CD-Review: Dark Funeral - Where Shadows Forever Reign

Besetzung

Heljarmadr - Gesang
Lord Ahriman - Gitarre, Bass
Chaq Mol - Gitarre
Dominator - Schlagzeug

Tracklist

1. Unchain My Soul
2. As One We Shall Conquer
3. Beast Above Man
4. As I Ascend
5. Temple Of Ahriman
6. The Eternal Eclipse
7. To Carve Another Wound
8. Nail Them To The Cross
9. Where Shadows Forever Reign


Bereits mit ihrem Erstling „The Secrets Of The Black Arts“, welches dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert, avancierten die Black Metaller von DARK FUNERAL zu einer erstzunehmenden Größe, die ihren Ruf zwar seitdem mit vier Folgealben festigen konnte, aber ihre Fans zuweilen an der langen Leine verhungern ließen; sowohl zwischen „Diabolis Interium“ (2001) und „Attera Totus Sanctus“ (2005) als auch zwischen diesem Album und dessen Nachfolger „Angelus Exuro pro Eternus“ (2009) lagen jeweils vier lange Jahre des Wartens. Während ihre Landsleute Marduk ab 2001 sieben Alben auf den Markt feuerten, wechselten DARK FUNERAL anscheinend ebenso oft ihr Line Up und ließen sich geschlagene sieben Jahre Zeit, um das heiß erwartete „Where Shadows Forever Reign“ nun endlich präsentieren zu können.

Eingeleitet mit dem stimmigen „Unchain My Soul“ beweisen die Schweden bereits in der ersten Minute, mit welch einer spielerischen Leichtigkeit sie einen atmosphärischen Part in ein kraftvolles Ungeheuer übergehen lassen können; wo andere Bands auf fades Knüppeln setzen, bieten DARK FUNERAL Kompositionen an, die vielschichtiger als eben jenes sind. So besitzt ein Song wie das getragene „As I Ascend“ ebenso die Handschrift von Lord Ahriman und Co. wie die Blastbeat-Abrissbirne „The Eternal Eclipse“ oder das mit eingängigen Drumming versehene „To Carve Another Wound“ – Gefallen an „Where Shadows Forever Reign“ zu finden, fällt nicht schwer. Denn anders als beispielsweise auf Belphegors letztem Album „Conjuring The Dead“ wartet die Platte der Schweden mit einem ausgeglichenem Maß an messerscharf akzentuierter Instrumentalisierung sowie erstaunlicher Eingängigkeit auf; damit stellen DARK FUNERAL gewiss kein Novum, aber einen Superlativ unter ihren Kollegen dar.

Wer noch ihre letzte Scheibe „Angelus Exuro pro Eternus“ im Hinterkopf hat, erinnert sich an die Dynamik, an das durchweg hohe Tempo, mit welchem die Black Metaller durch die neun Tracks galoppierten. Auf „Where Shadows Forever Reign“ glückte es den Schweden, diese geballte Kraft in eine Richtung zu lenken, die aus dem Album einen Hort an charakterstarken, einzeln für sich stehenden Tracks macht. Es gelingt DARK FUNERAL auf ihrem sechsten Album deutlich mehr als nur schnell oder weniger schnell zu spielen; auf „Where Shadows Forever Reign“ bedienen sich die Black Metaller nur noch bei ihrem Corpsepaint an schwarz und weiß, ihrer Musik fügen sie wesentlich mehr Grau-Nuancen hinzu.

Dennoch sei zu bemerken, dass diese Entwicklung gewisse Trademarks der Band verblassen lässt, beziehungsweise diese auch negativer konnotiert werden könnte, nämlich als ein Rückschritt. Hätte ein klassisch unterrichteter Musikliebhaber die Vorgänger als „prestissimo“ (äußerst schnell) bezeichnet, würde er dem aktuellen Output wohl nur noch ein „vivacissimo“ (sehr lebhaft) bescheinigen. Denn fielen DARK FUNERAL zuvor eher durch ihr gehörig flinkes Spiel auf, tritt dieses auf „Where Shadows Forever Reign“ nicht mehr dominant hervor. Gleiches gilt für die eigene Art der Schweden, Melodik zu kreieren; ein Ohrwurm wie „The Arrival of Satan’s Empire“ („Diabolis Interium“) ist auf der neuen Scheibe leider nicht zu finden. Ob das eine Errungenschaft im Zuge einer musikalischen Entwicklung ist oder aber das sträfliche Außenvorlassen eines geschätzten, charakteristischen Merkmals, wird die Geschmäcker an „Where Shadows Forever Reign“ scheiden.

Nicht jedes Comeback-Album entschuldigt adäquat die Wartezeiten, die so mancher Fan auf sich nehmen muss, ehe er zu neuem Material seiner Lieblinge gelangt; Mysticum und Den Saakaldte belegten diese These zuletzt leider eindrucksvoll. Denkbar wäre es, dass sich DARK FUNERAL dieses Fazit auch geduldig anhören müssen – fairerweise muss aber der überraschende Schritt in Richtung Eingängigkeit genannt werden, den die Schweden auf „Where Shadows Forever Reign“ an vielerlei Stellen vollführen. Und der dieses Album im Gegensatz zu „Faen i Helvete“ (2014) nicht zu einer musikalischen Enttäuschung, sondern zu einer kompositorischen Überraschung werden lässt – Hut ab für den Mut hierfür.

Bewertung: 7.5 / 10

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2 Kommentare zu “Dark Funeral – Where Shadows Forever Reign”

  1. Simon Bodesheim

    So, nach dem 5./6. Durchlauf hab ich mich jetzt doch auch noch mit dem Album anfreunden können. Sind schon wirklich starke Songs drauf. Mir fehlen trotzdem viele Dark-Funeral-Trademarks, gerade was die Melodien angeht. Es klingt halt wie ein sehr gutes Black-Metal-Album. Nur halt nicht wie eines von Dark Funeral.
    Für ein Comeback-Album ist’s vollkommen in Ordnung, beim nächsten, das hoffentlich nicht wieder so lange auf sich warten lässt, hätte ich aber gern wieder ein bisschen mehr High-Speed-Geblaste statt Midtempo und mehr Melodien statt Dauer-Akkordgeschraddel. So wie beim Titeltrack, der ist absolut brillant (einer der besten Songs des Jahres). Wobei ich ihre Neuerung, dass sie jetzt auch mal Dur-Akkorde einbauen und dadurch etwas harmonischer klingen, sehr begrüße. Klingt irgendwie zeitgemäßer.

    Der neue Sänger ist übrigens der Hammer. Caligula kann man zwar nicht ersetzen, aber Heljarmadr macht einen ausgezeichneten Job!

    1. Pascal Weber

      Dann gebe ich hier auch nochmal meinen Senf dazu ^^

      Ich finde schon, dass es sehr viele Melodien gibt, die an DF erinnern und entsprechend gut gelungen sind. Man hört der Musik für mein Empfinden einfach an, dass sie, trotz Sängerwechsel, zuvorderst die Handschrift Lord Ahrimans trägt und das ist eine, die für Qualität steht.
      Womit ich dir definitiv recht gebe ist das Tempo. Mir ist das Album unterm Strich auch etwas zu langsam ausgefallen, mehr Up-Tempo hätte vielleicht gut getan. Es fehlt ein wenig die Kraft dahinter, wie sie ältere Werke hatten. Aber für DF bricht nun einfach eine neue Ära an und die Band muss sich nach ihrer langen Studio-Abwesenheit in gewisser Weise erst einmal wieder selbst finden und dazu legen sie denke ich mit dem Album einen guten Start hin, wenngleich ich nicht jeden Song als vollauf gelungen ansehe.

      Mit dem neuen Sänger habe ich so langsam auch meinen Frieden gemacht. Er ist halt kein zweiter Emperor Caligula, aber daran soll es nicht scheitern und er macht seine Sache wirklich ordentlich. Mir fiel auch auf, dass man ihn trotz der Screams teilweise sogar recht deutlich versteht (was aber wiederum auch am eher mäßigen Tempo der Songs liegen könnte ^^)

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