Darkher - The Buried Storm Cover

Review Darkher – The Buried Storm

Ein Album eine spirituelle Erfahrung zu nennen, ist mittlerweile eigentlich eine abgedroschene Floskel. „Realms“, das 2016 erschienene Debüt von DARKHER, lässt sich damit jedoch tatsächlich am treffendsten beschreiben. Sowohl in den erdrückend schweren Doom-Metal-Tracks als auch in den betrüblichen Folk-Stücken, aus denen sich die Platte zusammensetzt, spürt man mit unfassbarer Klarheit, dass Bandkopf Jayn Maiven darin ihre Erfahrungen mit dem Übersinnlichen verarbeitet hat. Der lang ersehnte Nachfolger „The Buried Storm“ verspricht mit seinem ähnlich inszenierten, jedoch in ein kränkliches Grau getauchten Coverbild abermals ein Hörerlebnis jenseits irdischer Grenzen.

Auch in musikalischer Hinsicht überschreiten DARKHER Grenzen. Ließen sich Doom Metal und Folk auf dem Vorgängeralbum noch relativ scharf voneinander trennen, so gelingt dies auf „The Buried Storm“ nicht mehr so einfach. Vereinzelt finden sich auf der knapp dreiviertelstündigen Platte zwar noch stilistisch unzweideutige Lieder wie die hoffnungslose Folk-Ballade „Where The Devil Waits“, oft greifen die dröhnenden, schleppenden Distortion-Gitarren und Drums sowie die nebulösen Clean- und Akustikgitarren in den Kompositionen jedoch fest ineinander.

Die Streicher, die zuvor den Song „Buried“ zu einem besonders schauderhaften Stück Musik gemacht haben, scharren sich nun durch nahezu sämtliche Tracks, die dadurch umso bedeutungsschwerer und bedrohlicher klingen. Auch Maivens glasklarer, trister Gesang, der irgendwo zwischen einer unheilvoll hauchenden Sharon den Adel (Within Temptation) und einer resignierten Loreena McKennitt rangiert, lässt nie lange auf sich warten. Mit ihrer sanften und doch eindringlichen Stimme geleitet die Sängerin durch unwägbare, rational kaum zu erfassende Sphären, die sie mit ihren flächendeckend widerhallenden Background-Vocals selbst heraufbeschwört.

Dabei machen DARKHER nie den Fehler, ihre Musik mit all ihren atmosphärischen Klangschichten zu überladen. Die Band weiß genau, wann sie sich zurücknehmen muss, welche Spur sich am besten im Hintergrund macht, um vergleichsweise karge Kompositionen in alles verschlingende Ozeane aus Tönen zu verwandeln. Obwohl die Songs sich ohne offensichtliche Hooks nur langsam im Ohr entfalten, fühlt man sich von DARKHER doch immer wieder in die bedeutungsschwangere Tiefe ihrer Musik hineingesogen. Beinahe unmerklich hallen sie im Geiste wider, bis man etwa „Immortals“ mit seinen wehklagenden Vocals und Clean-Gitarren oder den todbringenden Stampfrhythmus von „Love‘s Sudden Death“ nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

„The Buried Storm“ ist ein Album, das Geduld einfordert, aber doch so offenkundig überwältigend ist, dass man sich nicht davon abzuwenden vermag. Erneut haben DARKHER ein Werk von übersinnlicher Essenz geschaffen, das mit seiner unglaublich vielschichtigen Produktion und seinem effektiven Songwriting zum Staunen bringt. Die noch flüssigeren Arrangements, die von den Streichinstrumenten und dem Gesang wie von einem Strom durchzogen werden, erschließen sich zwar nicht auf Anhieb, wie es beim Debüt hingegen noch der Fall war. Nichtsdestoweniger ist es DARKHER erneut gelungen, etwas Unergründliches in ihrer Kunst einzufangen und damit eine Platte zu kreieren, die sich auf lange Sicht einprägen wird.

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Wertung: 8.5 / 10

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3 Kommentare zu “Darkher – The Buried Storm

  1. Ich kann mich dem Lob nur anschließen. Schon nach dem ersten Hören hat mich die Platte gepackt. Trotz all der Schwere und Traurigkeit haben die Stücke immer wieder auch eine innewohnende Freude und ein Licht, ganz klein, aber spürbar, z.B. ein einzelner Ton in Dur in „Immortals“ bei 0:28. Tröstend und schützend wie eine Mutter ist auch der Gesang, auch wenn ich nicht sagen kann, auf welcher Seite des Lebens man gerade heim kommt. – 9,5/10

    1. Schön, dass es dir offenbar ganz wie mir geht! Alben wie dieses geben dem Format aus meiner Sicht seine Daseinsberechtigung – als großes Ganzes und eben nicht nur als Sammlung für sich stehender Songs. :)

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