CD-Review: Aetherian - The Untamed Wilderness

Besetzung

Panos Leakos – Gesang, Bass
Angelos Maniatakos – Gitarre
Giorgos Evgeniadis – Gitarre
Nikos Parotidis – Schlagzeug

Gastmusiker:
Haris Pazaroulas – Double-Bass (Tracks 01, 07 & 08)

Tracklist

01. Wish Of Autumn Twilight
02. Dark Earth
03. As The Veil Fades
04. Black Sails
05. Seeds Of Deception
06. Shade Of The Sun
07. Clouds Gathering
08. The Rain
09. The Path


Melodic Death Metal ist nicht gleich Melodic Death Metal – neben der klassischen, von In Flames, Dark Tranquillity & Co gegründeten Göteborger Schule haben vor allem die finnische und die amerikanische Szene jeweils einen ganz eigenen Stil entwickelt, der sich deutlich von den anderen abgrenzt. In Griechenland konnte das Genre bisher hingegen noch nicht in solchem Ausmaß Fuß fassen, dass sich ein typisch hellenischer Stil herauskristallisiert hätte. Daran werden wohl auch AETHERIAN vorerst nicht viel ändern: Für sein Debüt „The Untamed Wilderness“ hat sich das Quartett ganz klar den skandinavischen Melo-Death zum Vorbild genommen. Mit Originalität können AETHERIAN dementsprechend zwar nicht punkten, doch auch ein gekonnt ausgeführtes Oldschool-Album kann mitunter noch für die eine oder andere Überraschung gut sein.

Obwohl sich AETHERIAN in ihren Songs über weite Strecken an der charakteristischen Schwedentod-Melodik anlehnen, klingen die Stücke keineswegs altbacken. Produktionstechnisch entspricht „The Untamed Wilderness“ mit seinem durchdringenden und zugleich abgerundeten Klang modernen Metal-Standards, ohne jedoch mit einem übertrieben sterilen Sound zu nerven. Die geschmeidigen Akustikgitarren und die verträumten, unverzerrten Saitentöne („Dark Earth“), welche die Griechen auf „The Untamed Wilderness“ hin und wieder erklingen lassen, wären zwar an sich schon in den 90ern nicht mehr bahnbrechend gewesen, sorgen hier allerdings trotzdem für eine erfrischende Abwechslung.

Die Basis der knapp einstündigen Platte bilden nichtsdestotrotz die Growls, die melodiösen Gitarren-Leads und das treibende Drumming. Mit dieser Kombination fahren AETHERIAN auf ihrem Debüt größtenteils ziemlich gut, die Arrangements warten auch ohne besondere Zusätze mit ausreichendem Abwechslungsreichtum auf und manche der packenderen Melodien könnten tatsächlich auch von den ganz Großen des Genres stammen („Seeds Of Deception“). Das Know-how und die spielerischen Fertigkeiten, die ein gelungenes Melo-Death-Album erfordert, bringen die Griechen auf alle Fälle mit sich.

Woran es AETHERIAN allerdings offenbar noch fehlt, ist das Gespür für sinnvolle Songstrukturen. Als könnten es die vier Nachwuchsmusiker gar nicht erwarten, den Zuhörern all ihre verschiedenen Einfälle zu präsentieren, gehen die Wechsel zwischen den unterschiedlichen Instrumenten, Tempi und Rhythmen oft viel zu abrupt und dadurch recht unbeholfen vonstatten. Ein Beispiel dafür ist etwa der plötzliche Akustik-Break auf „Dark Earth“, der ebenso schnell endet, wie er beginnt, ohne einen erkennbaren Zweck zu erfüllen. Dass Panos Leakos‘ tiefe Growls unangenehm gezwungen hervorgepresst klingen und der Großteil der Tracks keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, wirkt sich ebenfalls nicht besonders förderlich auf das Album als Ganzes aus.

Im Hinblick darauf, dass AETHERIAN hiermit gerade mal ihr Debüt vorgelegt haben, ist „The Untamed Wilderness“ ein durchaus respektables Album. In puncto Performance und Tonqualität agiert die noch junge Band bereits auf bemerkenswert professionellem Niveau und vereinzelt lassen sich in den Kompositionen sogar ein paar Geistesblitze ausmachen, auf die auch erfahrenere Bands stolz sein dürften. Das noch nicht ganz ausgereifte Songwriting und der zu eintönige, technisch dürftige Gesang legen allerdings nahe, dass AETHERIAN noch nicht ganz auf dem qualitativen Level angekommen sind, das sie mit ein wenig mehr Feinschliff erreichen könnten. Schlussendlich ist „The Untamed Wilderness“ eine zumindest teilweise hörenswerte Veröffentlichung geworden.

Bewertung: 6 / 10

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1 Kommentar zu “Aetherian – The Untamed Wilderness”

  1. Doro

    Danke für die Review und Erinnerung an diese Veröffentlichung. Gerade nochmal reingehört, klingt gut, aber noch sehr stark an Insomnium und Be’lakor angelehnt. Vielleicht können sie sich mit der nächsten Platte davon etwas absetzen, dann kann das was echt eigenständig Gutes werden.

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