CD-Review: Last Rizla - Mount Machine

Besetzung

Stavros - Gesang
Choko - Gitarre
Kostis - Bass
Greg - Schlagzeug

Tracklist

01. Dive
02. Rambo
03. Χάλυβας


Do It Yourself: Dass sich diese Philosophie im Zeitalter der sinkenden Erlöse auch in der Musik durchgesetzt hat, dürfte nicht überraschen. Zumal die technischen Möglichkeiten auch vieles erleichtert haben. Die Stoner-Sludge-Metal-Truppe LAST RIZLA aus Athen ist eine dieser Bands, die von Design und Druck des Artworks bis hin zum Booking das Meiste einfach selbst macht und dabei gerne kompakte EPs oder auch einzelne Tracks veröffentlicht. In die erste Kategorie gehört mit knapp über 20 Minuten Spielzeit auch das 2018er Release „Mount Machine“.

Mit der Bandinfo beweisen LAST RIZLA schon mal Humor: Gleich einer Krankenakte sind hier alle vergangenen oder aktuellen Wehwehchen der vier Bandmitglieder aufgelistet – von Gallensteinen und Hämorrhoiden bis zu Depressionen unterschiedlicher Stärke ist alles dabei, was den durchschnittlichen Metalhead so ausmacht. Gott sei Dank keine Leiden, die die Spielfreude oder -fertigkeiten beeinflussen und hier kann man den vier Griechen nichts vorwerfen: Klassische Sludge- und Stoner-Gitarrenarbeit wird spieltechnisch sauber mit dem für diese Musikrichtung typischen, kehligen Vocals, Post-Metal-Elementen und ausschweifenden, beinahe Jam-artigen ruhigen Passagen verknüpft. Dass die Musiker von Kapellen wie Old Man Gloom, Ufomammut oder den Melvins beeinflusst wurden, ist dabei offensichtlich. Und live zu ein paar Drinks kann man sich das ziemlich gut vorstellen – auf „Mount Machine“ funktioniert die Geschichte leider nur bedingt.

Das liegt einmal an der recht dünnen Produktion, die gerade in den ersten anderthalb, zwei Minuten des Openers „Dive“ den für diese Musikrichtung notwendigen Druck vermissen lässt. In besagten entspannteren Parts auf „Mount Machine“ stört das nicht wirklich – diese haben durch ihren repetetiven und improvisiert wirkenden Charakter (sogar garniert mit einigen Dub-Delays) schon fast etwas psychedelisches. Es sind die härteren Songabschnitte auf „Mount Machine“, die zumindest produktionstechnisch nicht mit der Genre-Konkurrenz mithalten können. Das geht auch im Zeitalter des Homerecordings mit begrenztem Budget besser.

Der zweite Punkt ist die leider etwas langweilige Arrangementarbeit über weite Strecken. Der Zuhörer wird gerade im ersten Song selten überrascht. Das nachfolgende „Rambo“ wäre vielleicht der bessere Opener gewesen und ist mit seinen doomigen Riffs schon wesentlich cooler und griffiger, hinterlässt aber auch keinen nachhaltigen Eindruck – ebensowenig wie die dritte und finale Nummer „Χάλυβας“.

Leider bleiben die 2009 gegründeten MOUNT RIZLA hinter ihren Möglichkeiten zurück: „Mount Machine“ enthält auf dem Papier viele schmackhafte Zutaten, leidet aber unter einer dünnen Produktion und einer gewissen Beliebigkeit. In Anbetracht des ausgesprochen fairen Preises im bandeigenen Bandcampshop können Fans der genannten Bands und Schubladen bedenkenlos zugreifen – dürfen aber auch nicht die Platte des Jahres erwarten.

Keine Wertung

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