Interview mit 8-Ball von Syrach

Zwei Alben in 14 Jahren – wenn das kein Doom ist! Gitarrist Rolv-Erik alias 8-Ball von den norwegischen Doomern SYRACH stand uns Rede und Antwort und plauderte über Lineup-Wechsel, Kirchen und Haarausfall.

English original…

Hi Rolv-Erik! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Wie gehts dir?
Hi Robin, mir gehts gut, danke. Zeit für ein Interview ist immer da.

Einige Leser von metal1.info kennen euch vielleicht nicht – bitte stell deine Band und dich doch kurz vor.
Ich bin Gitarrist der norwegischen Doom Rock/Metal-Band Syrach. Eine der ältesten, aber nicht bekanntesten Bands in diesem Genre. Wir haben unser neuestes Album endlich draußen, über Napalm Records, also wird sich jetzt hoffentlich einiges ändern.

Ihr habt neun lange Jahre gebraucht, um euer zweites richtiges Album fertigzustellen – das ist natürlich eine doomwürdige Geschwindigkeit, aber wie kam es dazu? Was habt ihr die ganze Zeit gemacht?
In den ganzen Jahren haben wir ab und an unser Line-Up verändert, einige Gigs und Mini-Touren veranstaltet. Wir haben außerdem sehr viel Zeit zum Aufnehmen genutzt, oder zum Vorbereiten des Albums, da wir zeitweise kein Studio hatten, und unsere Produzenten waren mit ihren eigenen Projekten beschäftigt. Da es sich dabei um Enslaved handelte, war das keine Überraschung für uns. Nachdem wir ein stabiles Lineup gefunden hatten, brauchten wir auch einige Zeit, um das Material „nachzujustieren“, und um den Neuen Zeit zu lassen, ihm ihren Stempel aufzudrücken.

Seid ihr denn wenigstens mit dem Resultat zufrieden?
Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat. Obwohl die Songs im Zeitraum von ’98 bis ’05 entstanden sind, waren wir in der Lage, sie auf diesem Album zusammenpassen zu lassen, ohne dass sie in Stil und Sound zu unterschiedlich klingen.

Lässt sich euer Schaffen von heute denn noch mit eurem ersten Werk vergleichen, oder könnten die Alben auch von zwei verschiedenen Bands stammen?
Erstmal ist die Musik FAST von zwei verschiedenen Bands gemacht, vielleicht mehr, wegen der Lineup-Wechsel. Nur noch Ripper (Gesang) und ich sind von dem Album übrig. Aber der einzige Unterschied ist aus meiner Sicht, dass wir uns als Musiker entwickelt haben. Wir haben bei einer Gelegenheit einen Song von dem Album live gespielt, und der Song ist heute noch der gleiche, nur mit besserem Sound und etwas tighter gespielt. Wir haben auch die Violinen- und Keyboardparts rausgelassen, um das Album kraftvoller zu machen und mehr Rockfeeling reinzukriegen. Ich würde also sagen, dass sie nicht wie zwei verschiedene Bands klingen, nur wie eine Band in Entwicklung. Eine ganz natürliche Sache…

Wer ist denn die Lady mit dem schönen Stimmchen, die bei „Semper Ardens“ und „The Twilight Enigma“ zu hören ist? Und wer steuert den opernhaften Gesang in ersterem bei?
Die schöne Frauenstimme gehört zu der ebensoschönen Silje Wergeland von der norwegischen Doom/Goth-Band Octavia Sperati. Und die männliche Stimme gehört dem wundervollen Mr. Yoko Homo, von den britischen Punkrockern Murder Mile. Die beiden sind gute Freunde von uns, und es war ganz klar, dass sie was zu unserem Album beisteuern sollten.

Dafür, dass ihr Doom Metal spielt, sind einige Passagen in euren Songs ja doch recht schnell, beispielsweise in „Death Tear“ oder der geniale, galoppierende zweite Teil von „Stigma Diabolikum“. Hältst du einen Kontrast zwischen schnellen und langsamen Parts für wichtig?
Das ist uns sehr wichtig, da wir dazu tendieren, von variationsloser Musik müde zu werden. Ich kann mir vorstellen, dass ein Album ziemlich langweilig ist, wenn es immer das gleiche Tempo oder häufig den gleichen Rhythmus hat. Wir mögen es zu variieren, damit wir nicht müde werden, die Songs live zu spielen, und damit das Publikum verschiedene Tanzbewegungen machen kann. Zu den Heavy-Parts Headbanging zu machen macht Spaß, aber du weißt nie, ob da nicht vielleicht eine hübsche Frau/ein hübscher Mann neben dir steht und dir vielleicht eher nach langsameren Bewegungen ist.

Was ist deine Einstellung zur Religion im Allgemeinen und zur katholischen Kirche im Speziellen? In „Stigma Diabolikum“ geht es ja, wenn ich das richtig verstanden habe, unter anderem um Ketzerverbrennungen.
Ich bin gewissermaßen antireligiös in der Form, dass ich finde, dass Religion etwas für die geistig Schwachen ist, die etwas Größeres brauchen, an das sie sich ranhängen können oder dem sie ihr Unglück anlasten können. Stattdessen glaube ich wirklich, dass wir die Herren unseres eigenen Schicksals sind und die Konsequenzen unserer eigenen Handlungen tragen müssen. Ich finde es ekelhaft, dass die Kirchen gegen die Homo-Ehe, Abtreibung und andere Dinge sind, die sie als anstößig gegenüber ihrer engstirnigen Meinung empfindem. Speziell, wenn du an den ganzen Missbrauch innerhalb der Religionen denkst. Die Typen sind von der übelsten Sorte. Allerdings verurteile ich Leute nicht wegen ihres Glaubens, solange sie mich damit nicht belästigen oder mich verurteilen.
Ja, du hast absolut Recht mit dem Thema des Songs. Die Kirche hat sich zahlreicher junger Frauen entledigt, die sie entweder vergewaltigt oder mit denen sie Verkehr in der einen oder anderen Weise gehabt hatten, damit die Priester nicht gleich dafür zur Hölle fuhren. Besser zu sagen, sie seien Hexen und sie zu verbrennen. Das gleiche gilt für Männer, die in diesen Zeiten einen anderen Glauben als die Kirche hatten. Nach Tagen grausamer Folter gaben sie natürlich zu, mit Satan im Bunde zu sein, damit sie einen schnellen Tod bekamen. Sie wussten aber wohl, dass sie nicht in die Hölle der Kirche kommen würden.

Habt ihr euch beim Cover auch von irgendetwas aus diesem Gebiet inspirieren lassen?
Ja, wir fanden, das Cover passt zum Album, da es etwas mit den Ketzerverbrennungen der Kirche zu tun hat. Wir dachten auch daran, das Album „Stigma Diabolikum“ zu nennen, beließen es am Ende aber bei „Days of Wrath“.

Das Intro von „The firm Grip of Death“ klingt ziemlich nach „Hells Bells“ – Absicht?
Nunja, wenn du Kirchenglocken so benutzt, müssen sie ja wie „Hells Bells“ klingen, aber die Wahrheit ist, dass wir die Stimmung eines Begräbnisses im Nieselregen wollten. Mit dem Trommelmarsch und Siljes Flüstern haben wir die Stimmung gut hinbekommen, denke ich.

Was für Bilder oder Szenen siehst du in deinem Kopf, wenn du eure Musik hörst?
Ich sehe Szenen mit Tod und Verzweiflung. Bilder von Menschen in Agonie und Schmerz, die irgendwie von einer Macht unterdrückt werden, die ihnen gegen ihren Willen aufgedrückt wird. Aber ich sehe auch Hoffnung und den Willen, weiter gegen das zu arbeiten, was auch immer du fühlst, was gegen dich ist.

Denkst du, dass das Heimatland eines Musikers einen nennenswerten Einfluss auf die Art und den Charakter seiner Musik hat?
Für mich hat das damit zu tun, was für Musik du hörst und nicht mit deiner geographischen Herkunft. Aber ich kann mich von Landschaften und Naturereignissen inspirieren lassen. Aber ich denke, am meisten hat das damit zu tun, was für eine Person du bist, und mit deinem eigenen Geist. Aber gleichzeitig reflektiert dein Geist auch oft deine Herkunft und dein Heranwachsen. Ich weiß nicht…

Spielst du gern Billard? Dein Synonm lässt das irgendwie vermuten.
Hehe, ja, ich mag Billard. Aber der Name 8-Ball kommt entweder von meinem Vater oder von Ripper. Sie beide haben mich früher so gerufen, als mein Haar kürzer wurde und am Ende in meinem Kopf verschwand?! Mein kahler Kopf bereitet meinen Freunden viel Spaß. Aber der „8-Ball“ ist ja auch ein Symbol für die letzte Chance und auch für Weisheit. Entscheide du!

Wie sieht es bei euch in Norwegen heute mit der Metalszene aus? Blüht sie noch so wie vor einigen Jahren?
Hier in Norwegen läufts zur Zeit wirklich gut, und die Metalszene hier bringt immernoch neue und großartige Bands hervor. Obwohl ich denke, dass es nicht das Gleiche wie in den frühen Neunzigern sein wird. Aber die Bands, die jetzt kommen, sind wirklich klasse und ich denke, sie haben Bands wie Enslaved, Immortal, Gorgoroth und so weiter viel zu verdanken. Diese Bands waren Pioniere in ihren Genres und haben anderen norwegischen Bands den Pfad zu Aufmerksamkeit aus der ganzen Welt geebnet.

Spürt man bei euch da oben in Norwegen eigentlich auch etwas vom gegenwärtigen Trend zu Metalcore und Emo?
Nicht viel, nein. Vielleicht ein bisschen Metalcore, aber Emo ist spitzenmäßig scheiße, und ich glaube nicht, dass sehr viele das hier in Norwegen spielen. Natürlich kann ich da falschliegen, da ich es nicht höre und willentlich versuche, dem aus dem Weg zu gehen.

Inwieweit lebt ihr eure Musik? Drückt ihr euch durch Kleidung und Lebenshaltung aus?
Wir schlafen nicht in Särgen, haben auch keine Altäre zu Hause um Satan oder dunklen Mächten jedweder Art zu huldigen. Wir tragen normale Jeans und Lederjacken wie der Rest der Bevölkerung. Ok, wir folgen nicht den Mainstream-Trends, weiße Hosen und pinke oder hellblaue Shirts zu tragen. Aber bei allem anderen sind wir ziemlich normal, denke ich. Auch wenn ich eine Jacke mit einem kleinen Venom-Patch darauf habe, und eine Menge T-Shirts und Pullover mit Bandnamen drauf.

Wird man jetzt wieder 14 Jahre auf ein neues Album warten müssen? Ich hoffe mal nicht!
Im Moment kommen wir gut miteinander aus und schreiben Musik zusammen. Es sieht also gerade nicht danach aus als würden wir wieder 9 Jahre bis zum nächsten Album brauchen. Aber natürlich können sich die Dinge ändern und wir uns nächste Woche auflösen… aber das ist nicht sehr wahrscheinlich. Wir schreiben gerade jetzt neuen Kram, und wenn wir denken, dass wir ein Album fertig haben, werden wir ins Studio gehen und aufnehmen. Dann schauen wir, was dabei rauskommt.

Was hältst du von der Aussage „Doom Metal ist der kleine dicke Bruder von Death Metal“?
Die Redewendung ist mir neu, und ich finde sie witzig. Aber nichtsdestotrotz ist das so falsch, wie es nur sein kann. Ich finde es schwer, zwei Genres zu vergleichen, die so unterschiedlich sind. Obwohl viele Doom-Bands zahlreiche Death Metal-Einflüsse haben, denke ich immernoch, dass das zwei komplett verschiedene Sachen sind.

So, fast fertig! Nun hast du die große Ehre, am fantabulösen metal1.Wortspiel teilzunehmen! Sag mir einfach, was dir zu den folgenden Sachen in den Kopf kommt:

Reverend Bizarre: Fantastisches letztes Album! Betrunkene Doom-Meister!
Snooker: Ich liebe es, auch wenn die Spiele ewig dauern. Und es ist der schwierige große Bruder vom Billard (?).
Kirchen: Schöne Gebäude, gebaut mit Geld, Schweiß und Blut armer Leute (die alten zumindest). Die neuen sollten für irgendwas sinnvolles genutzt werden…
Apocalypse now: In den Top Ten meiner Allzeit-Lieblingsfilme.
Fjorde: Schöne Landschaft, aber da wir sie jeden Tag sehen, neigen wir dazu, sie zu vergessen.
Smörrebröd: Etwas zum Essen zwischen den Mahlzeiten. Großartig für einen kleinen Imbiss.
metal1.info: 9/10! Die muss man lieben!

Rolv-Erik, ich danke dir für das Interview und wünsche dir und SYRACH das Beste für die Zukunft! Lasst uns nicht noch mal so lange warten!
Danke, und keine Ursache. Das nächste Album wird vor 2011 rauskommen, versprochen…

Geschrieben am von Metal1.info

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