Oktober 2017

Review Haemorrhage – We Are The Gore

Es gibt diese Alben, bei denen schaut man sich das Front-Cover an und weiß bereits genau, was einen erwartet. Genau das ist bei „We Are The Gore“, dem siebten Werk der spanische Goregrind-Combo HAEMORRHAGE, der Fall. Die 1990 unter dem Namen Devourment gegründete Band verbindet auf ihren Alben dem von Lead-Gitarrist Luisma entworfenen Artwork entsprechende, comichaft überzeichnete Gewalt im Medizinerbereich mit fiesem, aber stets groovigem Grindcore und Death Metal.

Mit „We Are The Gore“ macht das Quintett da auch nach all der Zeit keine Anstalten, das zu ändern. Im Gegensatz zu den Vorgängern, ist ihr neues Werk allerdings merklich besser, moderner und klarer produziert und zielt damit offensichtlich auf ein breiteres Publikum ab. Keine schlechte Entscheidung, sind doch mies aufgenommene Alben heutzutage bei der fortgeschrittenen Technologie und dem verbreiteten Wissen kaum noch so entschuldbar wie noch vor 10-15 Jahren.

So legt dann „Nauseating Employments“ gleich angemessen brutal, schnell und merkwürdig eingängig los und eröffnet die etwa 35 Minuten lange Platte sehr energiegeladen. Wie bei den letzten Decapitated-Scheiben sind es auch auf „We Are The Gore“ die groovigen, fetzigen und klassisch Riff-lastigen Songs, die besonders positiv hervorstechen, während die regulären Grindcore-Stücke im Gegensatz dazu eher etwas untergehen. Mit dem donnernden Titeltrack, dem flotten „Transporting Cadavers“ oder dem auf den Punkt reduzierten „Bathed In Bile“ pfeffern die Spanier dem geneigten Grindcore-Fan gleich in der ersten Hälfte diverse Highlights der Platte in die Gehörgänge, wodurch in den ersten 15-20 Minuten kaum ein Fillermoment entsteht.

Leider hat das aber zur Folge, dass die Platte damit ihr Pulver ein wenig zu früh verschießt und in der zweiten Hälfte etwas aus der Puste kommt. Lediglich das rockige „Miss Phlebotomy“ weiß noch restlos zu überzeugen. Am Ende haben sich die fünf Musiker dann noch einen kleinen Scherz erlaubt, wenn sie nach dem letzten Track mit etwas Vorlaufpause versteckt noch eine A-cappella-Version von „We Are The World“ anstimmen – mit, ja, genau der Textänderung, die man bei diesem Albumtitel erwartet.

„We Are The Gore“ macht Spaß, so wie sich das für ein gelungenes Deathgrind-Album gehört. Natürlich kann man die trashigen, in mäßig gutem Englisch vorgetragenen Splatter-Texte mit Mediziner-Thematik zu keiner Sekunde ernstnehmen – soll man ja auch nicht. Musikalisch sind die 35 Minuten mit mitreißender, erfreulich Groove-Death-lastiger Musik gefüllt und können fast durchgehend bestens unterhalten. Was will man mehr?

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Wertung: 8 / 10

Publiziert am von Simon Bodesheim

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