CD-Review: Kansas - Leftoverture Live & Beyond

Besetzung

Ronnie Platt – Gesang, Piano
Richard Williams – E-Gitarre, Akustikgitarre
Zak Rizvi – E-Gitarre, Gesang
Billy Greer – Bass, Gesang
Phil Ehart – Schlagzeug
David Manion – Piano, Keyboards, Orgel
David Ragsdale – Violine, Gesang

Tracklist

CD 1:
01. Icarus II
02. Icarus (Borne on Wings of Steel)
03. Point of Know Return
04. Paradox
05. Journey from Mariabronn
06. Lamplight Symphony
07. Dust in the Wind
08. Rhythm in the Spirit
09. The Voyage of Eight Eighteen
10. Section 60

CD 2:
01. Carry On Wayward Son
02. The Wall
03. What's on My Mind
04. Miracles Out of Nowhere
05. Opus Insert
06. Questions of My Childhood
07. Cheyenne Anthem
08. Magnum Opus
09. Portrait (He Knew)


„Good evening and welcome to KANSAS!“ – mit dieser Begrüßung beginnt seit 45 Jahren jede Show der amerikanischen Progrocker. Auch auf „Leftoverture Live & Beyond“ ist das nicht anders. Aber ist das wirklich noch KANSAS? Schließlich sind mit Phil Ehart und Richard Williams nur noch zwei Gründungsmitglieder mit dabei.

Fest steht: Kaum eine Prog-Band aus den Siebzigern hat sich so gut gehalten wie die Jungs aus Topeka. Die meisten gibt es nämlich schlichtweg nicht mehr. KANSAS hingegen touren seid jeher unermüdlich – vor allem in ihrem Heimatland – und haben sich damit jung gehalten. Nur mit der Arbeit im Studio wollte es nicht so recht hinhauen; bis letztes Jahr, als mit „The Prelude Implicit“ das erste Album nach 16 Jahren erschien. Zu verdanken hatten wir das vor allem den Neuen an Bord: Gitarrist Zak Rizvi, Keyboarder David Manion und Sänger Ronnie Platt.

Hört man „Leftoverture Live & Beyond“, wird schnell klar: Genau diese neuen Mitstreiter sind es, die KANSAS eine wahre Frischzellenkur verpasst haben. Die Band klingt wunderbar vital und knackig. Das fällt vor allem im Vergleich mit den letzten beiden Livealben „There’s Know Place Like Home“ (2009) und „Device – Voice – Drum“ (2003) auf. Die Amerikaner haben sich nicht nur personell verjüngt, der entscheidende Unterschied ist, dass KANSAS jetzt endlich wieder einen zweiten Gitarristen haben – so wie in den Anfangszeiten mit Kerry Livgren. An die hochenergetischen Tage von „Two For The Show“ (1978) kommen die Jungs natürlich nicht mehr ran, in den besten Momenten fehlt dazu aber nicht viel. Und das, obwohl drei der Herren schon 65 Jahre oder mehr auf der Uhr haben!

Den schwersten Job hat Ronnie Platt, schließlich muss er in die Fußstapfen von Steve Walsh treten. Doch er meistert die Herausforderung mit Bravour: Sein Gesang passt sehr gut zur Musik, und seine warme und weiche Stimme weckt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, als der blutjunge Walsh noch kristallklar singen konnte. Hut ab!

Schon in den ersten Sekunden von „Leftoverture Live & Beyond“ fällt der wunderbar dynamische und druckvolle Sound auf. Verantwortlich dafür ist einmal mehr Jeff Glixman, langjähriger Produzent der Band. Die Songauswahl ist natürlich über jeden Zweifel erhaben: „Leftoverture“ ist eine der besten KANSAS-Platten und wird hier in Gänze dargeboten, ergänzt durch Klassiker wie „Dust In The Wind“ und „Carry On My Wayward Son“. Mit „Rhythm In The Spirit“, „The Voyage Of Eight Eighteen“ und „Section 60“ gibt es darüber hinaus immerhin drei Songs der neuen CD zu hören. Statt der Kitschballade „Section 60“ hätte ich mir allerdings eher amtliche (Prog-)Rocker wie „Summer“ oder „Crowded Isolation“ gewünscht. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau!

Auf „Leftoverture Live & Beyond“ darf man zwei Stunden einer Band lauschen, die es geschafft hat, ihren Spirit und ihre Fingerfertigkeit über fast ein halbes Jahrhundert aufrecht zu erhalten. Das muss man erstmal schaffen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs ihre im letzten Jahr abgesagte Europatour irgendwann doch noch nachholen. Damit es auch bei uns heißt: „Good evening and welcome to KANSAS!“

Bewertung: 9 / 10

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