CD-Review: A Stick And A Stone - The Long Lost Art Of Getting Lost

Besetzung

Elliot Harvy – Gesang, Bass

Gastmusiker:
Danni Eppihimer – Schlagzeug (Tracks 02, 05, 06, 07)
Geoff Thomas – Schlagzeug (Track 04)
Myles Donovan – Geige, Harfe (Track 04)
Brenna Sahatjian – Cello (Track 07)
Mikhail Thelhov – Cello (Track 04)
Todd Dickerson – Noise (Tracks 01, 02, 03)
Geoff Schlemm – Noise (Track (04)

Tracklist

01. Erosion
02. Arrow
03. Prescription
04. Spider Bite
05. Hawk
06. Willow
07. Return


Irgendwie scheinen E-Gitarren in der avantgardistischen Musikszene derzeit nicht allzu hoch im Kurs zu stehen. Während etwa bei Botanist die Hackbretter und bei Völur die stark verzerrten Streicher und der Bass den bewussten Mangel an Sechssaitern kompensieren, sieht A STICK AND A STONE offenbar gar keine Notwendigkeit darin, überhaupt einen Ausgleich zu schaffen. Bei der Kreation seines „Ethereal Experimental Doom“ konzentriert sich der amerikanische Transgender Elliot Harvey nämlich voll und ganz auf Gesang und Bass, ohne letzteren einfach wie eine Gitarre klingen zu lassen. Damit hat es sich aber doch nicht ganz, denn „The Long Lost Art Of Getting Lost“, das dritte Album seines Soloprojekts, kann zusätzlich mit einigen interessanten Gastbeiträgen aufwarten.

Die eigens gewählte Genre-Fiktion und das malerisch verträumte Artwork mögen sphärische, vielleicht sogar post-rockig angehauchte Klänge ankündigen. Tatsächlich hat A STICK AND A STONE jedoch nicht viel mit dieser Assoziation zu tun. In Wahrheit klingt das Ergebnis um einiges greifbarer, erdiger und – bei einem solch ungewöhnlichen Soloprojekt nicht verwunderlich – wesentlich persönlicher, verletzlicher, als möglicherweise angenommen.

Allen Beigaben der Sessionmusiker zum Trotz (und derer gibt es auf „The Long Lost Art Of Getting Lost“ gewiss nicht zu wenige) steht bei A STICK AND A STONE die Gefühlswelt von Mastermind Elliot ganz klar im Mittelpunkt des musikalischen Ausdrucks. Mit seiner zerbrechlichen, ausgezehrten und androgynen Stimme wie auch mit seinem warmen und doch schwer trübsinnigen Spiel am Tieftöner gibt uns der Einzelmusiker intime Einblicke in sein leidgeplagtes Seelenleben („Prescription“). Bei einer solchen Introspektion fällt es natürlich nicht immer leicht, gelassen zu bleiben, sodass die zumeist bittersüß seufzenden Streicher („Hawk“) auch schon mal bedrohlich zu zittern anfangen und der Bass mit einer fetten Portion Distortion in Aufruhr versetzt wird („Arrow“).

Dennoch sind die Kompositionen bei A STICK AND A STONE überwiegend betont minimalistisch und schleppend gehalten, was sich vor allem in den repetitiven, aber durchaus kreativen Drums niederschlägt. Damit wären wir auch schon an dem Knackpunkt angelangt, an dem sich wohl die Geister scheiden werden. So unfassbar tiefgreifend und aufrichtig die Songs, die A STICK AND A STONE geschaffen hat, auch sind, so schwach sind ihre Widerhaken. Die Arrangements wie auch das Klanggewand sind derart reduziert und kraftlos, dass die Tracks nicht immer den großen emotionalen Effekt haben, den man erwarten würde.

„The Long Lost Art Of Getting Lost“ ist auf seine Weise äußerst faszinierend und gefühlsgeladen, ein bemerkenswert authentisches Stück Tonkunst, das beispielsweise Fans von Amber Asylum und Chelsea Wolfe sicherlich ansprechen wird. Bezüglich der Umsetzung hat sich A STICK AND A STONE jedoch so manchen Schwachpunkt zu Schulden kommen lassen, wodurch die Songs oft nur passagenweise ihr volles Potential enthüllen. Das Album macht einen etwas zu kleinlauten Eindruck und selbst nach mehreren Durchläufen setzen sich lediglich vereinzelte Abschnitte im Langzeitgedächtnis fest. Das ist natürlich mehr als schade, insgesamt lohnt es aber dennoch, sich mit der Platte auseinanderzusetzen, denn sie kommt merklich von Herzen.

Bewertung: 6.5 / 10

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