Interview mit Allgäu Doom

Die YouTube-Szene im Metal-Bereich wächst stetig und bringt immer wieder neue Kanäle hervor. Den Personen dahinter und ihrer Arbeit möchten wir in unserer Interviewreihe etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und Hintergründe erfahren. Krempe von ALLGÄU DOOM berichtet im Interview über seine Vorliebe für die 70er und warum die Kutte für einen Metalhead so wichtig ist.

Stell bitte dich und dein Format kurz unseren Lesern vor, die dich eventuell noch nicht kennen.
Ich bin Krempe, zähle seit April 50 Lenze und betreibe den Kanal ALLGÄU DOOM. Der Name hat mich im Nachhinein etwas genervt, aber nachdem ich die Leute befragt habe, wollten die, dass er bleibt. Ich wollte da von Anfang an eigentlich etwas über meinen musikalischen Werdegang plaudern, sprich: Schwerpunkt 80er Jahre. Da der klassische Metal gerade wieder Hochkonjunktur hat, kann ich da natürlich aus den Vollen schöpfen und auch viel Neues ansprechen.

Was waren deine Beweggründe Videos für YouTube zu drehen? Welche Leute möchtest du damit erreichen?
Irgendwann habe ich mich auf YouTube umgesehen und fand nicht so recht, was mich interessierte. Als ich dann den Kanal von Krachmucker entdeckte, sprach der Ernie davon, dass deutsche Metal-YouTuber untervertreten wären. Und da ich ja eh mal meinen Senf loswerden wollte, habe ich das einfach mal probiert. Ansprechen will ich dabei vor allem jene, die sich auch mal für ein paar Hintergründe interessieren, Dinge, die man oft nur in einschlägigen Magazinen liest.

Wie ist der Name für deinen Kanal entstanden?
Ich lebe hier im Allgäu, obwohl ich kein Allgäuer bin. Den Namen hatte ich aber schon, als ich noch bei einer Doom-Band sang (mit deutschen Texten allerdings). Um den Sound zu beschreiben, fiel mir ALLGÄU DOOM ein. Kühe, Typen, die durch den Wald stapfen, schleppende Musik. Und der blieb dann irgendwie hängen, obwohl es ja nicht speziell um Doom Metal geht.


Welche Vor- und Nachteile siehst du bei YouTube im Vergleich zu einem (Online-) Magazin?
Die Leute lesen weniger. Wenn da jemand plaudert, bekommt man eher was mit. Du hast im besten Fall bei YouTube jemanden vor dir, mit dem du dich identifizieren kannst. Die Anonymität fällt weg – und du kannst praktisch deine Kamera schnappen und losplaudern. Das ist schon gut. Der Nachteil ist der unglaubliche Schrott auf dieser Plattform, gerade, weil es jeder machen kann.

Wie schnell vergrößert sich denn die Reichweite? Wie viel Potenzial siehst du für die Metal-Szene?
Also ich weiß nicht recht. Wenn man da dran bleibt und Geduld hat, dann erreicht man schon ein paar Leute. Gute Sachen sprechen sich ja auch rum und die Metal-YouTuber supporten sich auch ein Stück weit. Potenzial sehe ich natürlich auch darin, dass Festivals vorgestellt werden, die man sonst vielleicht nie auf dem Schirm gehabt hätte. Ich selber mache das nicht, weil das quasi jeder macht, aber es ist zumindest etwas, das besser ist, als nur darüber zu lesen. Und da es ja um YouTube geht, ist doch die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass da auch mal jemand zusieht, der sich kein Magazin kaufen würde. Du kommst halt schnell an Informationen und das ist szeneübergreifend.

Die YouTuber-Szene ist heutzutage sehr schnelllebig. Was muss man deiner Meinung nach tun, um weiterhin interessant zu bleiben?
Ich glaube, da sollte man sich weniger um die Mechanismen bei YouTube kümmern, als vielmehr an unserer Szene orientieren. Ich glaube nicht, dass sich Metalheads am YouTube-Gewäsch und an dieser Schnelllebigkeit messen lassen. Man merkt schnell, wer authentisch ist und wer eigentlich nur ein YouTuber sein will. Und das ist genau der Punkt: Metal ist kein Thema für den ganzen Influencer-Schwachsinn. Das wird auch auf YouTube nur eine Nische bleiben. Zumindest, wenn es authentisch sein soll.

Natürlich ist auch in diesem Bereich nicht alles Gold was glänzt. Welche Grenzen bringt das Format für dich mit sich?
Die Reichweite ist irgendwann für unser Thema erschöpft. Ich staune schon jetzt, was große Metal-YouTuber so im Schnitt erreichen, aber selbst die gelten ja im ganzen Getümmel als eher klein. Wer da nicht mit Leidenschaft ran geht, sondern als Geschäftsmann, der sollte das lassen.

Welches Equipment nutzt du für deine Videos und wieviel Geld hast du bereits investiert?
Angefangen habe ich mit einer Lumix und einem Handy. Irgendwann kam dann die Canon G7X dazu. Zwei Fotolampen benutze ich auch, im Raum ist das mit dem Licht immer so eine Sache. Zum Schneiden habe ich das Pinnacle Studio 21. An die 1.000,- € steckt man da anfangs schon rein. Nach oben gibt es keine Grenzen.

Wie lange dauert es bis ein Video bereit zum Upload ist? Übernimmst du alles vom Schneiden, Bearbeiten usw. Selbst?
Für manche Videos brauchte ich mehrere Anläufe. Sobald das Material im Kasten ist, geht es eigentlich schnell. Ich würde im Schnitt von drei Tagen sprechen. Aber wie gesagt: Ich mache keine Konzerte mit, sondern berichte nur vom Studio aus. Das wird bei anderen ein ganz anderer Aufwand sein. Allein mache ich das nicht, meine Frau unterstützt mich da und bedient die Kamera. Ansonsten mache ich das alles selbst, ja.

Wieviel Geld wirft YouTube für dich ab? Kannst du davon leben? Oder hast du nebenbei noch einen anderen Job?
Gar kein Geld. Ich habe weder einen Patreon-Account, noch bin ich so groß, dass ich Werbung schalten kann. Ich will das auch gar nicht, da fehlt mir jeglicher Ehrgeiz. Ich kann das natürlich auch nur machen, weil ich im Krankenstand bin. Aber das ist ein anderes Thema.

Wie sind die Reaktionen der Leute auf deine Videos? Gerade bei YouTube gibt es viel Hate Speech. Warst du davon schon betroffen?
Gar nicht. Damit hatte ich eigentlich gerechnet, aber ich muss wirklich sagen, dass da ausnahmslos faire Kommentare kamen und die Leute das auch wirklich schätzen, was man da macht. Selbst wenn ich mal Blödsinn erzähle.

Und wie ist das Verhältnis unter euch YouTubern? Gibt es freundschaftliche Verbindungen, kollegialen Respekt oder vielleicht sogar „Beef“?
Soweit ich das überblicke, ist alles von Respekt geprägt. Viele kennen sich ja sogar persönlich oder treffen sich auf Festivals. Und natürlich entstehen da sicher auch Freundschaften.

Wirst du auf der Straße mittlerweile erkannt? Hat dich schon jemand um ein Autogramm gebeten?
Als Metal-YouTuber werde ich sicher nicht erkannt, als Verrückter schon, aber von dem will man kein Autogramm.


Deine ersten beiden Clips behandelten das Thema Proto-Metal und stellten die 20 härtesten Songs der 60er Jahre vor. Hörst du Gruppen wie Pink Floyd oder The Beatles auch privat oder ging es dir lediglich um musikgeschichtliche Fakten?
Ich bin ja in den 70ern/80ern aufgewachsen und habe in meiner Kindheit den ganzen Hard Rock mitbekommen. In den 80ern war mir der dann völlig egal. Das änderte sich aber wieder in den 90ern, als alles irgendwie den Bach runterging. Ich hatte genug Zeit, mal zu sehen, wo das alles her kam. Pink Floyd oder Beatles sind jetzt nicht so meine Baustelle, aber Uriah Heep, Nazareth usw. hatten schon ein paar interessante Sachen drauf. Und es gibt eine Menge obskures Material, das gerade heute wieder eine Menge Einfluss ausübt. Um die Frage zu beantworten: Genau dieses obskure Metarial interessiert mich an den 70ern.

Sammelst du als leidenschaftlicher Musikfan auch Platten und CDs? Welches Medium bevorzugst du? Wie groß ist deine Sammlung aktuell?
CDs habe ich natürlich ein paar rumfliegen, aber eigentlich interessieren mich nur Platten. Insgesamt dürfte ich so um die 3.000 davon haben, aber ich weiß es nicht genau, um ehrlich zu sein.

In deinem Video „Die Kutte: Seele des Metalheads“ sprichst du ausführlich über die Metalkutte und ihre Bedeutung in deinen jungen Jahren. Würdest du sagen, dass sie heute noch zeitgemäß ist?
Auf jeden Fall. Egal, was man so hört: Die Kutte ist DAS Kleidungsstück für einen Metalhead. Dass man sie in der Öffentlichkeit kaum mehr sieht, hat etwas mit dem Zeitgeist zu tun. Das ist zwar bedauerlich, aber ändern kann man das nicht. Schleißlich handelt es sich ja nicht um ein Modestück, sondern um etwas wirklich persönliches, und unsere Szene ist logischerweise so vielseitig geworden, da gibt es eben auch alle möglichen Kleidungsstücke zu sehen, aber der Kern des ganzen – tut mir leid – sind die Lederjacke und die Kutte. Aber ich trage sie natürlich auch nicht dauernd, also alles cool.

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Du genießt gerne mal eine Maß voll frischer Allgäuer Kuhmilch in deinen Shows. Trinkst du überhaupt Alkohol, was ja für viele Metalheads typisch ist?
Ich trinke schon ab und zu Alkohol, aber ich saufe nicht mehr. Ich bin zwar kein trockener Alkoholiker, aber ich habe es jahrzehntelang absolut übertrieben. Es ist ein Wunder, dass ich noch so gut beieinander bin. Das mit der Milch ist natürlich ein Gag.

Deine kleinen Freunde „Happy Jack“ oder der Henker sind Gartenzwerge. Wie fanden sie den Weg in deine Videos? Wie gehen sie mit dem schnellen Ruhm um?
(lacht) Die Zwerge waren ein anfängliches Gimmick. Später habe ich die ja rausgelassen und durch Giambattista ersetzt. Ich glaube, ihnen ist das alles zu Kopf gestiegen.

Die Veröffentlichung deines letzten Videos liegt mittlerweile einige Monate zurück und ich habe gehört, dass du deinen Kanal aus persönlichen Gründen einstellen musstest. Wieviel Wahrheit steckt hinter diesen Gerüchten?
Die persönlichen Gründe hängen mit meinen verdammten Zähnen zusammen. Es gab Komplikationen bei einer Unterkiefer-OP. Das entzündet sich dauernd wieder. Das kam natürlich zu einer blöden Zeit, denn um ehrlich zu sein war ich erstaunt, wie viel Zuspruch ich innerhalb des ersten halben Jahres bekam. Ich kann nicht kauen, ich kann nicht fressen … ja, ich kann nicht mal vernünftig spucken. Wie will ich da im Augenblick eine halbwegs verständliche Sendung machen? Sobald der Mist rum ist, geht es in Staffel zwei. Versprochen.

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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