CD-Review: Hallig - A Distant Reflection Of The Void

Besetzung

L. – Gesang
I. – Gesang
F. – Gitarre
A. – Gitarre
M. – Bass
JP – Schlagzeug

Tracklist

01. A Dawn Beneath Titanium Clouds
02. Neues Land
03. Trümmer
04. Straight To The Ninth
05. To Walk With Giants
06. Im Aufwärtsfall
07. Into Infinity
08. From Ashes All Blooms
09. The Starless Dark
10. A Distant Reflection Of The Void


Nach dem 2012er-Release ihres Debüts „13 Keys To Lunacy“ war es um die deutschen Black-Metaller HALLIG erst mal vier Jahre still. Dann erscheinen mit „To Walk With Giants“ und „Im Aufwärtsfall“ zwei neue Songs auf einer Promo-CD. Der Versuch, damit ein neues Label zur Zusammenarbeit zu animieren, war offensichtlich von Erfolg gekrönt, denn zwei Jahre darauf findet man die beiden Nummern auf einem ganzen Full-Length-Album im Katalog von Talheim Records wieder. „A Distant Reflection Of The Void“ nennt sich das gute Stück, das mit seiner üppigen Spielzeit von über einer Stunde offenbart, dass HALLIG in den letzten Jahren der Funkstille alles andere als untätig waren.

So erfreulich eine solche Wagenladung an neuem Material im besten Fall auch sein mag, so groß ist die Gefahr, ein Album dadurch unwissentlich mit mittelmäßigen Filler-Tracks aufzubauschen. Tatsächlich hätten HALLIG vielleicht sogar gut daran getan, hier den einen oder anderen Song auszusparen – etwa den zehnminütigen Titeltrack, der „A Distant Reflection Of The Void“ eine Spur zu gemäßigt ausklingen lässt. Möglicherweise ist dieser etwas zu biedere letzte Eindruck aber schlicht dem Umstand geschuldet, dass die Black-Metaller den Großteil der Platte über deutlich hörbar jeden Funken Leidenschaft aus sich herausholen.

Vor unbändiger Kraft pulsierende Stücke wie „Neues Land“ mit seinem durch und durch epischen Riffing und das kämpferische „To Walk With Giants“ schwingen sich mit ihren dynamischen Arrangements in ungeahnte Höhen auf. Die größte Stärke der Songs liegt eindeutig in ihrer Vielseitigkeit: Anstatt pausenlos im Hochgeschwindigkeitsmodus auf den Zuhörer einzudreschen und ihn damit gegenüber der Intensität der Musik abzustumpfen oder sich zu lange in sanfteren Tongeflechten zu verheddern, versuchen sich HALLIG an einem ausgewogenen Wechselspiel – mit Erfolg.

„Straight To The Ninth“ beginnt beispielsweise mit verhängnisvollen Clean-Vocals und Gitarrenmelodien, baut sich später zu einer Blackened-Rock-Nummer im Stil von Alfahanne auf und entlädt sich schließlich vollends in einem heftigen Blast-Beat-Gewitter. Immense Wucht steckt jedoch nicht nur in den hervorragend abgemischten Instrumenten, sondern auch im facettenreichen Gesang. Wären diesmal nicht gleich zwei Leadsänger hinter dem Mikro gestanden, hätten HALLIG wohl kaum eine vergleichbar packende Kombination aus heiser-verzweifelten und boshaften Screams sowie mächtigen Growls und hymnischem Klargesang hinbekommen.

„A Distant Reflection Of The Void“ ist gewiss ein Stückchen zu ausladend geraten und nicht alle Songs brennen sich dauerhaft ein – von austauschbarem Füllmaterial kann hier dennoch nicht die Rede sein. HALLIG brillieren auf ihrer zweiten Platte nahezu durchgehend in sämtlichen Belangen. Wild, aber nicht ziellos, druckvoll, aber nicht aufdringlich, begeistern die zehn neuen Kompositionen vor allem mit ihren mitreißenden Vocals, Melodien und Rhythmen, die dank der ausgezeichneten Klangqualität im bestmöglichen Licht dastehen. Damit ist HALLIG eine Platte gelungen, die selbst ein vom immergleichen, stumpfsinnigen Black-Metal-Geballer betäubtes Publikum ein bisschen aufzurütteln vermag.

Bewertung: 8 / 10

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