CD-Review: A Storm Of Light - Anthroscene

Besetzung

Josh Graham - Gesang, Gitarre, Keyboards
Dan Hawkins - Gitarre, Keyboards
Dominic Seita - Bass
Chris Common - Schlagzeug

Tracklist

01. Prime Time
02. Blackout
03. Short Term Feedback
04. Life Will Be Violent
05. Slow Motion Apocalypse
06. Dim
07. Laser Fire Forget
08. Rosebud


Obwohl das letzte A STORM OF LIGHT-Album bereits vor fünf Jahren veröffentlicht wurde, war Josh Graham (Ex-Neurosis, ehemals verantwortlich für jegliche visuelle Komponente wie Artworks und Visuals der Sludge-Institution) keineswegs untätig. So gehen neben diversen Cover-Designs (u.a. für Wolfmother oder die Soundgarden-Rereleases von „Badmotorfinger“ und „Superunknown“) auch Licht- und Visualkonzepte (u.a. für die Live-Auftritte von Florence And The Machine, Sleep oder auch Jay-Z) auf sein Konto. Musikalisch war es in den letzten Jahren allerdings ruhiger um den US-Amerikaner – wobei aber spätestens bei der Textzeile „What The Fuck Is Wrong With Us? America Is Sick“ im Song „Blackout“ klar sein dürfte, dass sich einiges an Wut und Frustration in ihm angestaut haben muss.

„Die Texte auf „Anthroscene“ sind meine ehrliche Reaktion auf all das, was in der Welt aktuell passiert“, erklärt Graham und verweist auf den politischen Rechtsruck in einigen europäischen Ländern und natürlich den amerikanischen Präsidenten: „Trump, der vielleicht dümmste Präsident in der Geschichte, verbreitet Angst und Hass und wettert gleichzeitig sowohl gegen die Wissenschaft als auch gegen die Umwelt. Das ist irgendwie beschissen surreal.“ Mit diesen Gedanken scheint er nicht alleine zu sein: wenn Trumps Präsidentschaft schon sonst nichts Gutes hervorgebracht hat, so hat sie doch wenigstens für das eine oder andere bemerkenswerte Release von diversen Bands wie den Prophets Of Rage oder auch Ministry gesorgt.

Und an letztere erinnern A STORM OF LIGHT auf „Anthroscene“ auch gerne mal: sei es das doch im klassischen Sinne recht metallische Riffing oder die Art, wie Graham seine Stimme in manchen Tracks entfremdet, gar verzerrt. Auch Prongs „Rude Awakening“-Album kommt einem ab und an in den Sinn, obwohl das Schlagzeugspiel komplexer und verschachtelter als auf Prongs eher maschinell-straight gehaltenem Album daherkommt: Chris Commons Drumming besticht durch sehr viele Akzente und ausgeprägten Tom-Einsatz. Der gute Mann prügelt seinem Set regelrecht die Seele aus dem Leib, während Bassist Domenic Seita seinen Bass in bester Godflesh-Tradition knurren lässt… die Rhythmusgruppe weiß also zu gefallen, beide Daumen hoch. Wenn die Gitarren mal nicht bretthart sind und der Frontmann einen Hauch von Melodie in seine Stimme packt, bekommt das Album auch durch die immer wieder auftauchenden elektronischen Elemente und Synthesizerparts von Dan Hawkins und Graham selbst ein bisschen Killing Joke-Charakter.

Alles in allem eine verdammt gute Mischung, die auf „Anthroscene“ geboten wird: die Entwicklung, die sich auf dem noch etwas gleichförmig geratenen Vorgänger „Nations To Flames“ abgezeichnet hat, wird konsequent fortgesetzt und in Sachen Abwechslung und Atmosphäre ist sogar noch eine definitive Steigerung spürbar. A STORM OF LIGHT sind nicht mehr die Neurosis– oder Isis-artige Post-Metal-Band, die sie auf ihren ersten drei Alben waren. Aber sie verleugnen diese Wurzeln auch nicht, sondern fügen ihren Kompositionen elegant neue Elemente hinzu. So ist dieses großartige Album eine sehr moderne Variante des seit einigen Jahren recht populären Post-Metal-Themas, die sich anderen, genrefremden Einflüssen gegenüber nicht verschließt und bei der die emotionale Komponente nicht zu kurz kommt. Denn „Anthroscene“ ist eine politische Protestplatte, wütend, hart und kalt, allerdings ohne den Zuhörer völlig hoffnungslos in der Dunkelheit zurückzulassen. Das stylische Artwork von Graham unterstreicht diesen Anspruch: Einige der Aufnahmen aus dem Booklet, die zerstörte Stadtteile zeigen, stammen aus Kiew und Graham hat sie nach den Demonstrationen in der ukrainischen Hauptstadt 2014, als A STORM OF LIGHT dort auf Tour waren, selbst geschossen. Das Cover wiederum zeigt eine Frau in schwerer militärischer Panzerung… und auf ihrer Hand eine weiße Taube. Vielleicht stirbt die Hoffnung ja doch zuletzt.

Bewertung: 9 / 10

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