Interview mit 10.XIXt von Farsot

FARSOT haben vor nicht mal allzu langer Zeit mit ihrer Demo „042103Freitod“ für Furoure in Black-Metal-Kreisen gesorgt. Nun warten sie mit ihrem ersten Album „IIII“ auf. Anlass genug, ein Interview mit Bandleader 10.XIXt zu führen.

Erst einmal Glückwunsch zu „IIII“, das Album ist wirklich sehr gelungen, wie ich finde. Seht Ihr das im Nachhinein auch noch immer so und sind Euch schon weitere bzw. andere Meinungen bekannt?
Danke sehr. Nun, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, weshalb es sicherlich auch unterschiedliche Resonanzen gibt und geben wird. Die bisherigen Reaktionen sind aber überwiegend sehr positiv ausgefallen, was uns natürlich sehr erfreut. Wir haben versucht den Abschnitt „IIII“ bestmöglich, entsprechend unserer vorangegangenen Visionen, umzusetzen und wir sind auch heute noch der Meinung, dass uns dies in Anbetracht unserer Möglichkeiten sehr gut gelungen ist. Es nützt nichts ein „hätte, wenn und wäre“ zu hinterfragen. Es ist – so wie es ist – abgeschlossen und man ist beruhigt, zumindest alles für die Sache getan zu haben.

Nun habt ihr ja „damals“ mit eurer Demo „042103Freitod“ einigermaßen aus dem Stand (euer erstes Demo schlug ja noch keine Wellen, meine ich) wirklich überragende Rezensionen eingefahren, was doch sehr beachtlich ist, wie ich finde. Entstand dadurch vielleicht schon eine Art Druck, dass „IIII“ nun wirklich grandios werden muss?
Nein gar nicht. Die Reaktionen von „042103freitod“ haben uns selbst sehr überrascht. Diese Veröffentlichung reflektiert die Band farsot. zum damaligen Zeitpunkt. Wir waren jedoch voller Drang weiterzumachen, uns zu verbessern, neue Ufer zu erkunden und letztendlich auf ein volles Album hinzuarbeiten. Die Demo-CD ist eher die untere Sprosse einer Treppe die durch das Betreten gebrochen ist und somit den Weg nach unten, d.h. zurück, versperrt hat. Eine folglich höhere Sprosse stellt unser aktuelles Werk dar. Wir haben jedoch auch jetzt nicht die Absicht uns an irgendetwas zu messen. Es soll weiter gehen, voran gehen und unsere jetzige Auffassung gegenüber geistlichen Hintergründen und der Musik widergespiegelt werden. Wir sind selber gespannt, was dabei herauskommen wird.

Nun bitte ich euch an dieser Stelle, den Lesern und mir mal einen kleinen Abriss über eure Bandhistorie zu geben, meine vorherige Formulierung „aus dem Stand“ ist ja vielleicht schlicht falsch…
Farsot gründeten sich im Jahr 1999. Das aktuelle Line-Up existiert, nach einigen Besetzungswechseln an Bass und Gitarre, seit über vier Jahren. Im März 2004 veröffentlichten wir unser erstes offizielles Demo „042103freitod“ (2001 wurde ein Tape im Proberaum aufgenommen, welches jedoch kein Release in dem Sinne war, sondern eine auf 60 Einheiten limitierte Proberaumaufnahme, die größtenteils im Bekanntenkreis verteilt wurde). Das Material für unser Debüt (VÖ: 26.10. via Lupus Lounge) wurde im Juli 2006 unter der Leitung von V.Santura (Dark Fortress) aufgenommen. Womit wir in aller Kürze beim „Jetzt“ wären…

Darf man „IIII“ als Konzeptalbum ansehen, schließlich klingen die Songtitel für mich wie letztlich der Tod in Einheit mit der Vor- und Nachbereitung desselbigen.
Es ist ein Konzeptalbum über die menschliche Psyche in Konfrontation mit dem Verlust einer nahe stehenden Person. Negative Emotionen, wie Hass, Angst oder Trauer beeinflussen das Denken und Handeln in einer derartigen Situation am meisten. Sie sind immer präsent und zermürben das Vermögen „wahr und „falsch“, sowie „recht“ und „unrecht“ auseinander halten zu können, jedoch mit dem allgegenwärtigen trockenen Beigeschmack, den Tod als lediglich finalen Schritt zu betrachten (Thematik: Tod). Es sei erwähnt, dass die gelisteten Titel lediglich Kompromisstitel sind, welche aus bürokratischen Gründen zu vergeben waren. Es soll genug Raum zur Eigeninterpretation gegeben sein, deshalb sollte man sich nicht nur auf die Titelbezeichnungen fixieren.

„IIII“, was für eine Bedeutung steckt hinter diesem Albentitel? Ist jene vielleicht direkt verknüpft mit den vier Thematiken?
Auch hier wurde uns gewissermaßen ein bürokratischer Riegel vorgeschoben. „Farsot“ oder „dto.“ schieden bei der Namensvergabe von vorn herein aus, denn sie hätten unser Konzept völlig verzerrt. Letztendlich entschieden wir uns für ein einfaches „IIII“. Mann kann dabei sofort den Bezug zu den vier Thematiken herstellen. Jedoch bildet das Linienkonstrukt auf dem Cover den eigentlichen Titel. Es sind vier Linien, wovon jede einen eigenen bestimmten Verlauf aufweist. Der Verlauf jeder einzelnen Linie versinnbildlicht die jeweilige auf dem Album vertonte Emotion (Hass, Angst, Nüchternheit und Trauer).

„IIII“ erscheint ja zeitgleich mit den neusten Streichen von Helrunar und Drautran und ich las, dass einige deshalb glauben, Farsot würde nicht die Beobachtung bekommen, die den oben genannten Bands zuteil sein wird. Kann ja vielleicht sein, wer weiß das schon, inwieweit wurdet ihr denn schon mit dieser These konfrontiert und habt ihr vielleicht einfach schon das Gegenteil dessen erlebt?
Vielleicht besteht da eher ein kommerzieller Konflikt zwischen Drautran und Helrunar. Aber die Anhänger dieses Stils werden sich ohnehin beide Alben zulegen. Wir verfolgen Themen- und Musik- bezogen dann doch eher eine etwas andere Richtung. Unterschiedliche Geschmäcker werden die Gunst der Hörerschaft gerecht verteilen!

Das Cover – was stellt es dar? Für mich sieht das so aus, als hätte man versucht, eine Emotion, ein Gefühl zu visualisieren…
Das Cover versucht den erdigen, ungeschliffenen, rauen Charakter des Werkes widerzuspiegeln. Das Bild ist zweigeteilt. Zusammengeklappt wird mehr Gewichtung auf das Liniengebilde gelegt. Es ist die Essenz des Albums. Klappt man das Cover auf, erscheinen am Horizont Windräder. Sie symbolisieren unser Konzept, welches einen Zyklus von abgrundtiefen menschlichen Gefühlen offenbart.

Ich muss sage, dass mir eure Texte wirklich gut gefallen, was hauptsächlich daran liegt, dass ihr formidabel klingende Wörter nutzt, sprich keine Phrasen oder sonst was. Woran liegt es, soviel dichterische Kunst gelesen?
Die Lyrics dienen der Untermalung einer omnipräsenten Melancholie und Dramatik, die alle Thematiken beherbergen. Beim alleinigen Hören nimmt man an der Melancholie der Texte sicherlich kaum Anteil – sie entfaltet sich erst beim Lesen und der Auseinandersetzung mit der Materie. Durch die Penetration des „wenn-dann“ Stilmittels soll der starke Bezug der Texte zueinander verdeutlicht werden. Man kann teilweise von einer gewissen Austauschbarkeit der Lyrics untereinander reden, gleichfalls zu den einzelnen Emotionen, welche dicht ineinander verwoben sind.

Ich las vor einiger Zeit in einem Interview, dass ihr bei einem Plattenvertrag nicht unglücklich über Prophecy wäret, da jenes Label aus eurer Sicht durchaus in der Lage ist, dem Künstler und allem anderen gerecht zu werden. Mittlerweile seid ihr ja nun bei dem Sublabel Lupus Lounge; war das also schlicht der maßgebliche Faktor, der euch dazu bewegt hat oder waren die konkurrierenden Labels einfach nicht der Rede wert, hehe?
Nein es gab niemals einen Prophecy – Tunnelblick. Uns ging es in erster Linie darum, überhaupt ein ernstzunehmendes Label zu finden, welches den Künstler in seinen diversen Ansprüchen grundsolide unterstützen kann. Sei dies nun in Werbung, Vertrieb, den Produktionskosten oder einfach nur bei der Einräumung einer gewissen künstlerischen Freiheit. Andere Angebote mussten letztendlich aber auch einfach der Tatsache weichen, dass eben jene Verbindung zu einem deutschen Label enorme Vorteile bezüglich Kommunikation und Informationswegen darstellt.

Übrigens scheint man euch – ihr teilt das Label ja u.a. mit Secrets of the Moon – mitunter als Avantgarde zu bezeichnen, was ich ganz ehrlich für Blödsinn halte, wenn ich das mal so klar sagen darf. Deine Meinung interessiert mich dazu aber nichtsdestotrotz ,]
Kategorisierungen waren, sind und bleiben ein lästiges Thema. Wir sind eine Extrem-Metal-Band. Gerne kann man dazu auch Black Metal sagen. Da wir diesen Stil recht unkonservativ zelebrieren und uns auch sonst nicht danach richten, was Irgendjemand von uns erwarten könnte, ist es uns auch im Endeffekt egal, in welche Ecke uns der Hörer zu stecken versucht. „Avantgarde“ könnte man allerdings auch als den Drang nach Eigenständigkeit bezeichnen, etwas Anderes zu machen, sich eben nicht einer breiten Masse unterzuordnen. In gerade diesem Sinne wäre der Begriff nicht allzu falsch gewählt …

Nun finde ich, dass ihr wirklich wisst, wie man ein Szenario inszeniert, soll heißen, ihr macht euch sicherlich eine Menge Gedanken, wie ihr die Intention eines Songs in Musik transformieren könnt um dem Hörer eben das dahinter steckende Gefühl näher zu bringen. Erstmal, ist das so stimmig und wie viel Arbeit ist das eigentlich, wie sieht der Prozess genau aus und wie lange muss so etwas reifen?
Gedanken stecken lediglich hinter dem Konzept. Gefühle, die wir versuchen zu vermitteln, sind natürlichen Ursprungs. Alles, was wir darbieten und an unseren Hörer weitergeben, basiert auf individuellen Erfahrungen. Sowie die Musik als auch die Lyrik sind vertonte Emotionen, die wir selbst durchlebt haben. Jeder von uns auf seine eigene Art und Weise. Der Zusammenfluss aller dieser Essenzen ergibt ein starkes, gefühlsintensives Konstrukt, dem ein Naturell der menschlichen Psyche zugrunde liegt. Zeit spielt hierbei nur nebensächlich eine Rolle. Ein Stück ist reif, wenn wir uns und unser Seelenleben wieder finden können, während wir es spielen.

Sowohl auf eurer MySpace-Seite als auch auf meinem Infoblatt steht, dass ihr letztlich mit burzum’esquer Finsternis arbeitet. Kannst du das vielleicht einfach mal näher erläutern?
Das ist ein Statement des Labels. Sinngemäße Interpretationen können wir deshalb nicht von uns geben. Ein Album wie „Hvis Lyset Tar Oss“ sollte allerdings jeden Fan intensiv-extremer Musik nachhaltig beeinflusst haben. Gut möglich das man irgendwo auf „IIII“ eine Stimmungstendenz auffinden kann, die eben jener Aura Burzums gerecht wird.

Würdest du Farsot selbst als zukunftsträchtige Band ansehen, die noch nicht jetzt aber dafür in einigen Jahren vielleicht wirklich einen großen Stellenwert im Black Metal genießt? Ich meine, es fing ja schon gut an bei euch und ihr seid ja nun auch schon recht bekannt…
Wir sind der Zukunft zugewandt. Auf einen hohen Stellenwert legen wir es dagegen nicht an. Niemand wird abstreiten können, dass er sich über Zuspruch und Unterstützung erfreut, doch ist dies eher ein kleiner Treibstoffbestandteil. Zum Fortbewegen müssen wir in erster Linie uns selbst befriedigen und stets den Antrieb für neue Ziele in uns entdecken.

Nun las ich, dass Farsot schwedisch für Seuche ist, habt ihr euch tatsächlich deshalb so benannt? Das muss ja einen Grund haben, wieso seht ihr euch oder vielmehr eure Musik denn als Seuche, Plage?
Wir bevorzugen den Terminus Epidemie (griech. epidemios – im Volk verbreitet). Bei der Suche nach einem geeigneten Bandnamen vor bereits über 7 Jahren sind wir eher durch Zufall auf diesen Namen gestoßen. Er ist bedeutungsarm genug, um voreilige Schlüsse auf musikalische Tendenzen zu vermeiden und doch verheerend in seiner Auswirkung.

Gen Ende mal eine Frage, die ich mir zwar die ganze Zeit schon stellte, die aber trivialer Natur ist: Was sind das für Pseudonyme, die ihr da habt? Die werden doch sicherlich etwas bedeuten, oder?
Sie sind größtenteils Verschlüsselungen unserer Initialen. Bürgerliche Namen bzw. Pseudonyme aus unterschiedlichsten literarischen Kreisen würden unser Gesamtkonzept entmystifizieren und uns unserer Anonymität berauben – schließlich geht es um die Musik und nicht um die Charaktere dahinter.

Dann bedanke ich mich bei dir für das Interview!
Wir danken Dir und hoffen, dass einige Leser ein Ohr riskieren.

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