Das Cover von "Live In The Dark" von Blazon Stone

Review Blazon Stone – Live In The Dark

  • Label: Stormspell
  • Veröffentlicht: 2019
  • Spielart: Heavy Metal

Bei den Schweden BLAZON STONE haben sich die Ereignisse zuletzt überschlagen: Nachdem die Running-Wild-Aficionados ihre Reichweite mit ihrem letzten Album „Down In The Dark“ deutlich steigern konnten, folgte heuer – pünktlich zwei Jahre später – mit „Hymns Of Triumph And Death“ ihre nächste Platte. Damit nicht genug, denn zeitgleich veröffentlichte die Mannschaft um Gitarrist und Bandleader Cederick Forsberg auch noch ein Live-Album namens „Live In The Dark“, aufgenommen auf der letzten Tour. Das alles sind gute Nachrichten, die jedoch dadurch getrübt werden, dass der Chef seine Band unlängst in einem – mittlerweile gelöschten – Facebook-Post auflöste. Aktuell heißt es zwar, die Truppe liege nur auf Eis, Herr Forsberg selbst räumt jedoch ein, dass wenig Grund zur Hoffnung bestehe und widmet sich mittlerweile anderen Projekten. Umso wichtiger ist es, das Erbe von BLAZON STONE genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wie der Titel bereits vermuten lässt, wurde „Live In The Dark“ während der Konzerte zum vorletzten Album „Down In The Dark“ aufgenommen – BLAZON STONE haben also nicht einen kompletten Abend aufgenommen, sondern eine Live-CD aus mehreren Konzerten zusammengestellt. Ähnlich wie Blind Guardian mit ihrem 2003 erschienenen Album „Live“ gehen die Schweden noch einen Schritt weiter und haben in jedem Song Instrumental- und Gesangsspuren von unterschiedlichen Auftritten zusammengeführt. Das funktioniert im Endergebnis überraschend gut und spricht Bände über die Tempo-Sicherheit der Musiker, hinterlässt jedoch einen faden Beigeschmack, weil hier eben kein tatsächliches Konzert zu hören ist, sondern ein Zusammenschnitt. Da die Gesangsspur vom Gig auf dem „Headbangers Open Air“ vom 26. Juli 2018 stammt, entsteht jedoch schnell der Eindruck, man habe es mit diesem Auftritt zu tun – möchte man sich darauf einlassen, ist das als Illusion gut genug.

Letztendlich kommt es bei einem Live-Album auf den Sound und die Atmosphäre an und beides stimmt bei „Live In The Dark“ in jeder Hinsicht. Die Band kommt hinreichend roh aus den Boxen und war sich nicht zu schade, kleinere Unsauberkeiten in ihrem Spiel zu belassen, weshalb BLAZON STONE hier mit der gleichen ungezügelten Energie und unmittelbaren Dringlichkeit zu hören sind, wie es auch im tatsächlichen Live-Betrieb der Fall ist. Weil auch das Publikum gut zu hören ist und der Sound über die für authentische Live-Mitschnitte so essenziellen Raum-Anteile verfügt, klingt „Live In The Dark“ auch nicht wie eine sterile Mischpult-Abnahme. Damit wirkt der Sound dieses Konzert-Mitschnitts gar derart „echt“, dass manche größere Band sich vielleicht fragen sollte, ob all die Nachbesserungen im Studio, die dank digitaler Aufnahmetechnik heute so leicht fallen, wirklich nötig sind – zumal ungeschminkte Live-Spuren wie hier doch deutlich ehrlicher sind.

Was die Songauswahl angeht, so sind BLAZON STONE sichtlich bemüht, in der kurzen Zeit eines nachmittäglichen Festival-Auftritts einen möglichst umfassenden Einblick in ihre Schaffensgeschichte zu bieten. Somit gibt es von ihrem damals aktuellen Album „Down In The Dark“ auch „nur“ zwei Songs zu hören. Das erweist sich jedoch als geringes Problem, denn so ist Platz für gelungene Stücke wie den Publikums-Liebling „A Traitor Among Us“ oder „Soldier Blue“ sowie das unverzichtbare „War Of The Roses“ von ihrem gleichnamigen dritten Album als Abschluss. Eingefleischte Fans der Band werden bestimmt einige Nummern vermissen, die Songauswahl hat jedoch in jedem Fall Hand und Fuß und sorgt dafür, dass „Live In The Dark“ zu keiner Zeit Längen aufweist.

Ein Live-Album, das in den Punkten Sound, Atmosphäre und Songauswahl voll überzeugen kann, muss als gelungen betrachtet werden. BLAZON STONE legen mit „Live In The Dark“ genau diese Platte vor, weshalb es umso schmerzhafter ist, dass die Truppe inzwischen ad acta liegt. So erhalten Fans immerhin noch ein unvergängliches Dokument der nicht zu überhörenden Live-Qualitäten der Schweden, die damit die Messlatte für gute Live-CDs trotz ihres Underground-Daseins extrem hoch hängen. Ein besonderes Kompliment sei BLAZON STONE für den Mut, sämtliche Fehlerchen in der Aufnahme zu belassen, ausgesprochen, denn so ist „Live In The Dark“ ein authentischerer Mitschnitt als beispielsweise die letzte Hochglanz-Veröffentlichung von Kreator in diesem Sektor – und das, obwohl hier ein Zusammenschnitt mehrerer Gigs zu hören ist.

Wertung: 8.5 / 10

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