Review Kissing Candice – Blind Until We Burn

Neben unzähligen Genre-Kategorisierungen lässt sich Musik auch anhand anderer Merkmale gliedern. Eine solche Unterscheidung ist beispielsweise jene zwischen ernsthafter und humorvoller, eben nicht ernstgemeinter Musik. KISSING CANDICE ordnen sich – wie man unweigerlich am Namen erkennt – in letztere Gruppe ein. Den angestrebten Spaßfaktor sucht man auf ihrem neuen Album „Blind Until We Burn“ jedoch vergebens.

Bereits das überflüssige, einmütige Intro ist stellvertretend für den Rest des Albums: Durch und durch austauschbarer Metalcore, gespickt mit elektronischen Kinkerlitzchen und generischen Breakdowns. Besonders letzte sind so weit vorne im Mix, dass sie den Rest der Musik oft überlagern. Doch auch die Leadgitarren schaffen es nicht, eine etwaige Atmosphäre zu schaffen oder sonst irgendwie aufhorchen zu lassen. Man bekommt das typisch-unspektakuläre, tiefe Gitarrengeschrammel mit einigen dissonanten Parts zu hören. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Intro von „Misdirection“, das beinahe die Vermutung aufkommen lässt, dass die Gitarristen ihr Instrument beherrschen. Das Drumming ist entsprechend langweilig, lediglich zu Beginn des Openers „My Perfect Hell“ kann es mit ordentlich Wucht überzeugen.
Die Vocals wechseln zwischen eher tiefen Metalcore-Screams, die ein wenig an Parkway Drive erinnern und zugegebenermaßen gar nicht so schlecht klingen, und hohen Cleans, die wiederum mit Hollywood Undead vergleichbar sind. Der Klargesang stört leider öfters, ist viel zu stark nachbearbeitet und trägt mit dazu bei, KISSING CANDICE jegliche Ernsthaftigkeit zu nehmen. Manchmal werden auch noch Hardcore-Screams eingestreut, die aber nicht viel am Gesamtbild ändern. Der gutturale Gesang ist leicht zu verstehen, die Horror-Texte sind jedoch so stumpf und uninteressant, dass man nur ungern hinhört. Sie weisen auch kaum die den Themen angemessene Brutalität auf, haben keinerlei Schock-Potential. Selbiges gilt für die Elektro-Spielereien, die die meist eher unpassend wirken. Besonders schlimm ist die Quasi-Dubstep-Passage in „Shop Smart“.

Abschließend lässt sich also sagen, dass KISSING CANDICE mit „Blind Until We Burn“ eine unglaublich abwechslungsarme Aneinanderreihung von kurzen bis mittellangen Songs veröffentlicht haben, mit der sie sich nicht von anderen Bands eines ohnehin schon überfüllten Genres abheben können. Wer anspruchsvolle oder zumindest unterhaltsame Musik sucht, wird hierbei nicht fündig, sodass selbst Anhänger dieser Musikrichtung hiervon die Finger lassen sollten.

Wertung: 3 / 10

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