Konzertbericht: Biffy Clyro w/ Frank Carter And The Rattlesnakes

03.02.2017 Porsche-Arena, Stuttgart


BIFFY CLYRO dürften den meisten schon seit längerem ein Begriff sein, doch die Erfolgswelle, auf der das schottische Trio gerade reitet, ist schon beeindruckend. So folgen auf die letztjährige Tour durch die größten deutschen Hallen nun einige Zusatzkonzerte, ehe man im Sommer das englische Download-Festival headlinen darf. Im Fahrwasser der Band schwimmen am heutigen Abend die ebenfalls recht erfolgreichen FRANK CARTER AND THE RATTLESNAKES mit.

Diese eröffnen den Abend mit rund 40 Minuten ihrer so eigenwilligen wie fesselnden Mischung aus Punk, Hardcore, Rock und Indie. Mit einem rohen, ungestümen Sound bedacht, knallt die Bass Drum hart aus den Boxen und bietet in Kombination mit den satten Riffs einen wunderbaren Teppich, auf dem sich der Maestro mit wildem Gebrüll und solidem Klargesang austoben kann. Denn bei aller Kollegialität liegt der Fokus bei FRANK CARTER AND THE RATTLESANKES klar auf dem Frontmann, dessen Performance allein auch problemlos durch einen Auftritt tragen kann. Frank ist offensichtlich gut drauf, scherzt, widmet seiner Tochter und seiner (anwesenden) Frau Songs, bedankt sich auf ehrliche Art und Weise bei den Fans für den Support und singt dann sogar ein Lied für US-Präsident Trump – „I Hate You“. Die Fans verwandeln die Vorlage und schreien den Chorus durch die Porsche-Arena: „I hate you and I wish you would die“. Rundum gelungener Auftritt, der Lust auf mehr macht.

  1. Snake Eyes
  2. Fangs
  3. God Is My Friend
  4. Lullaby
  5. Wild Flowers
  6. Devil Inside Me
  7. Vampires
  8. I Hate You

Und es gibt mehr. Viel mehr. Denn BIFFY CLYRO sind bekanntlich auch keine Kinder von Traurigkeit, selbst wenn heute noch knapp 1300 Sitzplätze frei sind – der Innenraum ist ausverkauft und die Schotten bringen ihn zum Kochen. Dazu brauchen sie auch nicht wirklich lange, ein gesungener Ton reicht bereits, um die Fans ausrasten zu lassen. Denn besagter Ton markiert den Beginn von „Wolves Of Winter“, dem vielleicht größten Hit der Band – lässige Variante, eine Show zu eröffnen. Allerdings mangelt es BIFFY CYLRO ja nicht an Hits wie „Bubbles“, „Re-arrange“ oder „Animal Style“ und „Many Of Horror“, die sich dementsprechend auch massenhaft in der Setlist finden. Dabei variiert die Band immer wieder geschickt das Tempo der aufeinanderfolgenden Songs, sodass sich krachende Rocknummern („Mountains“) mit gefühlvoll-ruhigen Momenten („Medicine“) abwechseln. Zudem verstehen es BIFFY CLYRO meisterhaft innerhalb ihrer Lieder Spannung aufzubauen, die sich dann in heftigen Rock-Ausbrüchen gewittergleich entlädt, was in Verbindung mit dem massiv lauten, aber trotzdem klaren Sound heute ein beindruckendes Erlebnis ist. Nach knapp zwei Stunden ohne viel Aufhebens, aber mit umso mehr Musik verlassen die Schotten ein letztes Mal die Bühne, begleitet vom donnernden Applaus ihrer Fans.

  1. Wolves Of Winter
  2. Living Is A Problem Because Everything Dies
  3. Sounds Like Balloons
  4. Biblical
  5. Victory Over the Sun
  6. On A Bang
  7. God & Satan
  8. Bubbles
  9. 57
  10. Friends And Enemies
  11. Black Chandelier
  12. The Captain
  13. Re-Arrange
  14. Howl
  15. Medicine
  16. Glitter And Trauma
  17. Mountains
  18. In The Name Of The Wee Man
  19. Flammable
  20. That Golden Rule
  21. Many Of Horror
  22. ———

  23. Machines
  24. Animal Style
  25. Stingin‘ Belle

Zwei Bands in Topform, eine bewusst kantig und unbequem, eine deutlich zugänglicher, beide großartig. So lässt sich der gemeinsame Abend mit BIFFY CLYRO und FRANK CARTER AND THE RATTLESNAKES treffend zusammenfassen. Das macht nicht nur Lust auf mehr, sondern bestärkt auch in der Annahme, dass beiden Bands die Welt offen steht – was will man mehr?

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Fotos von: Christoph Emmrich

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