Review King 810 -Suicide King

Inmitten des Höhepunktes ihres bisherigen Schaffens, nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „La Petite Mort Or A Conversation With God“ (2016) und kurz vor ihrer damaligen Tour mit Cane Hill, wendete sich das Blatt für KING 810: Das Quartett minimierte sich zum Duo, Gitarrist Beal verließ ebenso wie Schlagzeuger Workman die Band.

Übrig blieben Sänger David Gunn sowie Bassist Eugene Gill, anscheinend nicht mehr als Teil von Roadrunner Records, denn das dritte Album von KING 810 erscheint als Self-release ohne Label im Hintergrund.

Abgebrochene Tour, dezimierte Band, fehlendes Label: Gunn und Gill starteten denkbar schlecht an den Arbeiten für „Suicide King“, sodass es umso erstaunlicher ist, dass die zehn Tracks darauf zu den kreativsten gehören, die KING 810 bis dato veröffentlichten.

Lyrisch noch immer tief verwoben mit den dunkelsten Seiten ihrer Heimatstadt Flint, besingt Gunn auch auf „Suicide King“ die Brutalität, die einen Menschen heimsuchen kann, wenn man in Murder City, einer der überdurchschnittlich kriminellsten Städte Amerikas, aufwächst.

Neu hingegen ist die Art, wie KING 810 diese Texte verpacken; die Musik dient nicht mehr nur als Mittel zum Zweck, als Transportmittel der gesungenen, geschrienen und gerappten Wörter, sondern kann nun auch für sich alleine stehen. Dabei zeigen sich KING 810 auf „Suicide King“ so facettenreich wie nie zuvor: Neben den starken Nu-Metal-Reminiszenzen in „Heartbeats“ und dem Hardcore-esken „Braveheart“ lebt das dritte Studioalbum vor allem von starken Kontrasten zu jenen Songs.

Neben den groovigen und Ohrwurm-würdigen Metal-Tracks „Bang Guns“ und „A Million Dollars“ mischen sich mit „.45“ und „What’s Gotten Into Me“ waschechte Crossover-Songs dazwischen, deren Basslastigkeit die Boxen ordentlich dröhnen lässt. Sobald der erste Schock über den Wechsel von Hardcore hin zu Alternative Metal und Hip Hop überwunden ist, demonstrieren KING 810 in „Black Rifle“ und „God Is Watching“ nicht nur ihr Gespür für bluesig wie balladeske Songs, sondern auch ihr Faible für Gospel-Outros und tragende Refrains.

Mit dem smooth-ambienten „Wade In The Water“, einem Track, der wie auch auf dem Vorgängeralbum den Wasserskandal von Flint thematisiert, und dem finalen Song „Sing Me To Sleep“ fragt man sich endgültig, ob das auch die KING 810 sind, die zuletzt noch ein „I am the alpha and omega“ im gleichnamigen Song ins Mikro brüllten.

Schnörkellos, aber musikalisch doch hochgradig abwechslungsreich, melodisch, aber dennoch nicht anbiedernd: Mit ihrem dritten Streich strecken die verbliebenen Mitglieder von KING 810 den Zeigefinger gegen alle Erwartungshaltungen aus, die man an „Suicide King“ hätte haben können.

Gezügelter als auf den Vorgängern, aber dennoch mit verdammt viel Wut im Bauch scheut dieses Album ebenso wenig Ausflüge in andere Gefilde wie Gunn den Einsatz seiner klaren Singstimme in Refrains. Wow, KING 810, just wow!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wertung: 9 / 10

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert