Das Cover von "Fists Of Iron" von Martyr

Review Martyr – Fists Of Iron (EP)

  • Label: Gates Of Hell
  • Veröffentlicht: 2020
  • Spielart: Heavy Metal

MARTYR ist bitte nicht zu verwechseln mit Martyr, den seit 1982 aktiven und seither zu moderatem Klassiker-Status aufgestiegenen Heavy-Metal-Pionieren aus Holland. Auch die kanadischen Tech-Deather gleichen Namens befinden sich hier nicht auf dem Prüfstand. Viel mehr geht die EP „Fists Of Iron“ auf das Konto eines vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland gegründeten Projektes. Der dort Verantwortliche scheint ziemlich geschäftig zu sein, denn mit „Highway Warriors“ erschien 2020 bereits eine erste EP mit immerhin drei Songs. Mit „Fists Of Iron“ folgen nun kurze Zeit später die nächsten fünf Nummern.

Anders als bei den genannten Namensvettern verbirgt sich hinter MARTYR keine Band, sondern das Solo-Projekt eines gewissen Nicolas Peter. Der hat sich hier ganz und gar dem Heavy Metal in seiner Urform verschrieben: Auf „Fists Of Iron“ bekommt die Hörerschaft singende Twin-Gitarren, kernige Riffs und majestätische Soli zuhauf zu hören. Verpackt wurde das Ganze in eine angenehm fette Produktion, die stets um ein möglichst „analoges“, leicht garagiges Klangbild bemüht ist – obendrein liegt auf dem Gesang noch ordentlich Hall und schon klingt diese EP, als sei sie erstmals 1981 veröffentlicht worden. Schon hier dürfte deutlich werden, dass MARTYR kaum das einzige Projekt ist, das dieses Rezept für gut befunden hat – als Vergleichspunkte bieten sich etwa Stallion oder die leider obskur gebliebenen Schweden Steel an.

Derartiger 80er-Jahre-Pastiche ist momentan en vogue und macht auch großen Spaß, er kann aber kaum das Einzige sein, was eine Veröffentlichung trägt. Glücklicherweise glänzt die MARTYR-EP durchweg mit ausgezeichnetem Songwriting: Schon der britisch angehauchte Opener „Lightning Strikes“ reißt von vorne bis hinten mit und auch ansonsten befördert Herr Peter alle traditionsbewussten Headbanger mit dieser Platte direkt in ihre Wohlfühlzone. Dass das Meiste davon schon dagewesen ist, sollte hier nicht als Makel, sondern als Prädikat angesehen werden, denn die Musik von MARTYR kann getrost als unverhohlene Huldigung der Urväter des Genres angesehen werden. So verwundert es kaum, dass im Titeltrack Judas Priest zitiert werden und das abschließende „Nothin‘ But Metal“ sofort an Manowars „Blow Your Speakers“ denken lässt.

Wer Innovation sucht, sollte sich anderswo umsehen, bei MARTYR gibt es dafür Authentizität. Die vier Songs nebst Instrumentalstück auf dieser EP atmen allesamt lautstark den Geist des klassischen 80er-Metals und werden dabei mit derart viel Spielfreude rübergebracht, dass sich kaum ein Headbanger der alten Schule ihrem Charme entziehen können wird. Die großen Refrains laden sofort zum Mitsingen ein und die zahllosen Melodien verursachen unmittelbar Gänsehaut, wobei beides Zeugnis über das hervorragende Songwriting auf dieser Platte ablegt. Live-Auftritte dürften für dieses Ein-Mann-Projekt nicht in Frage kommen, angesichts der hohen Veröffentlichungsfrequenz von MARTYR darf man sich aber hoffentlich schon bald über ein Album freuen.

Keine Wertung

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