Interview mit William Ribeiro von The Risen Dread

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„Night Hag“ ist ein finsterer Dämon, der den betroffenen einer Schlafparalyse erscheint und bereits beim Gedanken daran die Nackenhaare aufstellen lässt. Nicht so aber für THE RISEN DREAD, die ihr Debütalbum diesem gruseligen Thema widmeten. Das klingt zunächst wie ein Horrorfilm, ist aber für den darunter leidenden Sänger Marco die pure Realität, wie uns Gitarrist und Interviewpartner William Ribeiro erzählt.

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Ihr habt THE RISEN DREAD 2018 gegründet und euer Debüt „Night Hag“ am 28. Januar veröffentlicht. Wie war es für euch, während der Corona-Pandemie ein Album aufzunehmen?
Es war schwer, aber wir hatten Zeit, um an den Liedern zu arbeiten und ich hatte die meisten Songideen bereits. Wir hatten strenge Vorgaben in Irland, weshalb wir unsere Aufnahmen zwei Mal verschieben und uns letztendlich für ein anderes Studio entscheiden mussten. Ursprünglich wollten wir in Italien aufnehmen, war durch die strengen Reisemaßnahmen aber nicht möglich war, ohne den Termin erneut zu verschieben. Daher haben wir uns entschieden, in Nordirland zu produzieren.

The-Risen-Dread-Delusions-Cover2019 erschien eure EP „Delusions“, worauf nun nach drei Jahren euer Debütalbum folgt. Welche Entwicklungen habt ihr in dieser Zeit gemacht?
Als wir die EP aufgenommen haben, gab es unsere Band gerade mal ein Jahr. Die Songs der EP waren für ein Album geplant, für das wir jedoch noch nicht bereit waren. Wir haben einfach mehr Zeit gebraucht, um zu verstehen, was wir als Band wollen. Das ist eine natürliche Entwicklung, zumindest für uns.

„Night Hag“ ist ein Konzeptalbum über psychische Krankheiten. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und was denkt ihr, macht das menschliche Gehirn so faszinierend?
Die Idee kam uns, als wir über unseren Bandnamen abstimmten. Schon in unserer EP geht es um psychische Krankheiten, die wir im Album aufgreifen und weiterführen. Das menschliche Gehirn ist so unglaublich und gleichzeitig so zerbrechlich. Wie es unsere Emotionen, Taten oder Reaktionen beeinflusst, das ist etwas unglaubliches.

In manchen Songs stehen historische Figuren, die unter psychischen Krankheiten litten, im Fokus. Was kannst du interessantes über die Personen erzählen und warum habt ihr euch für diese entschieden?
Marco schreibt alle Songtexte und er liest viel. Er ist auf die Idee mit Jim Jones gekommen. Jim Jones war ein amerikanischer Prediger, der Menschen 1978 zum Massensuizid brachte. An diesem Tag starben um die 900 Leute. Dieses Event wird als „White Night“ bezeichnet. Deshalb hat unser Song den gleichen Titel. „Lazzaretto“ handelt von der Geschichte über die Insel Poveglia. Dort führte ein Arzt unorthodoxe Behandlungen, wie die Lobotomie, an Patienten durch. In den 1930er Jahren sprang der Arzt aus dem Glockenturm, nachdem er verrückt geworden war. Er sagte, die Geister der Patienten, die er umgebracht hatte, suchten ihn Heim. Die Insel war seit 1776 über 100 Jahre lang eine Quarantänestation, für alle, die an einer Seuche oder anderen Krankheit litten. Dann wurde sie in eine Psychiatrie umfunktioniert.

„Night Hag“ ist der Albumtitel und bezeichnet das Phänomen der Schlafparalyse. Wieso habt ihr euch für diesen Titel entschieden und soll der Dämon im Mittelpunkt der Platte stehen?
Der Dämon „Night Hag“ wird in jedem Titel erwähnt. Er ist immer da. Der Song „Night Hag“ ist persönlich, da unser Sänger darunter leidet. Da wir diese Kreatur in jedem Lied erwähnen, macht es nur Sinn, einen Song sowie das ganze Album danach zu benennen. „Night Hag“ verbindet alles in unserem Konzeptalbum.

The-Risen-Dread-Night-Hag-Cover„Silent Disease“ handelt von Depressionen und Menschen, die vorgeben, ein normales Leben zu führen. Aus welchem Grund habt ihr euch für dieses Thema und die anderen psychischen Krankheiten entschieden?
Depressionen werden oft von Menschen nicht als ernsthafte Krankheit angesehen. Unser Drummer und Bassist haben Depressionen, wenn wir schon über mentale Krankheiten sprechen. Es gibt keinen Grund, weshalb wir nicht über Depressionen sprechen würden. Wir müssen aufstehen und Leuten das Gefühl geben, sich öffnen zu können und zugeben zu können, dass sie es haben. Uns Menschen fällt es oftmals schwer, nach Hilfe zu fragen. „Silent Disease“ und „The Night Hag“ sind die einzigen persönlichen Lieder. Wir sprechen auch PTSD an, das zu Panikattacken führen kann. Wir sprechen auch über das Cotard-Syndrom, aber aus keinem bestimmten Grund.

Ihr habt mit dem italienischen Komponisten Renato Zanuto für „The Night Hag“ zusammengearbeitet. Wie fandet ihr die gemeinsame Arbeit?
Eigentlich ist Renato Brasilianer. (lacht) Es war einfach mit ihm zu arbeiten, immer aufs Ziel gerichtet. „The Night Hag“ sollte komplexer sein, als wir es ursprünglich wollten. Wir haben Renato orchestrale Elemente hinzufügen lassen und lieben das Ergebnis.

Andreas Kisser (Sepultura) ist auf eurer Single „White Night“ zu Gast. Wie kam es dazu?
Grund dafür war Renato Zanuto. Er ist ein Freund von Marco und Andreas. Daher hat er Andreas gefragt, ob er für uns ein Gitarrensolo aufnimmt und der hat zugestimmt. Wir mussten uns nur noch für einen Track entscheiden. Leider hatte Andreas keine Zeit als wir das Album aufnehmen wollten. Aber wir mussten die Aufnahmen aufgrund der Corona-Beschränkungen verschieben und konnten uns zeitlich mit Andreas einigen. Das Gitarrensolo ist sehr persönlich, daher haben wir den Song fertiggestellt und ihn anschließend Andreas zugeschickt.

Wie ist es einen so bekannten Gastmusiker auf dem Debüt zu haben? Wirkt sich das auf eure Bekanntheit aus?
Es bedeutet uns viel. Ich bin auch Brasilianer und kenne Sepultura seit ich 13 war. Andreas hat das beste Gitarrensolo für eine Thrash-Metal-Band geschrieben. Sein Solo in „Desperate Cry“ ist unglaublich. Es hat eine große Wirkung. Wenn man jemand wie Andreas als Gastmusiker hat, hilft das, den Bandnamen bekannter zu machen. Es zeigt, dass THE RISEN DREAD nicht nur zum Spaß dabei sind.

The Risen Dread Bandfoto

Wieso sollte euer Debüt ein Konzeptalbum sein und werdet ihr psychische Krankheiten in Zukunft wieder aufgreifen?
Nachdem wir unseren ersten Song geschrieben haben, stand unser Thema fest. Da machte es nur Sinn, daraus ein Konzeptalbum zu machen. Besonders da wir „Night Hag“ seit unserer EP in jedem Titel erwähnen. Es ist schwer zu sagen, ob wir in Zukunft über das gleiche schreiben werden. Dafür ist es noch zu früh. Das werden wir sehen, wenn wir neue Songtexte schreiben.

Warum war Produzent Josh Robinson und das JSR Studio in Belfast die richtige Entscheidung, um euer Album aufzunehmen?
Unser Plan war es, in Italien aufzunehmen. Das ging wegen den Corona-Beschränkungen nicht. Also wollten wir mit jemandem arbeiten, der uns pusht, für das bestmögliche Ergebnis. Josh ist der Name in Irland. Wir wollten niemanden, der nur Platten presst. Es sollte jemand sein, der uns hilft, das bestmögliche Album zu produzieren. Dazu gehören auch Mixen und Mastern.

„Night Hag“ ist erst der Anfang eurer Karriere. Welche Ziele habt ihr euch für die Zukunft gesetzt?
Wir denken noch nicht an das nächste Album. Wir begleiten Vader und Marduk auf ihrer „United Titans Tour“ in Europa und Großbritannien. Außerdem planen wir unsere eigene Tour zum Ende des Sommers. Mal sehen was dann kommt, aber wir wollen so viele Gigs wie möglich spielen. Ich habe kein bestimmtes Festival auf dem ich spielen will. Ich spiele auf jedem, wenn ihr mich nur anruft. (lacht)

Vielen Dank für das Interview. Kommen wir zum Abschluss zu unserem traditionellen Brainstorming. Was fällt dir zu folgenden Begriffen zuerst ein?
Aktuelles Lieblingsalbum: „Imaginations From The Other Side“ von Blind Guardian
Pandemie: Hat alles richtig versaut.
Krankheiten: Egal welche, denkt immer daran: Ihr seid nicht allein!!!
Konzeptalbum: Ein guter Weg, um eine Geschichte zu erzählen.
Etwas, das einen schlechten Tag besser macht: Meine Familie.
THE RISEN DREAD in 10 Jahren: Ich weiß es nicht. Headliner auf einem Festival.

Nochmals vielen Dank für deine Zeit! Die letzten Worte gehören dir.
Vielen Dank, THE RISEN DREAD vorzustellen. Ich hoffe, Euch bald auf Konzerten zu sehen. Bleibt dran und bleibt gesund.

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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