Interview mit Dana Dentata

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Mit DANA DENTATA haben Roadrunner nach 40 Jahren Labelhistorie ihren ersten rein weiblichen Act unter Vertrag genommen – ein Soloprojekt. Im Interview sprechen wir mit der kanadischen Musikerin über Frauenfeindlichkeit in der Musikwelt, ihren spannenden Mix aus Hip-Hop und Metal, und wie sie heute zu ihrem Jugend-Idol Marilyn Manson steht.

Dein Debütalbum ist vor wenigen Wochen erschienen – wie fühlt sich das an, bist du zufrieden mit dem Feedback, das du bis jetzt bekommen hast?
Ich fühle mich sehr friedlich und glücklich. Ich habe mit diesem Album eine Menge Dinge losgelassen. Ich bin froh, dass es den Leuten das Gefühl gegeben hat, dass sie gehört werden. Ich habe in Rezensionen gelesen, dass es unangenehm zu hören ist – das gefällt mir. Durch Bequemlichkeit hat sich noch nie etwas verändert.

Roadrunner Records war in den frühen 2000er Jahren das Aushängeschild des modernen Metals, aber seit Warner das Label übernommen hat, hat es viel von seinem Reiz verloren. Warum ist Roadrunner immer noch das richtige Label für dich und deine Musik?
Meine Wurzeln liegen mit meiner Band Dentata, die ich als Teenager in Toronto hatte, im Metal und Punk. Dunkelheit und Härte ist Metal. Das Label unterstützt mich auch in meiner Botschaft und versucht nicht, mich zu ändern. 

Dana_Dentata_Pantychrist_Cover_Roadrunner_RecordsDas Album trägt den Titel „Pantychrist“ – was ist die Idee hinter diesem Kunstwort? Wer oder was ist ein „Pantychrist“?
„Pantychrist“ bedeutet, sich dem Licht zuzuwenden und trotz Missbrauch und Trauma nach Reinheit und Heilung zu suchen. Die Genesung von viel Schmerz und die Rückforderung unseres Körpers. Der Schoß einer Frau erleidet viele Traumata. Die Wiederherstellung und Heilung des Körpers ist das, was „Pantychrist“ für mich wirklich bedeutet. 

Apropos Namen – was hat dich zu deinem Künstlernamen DANA DENTATA inspiriert und was soll er ausdrücken?
Ich hatte in Toronto eine Girl-Punk-Band namens Dentata und die Leute nannten mich einfach so, weil mein Name auch mit einem D anfängt. Es ist mein Super-Power-Alter-Ego, aber auch die Person, zu der ich mich entwickelt habe und die meinem wahren Ich jetzt sehr nahe kommt.

Du hast zu mehreren deiner Songs Videos veröffentlicht. Wie wichtig ist das Medium Musikvideo für dich unter künstlerischen Gesichtspunkten? Sind die Clips eher Teil des Gesamtkunstwerks oder Teil der Werbekampagne?
Die visuellen Elemente sind für mich genauso wichtig wie der Song. Die Botschaft und die Emotionen sind das Wichtigste. Videos helfen, diese Geschichte zu erzählen.

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Du hast als Stripperin gearbeitet und stellst dich in diesen Videos auch gerne in einer sexualisierten Weise dar. Warum ist es für dich wichtig, deinen Körper als Teil deiner Kunst zu inszenieren?
Die Gesellschaft hat mich übersexualisiert, seit ich als Mädchen in der Modelbranche tätig war. Irgendwann habe ich die Kontrolle über meinen Körper übernommen und gelernt, ihn wie ein Kunstwerk zu lieben. Ich mag es, mich schön zu fühlen, das gibt mir ein gutes Gefühl.

Musikalisch mischst du Hip-Hop mit Metal – zwei Genres, die lange als unvereinbar galten. Über deine Punk-Vergangenheit haben wir bereits gesprochen – wie kamen Hip-Hop und elektronische Musik in dein Leben?
Als ich zwölf war, habe ich das Album „Get Rich Or Die Tryin'“ von 50 Cent bekommen und jedes Wort mitgesungen. Ich habe auch Eminem geliebt. Damit begann meine Liebe zum Rap. Elektronische Musik kam erst in mein Leben, als ich anfing, in Stripclubs zu arbeiten. Die Art und Weise, wie die Mädchen zu dieser Musik tanzten, hat mir eine besondere Art von Wertschätzung für diese Musik vermittelt, weil ich sie mit dem Gefühl von Selbstbestimmung verband.

Für das Album hast du mit verschiedenen Produzenten gearbeitet, darunter Travis Barker, Dylan Brady, Arthur Rizk, NOLIFE, Yawns & Fish Narc und Italian Leather. Warum so viele Produzenten – und wie lief das genau ab?
Ich glaube, ich empfand es als schwierig, an einem Ort zu bleiben oder einer Person zu vertrauen. Also habe ich mich einfach treiben lassen und mit jedem, der mir geholfen hat, das zu verarbeiten, was ich durchgemacht habe, wirklich rohe Songs gemacht. Ich experimentiere auch gerne mit verschiedenen Leuten und Genres, damit etwas Unerwartetes dabei herauskommt.

DANA DENTATA im Musikvideo zu "Apology" (Screenshot)

DANA DENTATA im Musikvideo zu „Apology“ (Screenshot)

Im Vorfeld hat Warner in einer Pressemitteilung stolz verkündet, dass du das „erste rein weibliche Signing“ bei Roadrunner Records bist. Bei einem Soloprojekt ist „all-female“ nicht besonders schwierig – ist eine solche Aussage noch Feminismus oder Femwashing?
Ich bin stolz darauf, die erste weibliche Solokünstlerin zu sein, die bei diesem Label unterschrieben hat. Das macht deutlich, wie zurückgeblieben Metal und Heavy Music sind, was das Thema Frauenfeindlichkeit angeht. Ich möchte das Thema dort angehen, wo es noch immer besteht.

Frauen sind in der Metal-Szene ganz allgemein stark unterrepräsentiert. Warum sind Frauen noch immer bestenfalls Fans dieser Musik? Wo versagen wir, wenn es darum geht, Mädchen zu ermutigen, Metal zu machen?
Ich hoffe, dass das trifft so nicht zu, aber wenn es so ist, bin ich nicht überrascht. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wenig die Leute mit einer starken, taffen, konfrontativen Frau zu tun haben wollen. Das wird von der Gesellschaft unterdrückt. Es ist viel einfacher für die Menschen, sich Dingen hinzugeben, die ihnen ein gutes Gefühl geben und leicht zu verdauen sind.

Dana Dentata - Pantychrist - Single Art - LO… und wo müsste man ansetzen, um das zu ändern? Welche Strukturen müssen sich ändern, um Frauen im Metal (oder in der Musik allgemein) präsenter zu machen? Was hältst du von Ansätzen wie Frauenquoten auf Festivals?
Hübsch und höflich und unterwürfig – so wollen sie uns Frauen haben. Wir müssen dieses beschissene Narrativ ignorieren. Ich habe gerade drei Festivals in Großbritannien gespielt und war von knallharten weiblichen Künstlern umgeben, also denke ich, dass der Wandel bereits im Gange ist. Wir müssen einfach stark bleiben.

Du möchtest, dass sich andere Frauen durch deine Musik frei und unterstützt fühlen. Richten sich deine Songs, deine Texte in erster Linie an Frauen?
Nein, Missbrauch betrifft jeden, egal wie er sich bezeichnet. Meine Texte sind für jeden Menschen, der sich mit meinen Worten identifiziert.

In der bereits erwähnten Pressemitteilung von Warner Music hießt es auch, dass du für deine erste EP Lob von Kanye West und „deinem Vorbild“ Marilyn Manson bekommen hast. Kann man da heute noch stolz drauf sein, oder sind das nach allem, was man heute weiß, vergiftete Worte?
Ich kann diese Erfahrungen als Künstler aus einer künstlerischen Perspektive zu schätzen wissen. Aber was Stolz angeht, bin ich die einzige Person, die mir dieses Gefühl jemals wirklich vermitteln kann. Und das tue ich.

Dana Dentata - 5309 - Ashley Osborn - loresGanz allgemein: Wie gehst du als Fan, aber auch als feministische Künstlerin, mit dem Fall Marilyn Manson um? Kannst du immer noch ein Fan von Brian Warners Musik sein, nach allem, was dieses Jahr über ihn ans Licht gekommen ist?
Es ist schwer, den Einfluss von jemandem zu leugnen, der als Künstler Jahrzehnte deines Lebens beeinflusst hat. Aber es ist wichtig, körperlichen und psychischen Missbrauch von Frauen nicht länger zu tolerieren oder zu unterstützen.

Eine weitere Band, die mir beim Hören deines Albums in den Sinn kam, ist Die Antwoord. Bist du ein Fan ihrer Musik, würdest du sie als Einfluss nennen? Mit der Band gibt es ein ähnliches Problem wie mit Manson – es gab auch einen schlimmen Skandal um sexuelle Übergriffe durch Sänger Ninja
Ich bin mit ihrer Arbeit oder ihrer ganzen Geschichte nicht vertraut, aber ich fand schon immer, dass „Baby’s On Fire“ eines der besten Musikvideos aller Zeiten ist. Ich bin froh, dass Menschen für ihre Handlungen und ihren Machtmissbrauch zur Rechenschaft gezogen werden. All diese Männer inspirieren mich dazu, weiterhin Musik zu machen und jungen Frauen gegenüber nicht so ein Stück Scheiße zu sein.

Welche anderen Bands würdest du als Einflüsse nennen?
Hole, Nirvana, Motörhead, PJ Harvey und Tupac.

Ich habe gelesen, dass du einen Dämonen als Freund hast, Purple Tony. Wie dürfen wir uns das genau vorstellen?
Früher hatte ich überall Dämonen dabei, in meinen Videos und bei meinen Auftritten. Ich merkte zu spät, dass ich in der Dunkelheit spielte und mir wurde klar, dass ich von echten Dämonen umgeben war. Den letzten habe ich in „The Resurrection Of Dana Dentata“ in Stücke gerissen, um zu symbolisieren, dass ich mit dieser Scheiße fertig bin. Ich konzentriere mich jetzt auf das Licht.

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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4 Kommentare zu “Dana Dentata”

    1. Eirik

      Nun, ich fand das Interview eher lanweilig und dazu nichtssagend. Was ist daran wild, bitte?? Wahrscheinlich wurde es per Mail geführt, darum konnte der Interviewer wohl nicht so nachhaken. Darum soll das auch kein Vorwurf an ihn sein. Aber sie ging leider auf keine der durchaus interessanten Fragen mal etwas tiefer ein. Da kam ja nichts, außer komische Floskeln. Seltsam. Will sie keinem wehtun, ist es Selbstschutz oder ist sie einfach zu jung? Wild..? Lol

      1. Moritz Grütz Beitragsautor

        Ja, ich habe es ehrlichgesagt ähnlich empfunden. Die Fragen hätten (aus Sicht des Fragenden) durchaus mehr hergegeben, die Antworten waren hingegen – gerade für das ansonsten recht provokant/selbstsichere/direkte Image ziemlich „drum herum“ und eher banal gehalten. Da wäre mehr drin gewesen.

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