Review Fäulnis – Cholerik – Eine Aufarbeitung² (Re-Release)

  • Label: Eisenwald
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

(Aran plays) LUNAR AURORA sorgen auf Festivals für Begeisterung. SECRETS OF THE MOON sind (zumindest für einige „Antithesis“-Shows) aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Sogar die GRABNEBELFÜRSTEN haben wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben. Man könnte fast glauben, die Revival-Welle habe den deutschen Black Metal erfasst. Und ausgerechnet jetzt veröffentlichen die offiziell aufgelösten FÄULNIS ihr im Underground gewissermaßen legendäres Demo (mitsamt dazu passendem Merchandise) neu.

Was das im Großen zu bedeuten hat, muss die Zeit zeigen – im Kleinen bedeutet es zunächst einmal einen Re-Release, der FÄULNIS-Fans glücklich machen dürfte. Denn Eisenwald bringt „Cholerik – Eine Aufarbeitung²“ neu und im Zuge dessen auch erstmalig auf Vinyl heraus. Insbesondere dabei steckt erkennbar viel Liebe im Detail: Rundum überarbeitet, kommt „Cholerik – Eine Aufarbeitung²“ mit neuem Cover, Extra-Booklet sowie als schwarze und, besonders passend, blutrote „Red Marble“ 180-g-Vinyl (ltd. auf 350 Exemplare) in gefütterter Innenhülle, Downloadcode inklusive – und natürlich mit eigens angefertigtem Vinyl-Master.

Für Audiophile ist „Cholerik – Eine Aufarbeitung²“ auch in der 2026er-Fassung noch eine Zumutung – und das nicht nur wegen des fragwürdigen Klargesangs. Denn wenig überraschend klingt Musik auch 2026 noch so schnodderig und roh, wie man es von einem Black-Metal-Soloprojekt erwartet. Und wenn ein FÄULNIS-Release unbestreitbar als Black Metal zu klassifizieren war, dann dieses Demo. Auch Puristinnen und Puristen müssen allerdings stark sein: Als Basis für den 2026er-Re-Release diente – die hochgestellte Zwei im Titel gibt es zu erkennen – die bereits 2007 erschienene, überarbeitete Version mit alternativem Mix, der verglichen mit dem reichlich flach gemixten Original bereits ungeahnte Tiefe(n) offenbarte.

So enthält „Cholerik – Eine Aufarbeitung²“ auch in der 2026er-Fassung neben den sieben Tracks des Demos (für die im Übrigen keine Texte mehr vorliegen, da diese, wie dem darum ausschließlich mit Liner-Notes und Bildern gefüllten Booklet zu entnehmen ist, nach den Aufnahmen vernichtet wurden) das Zusatzmaterial von 2007. Neben „Invokation (Synthetik 2007)“ und „II“ also auch „30. Juli, bewölkt“ – jenen Track, den Seuche selbst als „Wendepunkt“ beschreibt. Und verdammt, ja, natürlich steckt in diesem Song die DNA der später einmalig-einprägsamen FÄULNIS. Was man über die sieben Songs des Demos nicht grade sagen kann: Es war eben ein „naiver Anfang“, wie Seuche heute schreibt – aber zumindest authentisch!

Für die Vinyl-Liebhaber:innen unter den FÄULNIS-Fans ist dieser Release natürlich besonders reizvoll – doch zumindest als CD ist „Cholerik – Eine Aufarbeitung²“ eigentlich ein Must-Have (sofern man nicht zufällig schon die längst vergriffene 2007er-Edition sein Eigen nennt). Und zwar ganz gleich, aus welchem Grund: Etwa, weil man mit „Cholerik – Eine Aufarbeitung“ 2004 zum Black Metal gefunden hat. Oder weil nichts spannender ist, als sich zu erarbeiten, wo eine Band, die man erst später kennengelernt hat, musikalisch herkommt. Oder eben, weil man „30. Juli, bewölkt“ als Fan deutschen Black Metals einfach im Regal haben muss.

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Moritz Grütz

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