis dieser starken Vocal-Performance?
Anneke ist eine sehr gut trainierte, emotionale Sängerin. Alles was sie macht, kommt vom Herzen.

Was war generell euer Ziel mit „Home“? Kommerzieller Erfolg kann es wohl kaum gewesen sein. Sonst wären die Songs wohl eingängiger ausgefallen.
Wenn wir etwas Kommerzielles hätten machen wollen, hätten wir Mandylion Part II schreiben können. Das war nie ein Ziel von uns. Wir wollten simpler schreiben, auf das Grundgerüst reduzierte, atmosphärische Songs, die mehr rocken als Souvenirs. Aber bei diesem Punkt haben wir versagt. Denn während des Aufnahmeprozesses stellte sich heraus, dass wir von Souvenirs gar nicht so weit entfernt waren. Insgesamt ist das Album aber ein wenig live orientierter, rauer, simpler und vor allem rythmischer geworden.

Auf der anderen Seite übernehmt ihr aber auch nicht mehr selbst die Vermarktung, wie das bei Souvenirs der Fall war. Sleepy Buildings erschien bei Century Media und Home nun bei Sanctuary. Was waren eure Beweggründe euch wieder ein Label zu suchen?
Es handelt sich lediglich um einen Lizenzdeal, so dass unser Label Psychonaut immer noch der Inhaber der Rechte ist. Es war einfach zu viel Arbeit und Psychonaut ist auch zu klein, um The Gathering die optimale Unterstützung zu bieten.

Und warum der Wechsel zwischendurch? Wart ihr mit Century Media, die ja auch schon eure älteren Platten betreut haben, nicht mehr zufrieden?
Das ist eine alte Geschichte, zu der wir viel gesagt haben und die wir jetzt auf sich beruhen lassen wollen.

Jetzt seid ihr bei Sanctuary untergekommen. Wie gestaltet sich dort die Zusammenarbeit? Seid ihr zufrieden?
Bis jetzt sind wir zufrieden. Sie arbeiten viel, die Promotion ist sehr gut und mit den Leuten kann man gut auskommen.

Kommen wir vielleicht noch einmal zum Produktionsprozess. Wie entstehen solche wundervollen Klangperlen wie „In Between“ oder „Box“?
Trial and Error. Wir haben einige Ideen und beginnen einfach zu spielen. Irgendwann haben wir einen Rough Mix, ändern noch einiges, fügen einiges hinzu, mischen ein bißchen… Und dann ist es wieder möglich sofort zurück zum Writing Prozess zu gehen. Es ist sehr schwer zu beschreiben, wie wir arbeiten, arrangieren und aufnehmen.

Welche Rolle spielt denn der Computer in eurem Produktionsprozess?
Wir benutzen Pro Tools als – …. – Werkzeuge (“Tools”)! Nichts weiter. Es handelt sich bloß um eine weitere Maschine, die einem hilft, seine Ziele zu verwirklichen. Obwohl sie natürlich sehr wichtig ist!

Nun gut. Beenden wir dieses Interview mit dem traditionellen Metal1.Brainstorming. Ich werfe dir ein paar Worte an den Kopf und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt.
Heimat: Weltmeister 2006 :o
Alkohol: Hin und wieder.
Metal: Schön!
Deutschland: Wir sind immer gerne in Deutschland, um dort zu spielen. Ich mag Deutschland wirklich.
Niederlande: Eigentlich ganz gut, aber im Moment verändert sich viel zum Schlechten. Es fehlt dort an vielen Sachen. Manchmal ist es sogar unsozial hier. Es gibt kein Interesse an anderen Kulturen und wird jeden Tag harscher und härter.
Bier: Warsteiner und alle anderen deutschen Biere sind großartig!
Keyboard: Frank
Internet: Was wären wir ohne dieses Medium? Vielleicht viel glücklicher. :o
Online-Magazine: Eine gute Sache! Selbst wenn es etwas schwer ist, sie auf dem Klo zu lesen, wenn man keinen Laptop hat.
Metal1.info: Tolle Seite! :o

Das wars schon. Ich bedanke mich bei dir für dieses Interview und freue mich darauf, euch mit einer gesunden Anneke auf Tour zu sehen.


Geschrieben am 2. Mai 2006 von Daniel P.

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