CD-Review: Hardcore Anal Hydrogen - Hypercut

Besetzung

Sacha Vanony - Gesang, Klavier, Flöte
Martyn Clement - Gitarre
Jonathan Marole - Bass
Damien Salis - Schlagzeug

Tracklist

01. Jean-Pierre
02. Coin Coin
03. La Roche Et Le Rouleau
04. Paul
05. Blue Cuts
06. Charme Oriental
07. Phillip
08. Murdoc
09. Entropie Maximum
10. Sproutch
11. Daube Carotte
12. Automne 1992
13. Bontemmieu
14. Alain, l’Homme Télévitré


(Grindcore/ Death Metal/ Elektro/ Jazz) HARDCORE ANAL HYDROGEN. Klingt nach Porngrind, ist aber sehr experimenteller Metal, dessen Einflüsse von Elektro, Dub Step über Grindcore und Death Metal sowie Jazz reichen. Wem also die norwegischen Shining schon zu unberechenbar sind, sollte das französische Duo Sacha und Martyn tunlichst meiden. Lediglich die Hörer, die Gefallen an einem „Savage Sinusoid“ (Igorrr) finden, könnten bereit sein, um sich der vierten HARDCORE ANAL HYDROGEN-Platte namens „Hypercut“ zu stellen.

Der vorsichtige Konjunktiv ist deswegen angebracht, weil die 14 Tracks in Summe doch eines sind: anstrengend. Und das besonders, weil es kaum eine greifbare Struktur gibt, an der sich der Hörer langsam ins Geschehen hangeln kann, noch eine eingängige Melodie, die das Ganze aufbricht. Vielmehr agieren HARDCORE ANAL HYDROGEN so wild, so verschroben und so ohne Regeln, dass „Hypercut“ ein 42-minütiger Drahtseilakt zwischen Bewunderung ob der Wahnwitzigkeit und Irritation darstellt. Lediglich der einzige long track „Phillip“ zeigt die Franzosen von einer Seite, die ihnen gut zu Gesicht steht: sich aufbauende Atmosphäre, nicht zu krasse Stilbrüche und die verhältnismäßig lange Beibehaltung eines Motivs.

Davor und danach pressen HARDCORE ANAL HYDROGEN so ziemlich alles auf die Platte, was sich der Hörer nicht vorgestellt hat: Grindcore-Ausbrüche in einem 8-Bit-Song, Verzerrungen, die nach einem Sprung in der Platte klingen, schräge Saxophon-Klänge, bluesige Akustikgitarren, düstere Orgel-Begleitung. Permanente Abwechslung und ungezügelte Kreativität ist schön und gut, allerdings wirkt Musik erst dann, wenn eine solche Charakteristik eine Struktur ergibt, die mit einem Wiedererkennungswert ausgestattet ist. Natürlich wird ein jeder HARDCORE ANAL HYDROGEN-Song als solcher enttarnt, schließlich gibt es kaum eine wirr musizierendere Band. Aber an einem weiteren Charakteristikum fehlt es den Franzosen allerdings; sie kommen nicht über das Einfach-nur-wirr-Spielen heraus.

„Hypercut“ mag eine gute musikalische Untermalung für das Innenleben eines hyperaktiven Menschen sein, der auf einer Achterbahnfahrt Kokain zu sich nimmt, so sprunghaft und unschlüssig agieren HARDCORE ANAL HYDROGEN auf ihrer vierten Platte. Darüber hinaus gelingt es Sacha und Martyn allerdings nicht, nach dem anfänglichen Staunen zu begeistern. Weder während der ersten Runde der Platte noch auf Dauer.

Bewertung: 4.5 / 10

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