CD-Review: Die Hard - Nihilistic Vision

Besetzung

Hasse – Gitarre, Gesang
Harry – Bass
Håkan – Schlagzeug

Tracklist

01. Into the Desolate Halls of Death
02. Hidden Face
03. Bloody War
04. Nihilistic Vision
05. Fed to the Lions
06. Mercenaries of Hell
07. Ride the Incubus
08. I Am Possessed
09. Attack from the Back
10. Death Chasing the Flock of Mortals


DIE HARD sind mit ihren vier Jahren auf dem Buckel noch eine relativ junge Band, die nun nach der Demo „Emissaries of the Reaper“, dem Mini-Album „Evil Always Return“ und mehreren Besetzungswechseln ihre erste Full Length-Scheibe „Nihilistic Vision“ vorlegt. Wer seine Hausaufgaben gemacht hat, weiß, dass der Name nichts mit Bruce Willis zu tun hat, sondern vielmehr an einen Song von Venom angelehnt ist. Das Trio um Basser Harry, das mit Watain-Drummer Håkan sogar ein nicht ganz unbekanntes Gesicht an Bord hat, sieht sich selbst musikalisch in der Nähe von szeneprägenden Größen wie Possessed, Celtic Frost, den frühen Slayer und eben Venom und das hört man der Platte auch mehr als deutlich an.

Mit klischeetriefenden „Hail Satan“-Rufen schneiden die Jungs aus Schweden die Old School-Torte an und beginnen die vierzigminütige Reise in eine Zeit, in der Kerry King noch Haare auf dem Kopf hatte und viele von uns noch nicht mal da waren, um die Windeln voll zu machen. Wie es sich für den Sound gehört, den die Band vertritt (oder auch kopiert), kommt die Platte dementsprechend roh daher: Das Schlagzeug poltert, die Gitarren dröhnen trocken durch die Boxen und die Produktion wurde mit einer dicken Portion Hall versehen, ohne das Endergebnis dabei verwaschen oder billig klingen zu lassen. Sänger Hasse bellt die Texte stoisch wie eine noch mieser gelaunte Version von Tom Gabriel Fischer, in manchen Refrains dürfen seine beiden Kumpels auch mal ins Mikrofon keifen. Die Songs sind allesamt sehr ähnlich gestrickt: In erster Linie wird unbekümmert drauflos gedroschen, hier und da schleicht sich mal ein Midtempo-Part ein. Wer etwas anderes erwartet hat, der sei nochmals auf die obenstehenden Einflüsse verwiesen.

Zwar geizen DIE HARD innerhalb der einzelnen Songs nicht mit Tempiwechseln und Gitarrensoli, wodurch sie weniger Gefahr laufen, den Hörer zu langweilen, unterm Strich lässt die Abwechslung jedoch schwer zu wünschen übrig. Der ein oder andere Song beginnt sehr interessant, verfällt dann aber in eintöniges Geknüppel, gelegentlich auch mit schwarzmetallischen Auswüchsen. So versprüht die Nummer „I Am Possessed“, die stellenweise an klassischen Metal angelehnt ist, zwar einen rockigen Spirit, die Band verpasst es aber auch hier nicht, auf sehr stumpfe Weise daran zu erinnern, dass man kompromisslosen Thrash Metal spielt. Gut, bei dem Liedtitel ist das schon wieder ein Muss. Im Titeltrack schütteln sich die Schweden dagegen ein paar richtig geile Riffs aus dem Ärmeln und beweisen, dass sie Groove haben und ihr Handwerk verstehen. Nichtsdestoweniger sind es allerdings straighte Dampfwalzen wie „Mercenaries Of Hell“ und „Attack from the Back“, die auf den Punkt bringen, um was es auf „Nihilistic Vision“ geht: Nostalgie pur. Mit dem letzten Track „Death Chasing the Flock of Mortals“ versuchen sich DIE HARD noch an einem längeren Stück, das am Anfang durch das Riffing und den prominenten Bass ziemlich stark an Metallicas “For Whom The Bell Tolls” denken lässt. Nach 90 Sekunden ist aber auch wieder Schluss mit lustig und der Dreier holzt sich bis zu einem Refrain durch, der wiederum unweigerlich Kreators „Tormentor“ ins Gedächtnis ruft. Die ganze Prozedur zweimal hintereinander, zwischenrein noch ein Gitarrensolo und schon hat man die acht Minuten voll – na ja.

DIE HARD präsentieren sich auf ihrem ersten Longplayer als weitestgehend innovationsresistente Band in klassischer Venom/Possessed-Manier, die sich mit romantisch verklärtem Charme auf vergangene Zeiten rückbesinnt. Bei aller Kritik bezüglich Eintönigkeit und nicht vorhandener Einständigkeit muss man dem Trio zugutehalten, dass es seine Old School-Attitüde konsequent durchzieht und sich zu keiner Minute vom Zeitgeist beeinflussen lässt. Dass man damit heutzutage lediglich ein Nischenpublikum vor dem Ofen hervorlocken kann, ist der Band wohl selbst am klarsten. Was am Ende übrig bleibt, ist eine nette 80er-Hommage, die ich vornehmlich – man verzeihe mir das Wortspiel – Die-hard-Fans der alten Schule ans Herz lege.

Bewertung: 6 / 10

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