CD-Review: Bohren & Der Club Of Gore - Dolores

Besetzung

Morten Gass - Bass, Orgel, Vocoder, Synthesizer
Robin Rodenberg - Bass
Thorsten Benning - Schlagzeug
Christoph Clöser - Fender Rhodes, Vibraphon, Tenor- und Bartionsaxophon

Tracklist

01. Staub
02. Karin
03. Schwarze Biene (Black Maja)
04. Unkerich
05. Still Am Tresen
06. Welk
07. Von Schnäbeln
08. Orgelblut
09. Faul
10. Welten


(Ambient / Doom / Jazz) Ich sprach es hin und wieder schon mal an, die Entwicklung von metallischen Bands hin zu anderen Genres (ob innerhalb des Großbereichs „Metal“ oder sonstwo hin) ist oft eine recht interessante Sache, denn da kann man mal sehen, wie kosmopolitisch (in musikalischer Hinsicht) eine Band doch ist, wie gut sie mit anderen Genres zurecht kommt. Ganz besonders interessant ist es meiner Meinung nach eben, wenn’s um Bands geht, die aus dem eher extrem-metallischen Sektor kommen und dann etwas ganz anderes machen, wie Anaal Nathrakhs Mick Kenney mit seinem Project Professor Fate, oder Pulsefear, das Nebenprojekt der The Axis Of Perdition Jungs (wobei das ja noch relativ dicht an ihrem eigentlichen Schaffen ist). Das Kammerspiel, das neoklassische Projekt von Sturm deiner Winter von den Grabnebelfürsten versuch ich auch seit Ewigkeiten mal in die Finger zu kriegen und reinzuhören. Aber es gibt wohl nur wenige Bands bzw. Personen, die diese Sache so ernst angehen, wie BOHREN & DER CLUB OF GORE.

Gegründet Ende der 1980er Jahre als junge, dynamische Band irgendwo in der Schnittmenge aus Hardcore und Doom Metal jazzt der Vierer eigentlich schon seit seiner ersten Langrille in der Gegend herum, anfänglich – so weit ich hörte – noch mit metallischen Anleihen, mittlerweile relativ reinblütig. Ich muss sagen, ich kenn mich mit der Band jetzt nicht so sehr aus, ich hörte hin und wieder mal auf Myspace in ein paar Songs rein, das was mir da von „Geisterfaust“ geboten wurde, gefiel mir ganz gut, aber die CDs waren mir über eBay oder Amazon immer zu teuer, dann kam es aber irgendwann so, dass ich im Saturn stand, noch etwas zu viel Geld in der Tasche hatte (kennt man ja, das wird ja schlecht, wenn man’s zu lang aufhebt…) und auf das mittlerweile keine Ahnung wievielte Album der Knaben, „Dolores“, stieß. „Wieso also nicht mitnehmen?“, fragte ich mich. Und ehe ich’s mich versah war heute morgen und die Tatsache, dass ich diese CD in meinem Regal fand, heißt wohl, dass ich sie gekauft habe…

Und bereut hab ich’s nicht. Ich bin jetzt zwar auch kein besonders großer Jazz-Kenner, aber ich wage mal zu behaupten, dass BOHREN UND DER CLUB OF GORE auf dieser mit einem sehr stimmungsvollen Cover versehenen Scheib (die übrigens im edlen Digipack kommt) ihre Sache verflucht gut machen. Dabei machen sie eigentlich gar nicht mal so viel. Der Sound, der hier aufgefahren wird, ist denkbar minimalistisch. Die meiste Zeit über hört man eigentlich nur das sehr langsam daher bollernde Schlagzeug (das einen extrem fetten Sound verpasst bekommen hat, die Snare klingt wirklich zum Verlieben) und dazu Basstöne, manchmal ein Saxo- oder Xylophon, Orgeln, Synthesizer, was weiß ich, aber nie zu viel davon auf einmal. Ganz im Gegenteil, die Downtempo-lastigen (also doch noch irgendwo Doom Metal Anleihen, hehe) Soundlandschaften sind zwar sehr karg besetzt, aber irgendwie nie leer, immer dringt irgend etwas durch die Boxen, seien es sanfte Akkordmuster im Hintergrund oder der sehnsuchtsvolle Nachhall des wuchtigen Schlagzeugs…

Sehnsuchtsvoller Nachhall ist übrigens auch ein verdammt gutes Stichwort, denn die Songs auf „Dolores“ haben eine extrem eindringliche, melancholische Grundstimmung. Man könnte es schon fast Nostalgie nennen, oder eben unstillbares Verlangen, das ich mit diesen Musikkonstruktionen verbinde, es hat was von den Motten, die sich zum unerreichbaren Licht hingezogen fühlen, auch sehr passend dazu das Coverartwork. Sowieso erscheint die CD mir in dieser Hinsicht wie ein großartiges Gesamtkonzept, denn hier passt das Coverartwork zur Musik und die passt wiederum irgendwie zu vielen der Titel, die in der Trackliste aufgeführt werden (nicht zu allen). „Staub“, „Still am Tresen“, „Welk“, das sind irgendwie Worte, die die Musik verdammt gut beschreiben und exzellent zu ihr passen, obwohl den direkten Zusammenhang zwischen Musik und Titeln wohl für jeden, der nicht Mitglied der Band ist, ein Ding der Unmöglichkeit sein dürfte…

Mit dem Wort „Gesamtkonzept“ kommt aber auch das große Problem der CD. Sie ist zu gleichförmig, zu homogen. Hier klingt alles wie aus einem Guss, Höhepunkte sucht man vergeblich (was aber nicht so schlimm ist, da sich hier eigentlich alles auf einem extrem hohen Niveau bewegt, oder eben halt aufgrund des Tempos nicht bewegt, hehe) und allein anhand des Hörens der CD den Überblick darüber zu behalten, bei welchem Track man ist, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. „Dolores“ ist keine CD zum kennen lernen, ich zweifle sogar irgendwie daran, dass die Band selbst diese Musik noch mal genau so wiedergeben könnte. Die Scheibe hat ihre signifikanten Momente (das Saxophon bei „Unkerich“ zum Beispiel, aber das kann ich jetzt nur sagen, weil ich gerade auf die gespielte Nummer und dann auf die Hülle geschaut hab), aber abgesehen davon ist sie nichts, was man irgendwann auswendig kennen wird (außer man investiert verdammt viel Zeit da rein). Einfach einlegen, auf Play drücken, entspannen, treiben lassen, nicht mehr weiter darüber nachdenken, was man da eigentlich hört, fertig. Funktioniert großartig.

Bewertung: 9 / 10

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