CD-Review: Cryptopsy - And Then You'll Beg

Besetzung

Mike DiSalvo – Gesang
Jon Levasseur – Gitarre
Alex Auburn – Gitarre, Gesang
Eric Langlois – Bass
Flo Mounier – Schlagzeug, Gesang

Tracklist

01. …And Then It Passes
02. We Bleed
03. Voice Of Unreason
04. My Prodigal Sun
05. Shroud
06. Soar And Envision Sore Vision
07. Equivalent Equilibrium
08. Back To The Worms
09. Screams Go Unheard


Diese verrückten Kanadier sind mittlerweile zu einer echten Institution im Death Metal geworden. Und das trotz zugegebenermaßen nicht einfachen Releases, die absolut nichts mit leichtverdaulichem Mainstream Metal oder auch Melodic Death zu tun haben. Mitte der Neunziger schlug ihr Album „None So Vile“ ein wie eine Bombe und nach „Whisper Supremacy“ ist 2000 endlich der vierte Longplayer erschienen. Das Artwork ist in Verbindung mit dem Albumtitel schon mal genial und genauso einfach. Man sieht einen Mann, der in einer trostlosen Landschaft an Zugschienen angekettet ist und einen Schnellzug, der ungebremst auf ihn zurast. Das nenne ich mal ein kreatives Cover, welches zeigt, dass nicht immer Splatter und nackte Frauen, sowie Pentagramme und Feuer nötig sind. Doch nun zur Musik.

Ein Zug peitscht heran, eine tiefe Männerstimme fragt: “Do you hear that? That is the sound of inevitability.” Und ab geht die Post. Anfangs scheint das totale Chaos zu herrschen, ein Riff nach dem anderen, alle fünf Sekunden ein Break und Mike DiSalvo bellt dazu wie ein Straßenköter. Dass Flo Mournier sein Kit aufs übelste malträtiert ist selbstverständlich. Und dieser Eindruck ändert sich auch die ersten zwei Minuten nicht. Doch dann beginnt man sich an den eigenwilligen Sound des Fünfers zu gewöhnen, was aber auch daran liegen könnte, dass jetzt nur noch alle zwanzig Sekunden ein Break gespielt wird. Ja, man versucht gar dazu zu bangen, was aufgrund des hohen Tempos aber in vereinzelten Fällen auch zum Genickbruch führen kann. Nach vier Minuten bekommt man ein kurzes und ebenso wirres Solo serviert und eine Minute später ist alles schon wieder vorbei. Wenn man nicht auf diesen Sturm gefasst war, fühlt man sich wohl wirklich wie von einem Zug überrollt. Doch Cryptopsy machen keinen Halt und haben kein Erbarmen, mit „We Bleed“ blasen sie dem Hörer den nächsten, diesmal sechsminütigen Batzen durch die Gehörgänge. Dieser Song ist dem ersten nicht unähnlich, außer dass sich hierzu vereinzelt wirklich dazu bangen lässt.

So in etwa ist jedes der neun Stücke zu beschreiben, das eine ist etwas länger, das andere kurzer, das eine hat etwas mehr Wiedererkennungswert, das andere weniger, jedoch haben sie alle etwas gemeinsam. Sobald wieder Ruhe eingekehrt ist, kann man sich nicht an einzelne Riffs zurückerinnern, sondern nur an neun Songmonster. Während bei anderen Bands ein Song auf einer Melodie aufgebaut wird und das auch den Song ausmacht, geben sich die Kanadier mit diesem herkömmlichen Songwriting gar nicht (mehr) ab. Hier werden in jedem Lied unzählige Riffs verbraten und die Breaks machen es fast es unmöglich, mehr als ein paar Sekunden in dem selben Takt zu bangen, was aktives Hören natürlich voraussetzt. Und dann kommen aus dem Nichts plötzlich diese großartigen Melodien, welche dann wieder genau so schnell verschwunden sind.

Ich habe mir diese Scheibe bereits oft angehört, aber ich könnte noch immer nicht ein einziges Stück vorsummen oder es an den verschieden Riffs erkennen. Somit ist die Klientel für Cryptopsy schnell festgelegt, wem Morbid Angel, Death oder Deicide zu straight sind und sich nicht für sänftere progressive Klänge interessiert, dem dürfte dieses Quintett eine Offenbarung sein.

Bewertung: 7.5 / 10

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