CD-Review: Odem Arcarum - Outrageous Reverie Above The Erosion Of Barren Earth

  • Veröffentlichung: 2010
  • Label: Osmose
Besetzung

Lord Arioch – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboards
Skoarth – Gitarre
Zahak – Bass
C.A. - Schlagzeug

Tracklist

01. Gate
02. Oceans
03. World Of Barren Land
04. Loss
05. Hell And Revelation
06. The Body And Perpetual Imagination
07. A Darker Kind Of Dreaming


Wer aus München kommt und Black Metal hört, wird irgendwann schon einmal über den Namen ODEM ARCARUM gestolpert sein – denn auch, wenn (oder gerade weil) sie zu den Bands gehören, die man nicht jedes Wochenende irgendwo als Support von Hinz und Kunz zu sehen bekommt, ist das Quartett doch seit mittlerweile 15 Jahren fest in der hiesigen Szene verwurzelt. Doch in letzter Zeit dürfte auch der ein oder andere Nicht-Münchner über die Formation gestolpert sein – ist Bandkopf Lord Arioch doch mittlerweile auch in einigen anderen namhaften Kapellen aktiv: Nachdem er zunächst bei Negura Bunget am Bass ausgeholfen hatte, ist er mittlerweile festes Mitglied von deren Nachfolgeband, Dordeduh, sowie seit kürzestem Gitarrist bei den deutschen Avantgarde Black Metallern Secrets Of The Moon.
Dass er bei diesem Engagement überhaupt noch Zeit für ODEM ARCARUM hat, ist erstaunlich – und doch steht mit „Outrageous Reverie Above The Erosion Of Barren Earth“ nun deren zweites Album in den Startlöchern.

Der Eintrag, auf den man stößt, sucht man im „The Hitchhikers Guide to Black Metal“ nach „ODEM ARCARUM“ liest sich bislang wie folgt: „Interessante Band mit guten Ideen, die sie jedoch sehr erfolgreich hinter schlechtem Sound und noch schlechterem Layout gut zu verstecken wissen. Insidertipp mit Aufstiegschancen.“ – und dürfte nun einer gründlichen Überarbeitung erfordern. Denn soviel sei vorweggesagt: Bis auf das „Interessante Band mit guten Ideen“ hat die Truppe hier in sämtlichen Punkten mächtig nachgearbeitet.
Bereits der schöne, wenn auch etwas unhandliche Name und das dazugehörige Artwork inclusive neuem Bandlogo vermitteln einen ganz anderen Eindruck als der möchtegern-böse Debüt-Titel „Bloody Traces In The Virgin Snow“ in Verbindung mit dem graphisch mehr schlecht als recht umgesetzten „Blut und Winter“-Klischee-Cover.
Von diesem ersten Eindruck schon einmal sehr positiv gestimmt, zieht als nächstes der Sound (auf dem Vorgänger noch ein grauenhaftes Gewäsch mit dem wohl unerträglichsten Drumsound, den ich bislang von CD genießen durfte) meine volle Aufmerksamkeit auf sich – wurde auch hier sehr effizient jeder Anflug von Unprofessionalität ausgemärzt. So schallen die Songs nun in so hochwertiger Qualität, transparent und druckvoll zugleich, aus den Boxen, dass die Band allein deswegen fast nicht wiederzuerkennen ist.
Doch wo die genannten Verbesserungen ja im Endeffekt alle nur mehr oder minder bedeutende Nebenschauplätze musikjournalistischer Lobeshymnen und Hasstiraden darstellen, zeigen ODEM ARCARUM auch hinsichtlich des Herzstückes eines jeden Releases, der Kompositionen, was in ihnen steckt. Abwechslungsreichtum wird hier groß geschrieben – in Anbetracht der Tatsache, dass bis auf das Intro alle Stücke zwischen acht und 16 Minuten andauern, das Einzig wahre… wird so doch der Spannungsbogen über die gesamte Länge der Stücke aufrechtgehalten. Von rauhem Black Metal a la Wolfes In The Throne Room bis hin zu ruhigen Synthesizer-Parts, die bisweilen von Lord Ariochs Engagement bei Negura Bunget beeinflusst sein könnten, wird hier ein weiter Bogen gespannt, der auf allen seinen Stationen mit Qualität überzeugen kann: Ob langsam, ob schnell, ob düster und ruhig, melancholisch, aggressiv und rasend, elektronisch oder akustisch – Langeweile kehrt hier gewiss nicht ein, zumal auch hinsichtlich des Gesangs fleißig variiert und experimentiert wird.
Auf der anderen Seite muss jedoch jedem klar sein, dass diese Anzahl derart umfangreicher Stücke mit einer solchen Fülle an Details und Finessen nicht beim ersten Hördurchgang gänzlich zu erschließen ist. Gerade manche elektronischen Elemente wirken auf die ersten Durchläufe etwas irritierend, der ein oder andere Part etwas chaotisch oder zumindest schwer nachvollziehbar. Aber aus diesem Grunde wurde das Material ja auch wohlweislich auf CD und nicht auf Einmalwaschlappen verewigt.

Mit ihrem zweiten Album, „Outrageous Reverie Above The Erosion Of Barren Earth“, vollführen ODEM ARCARUM einen wahren Qualitäts-Quantensprung, der sie vom Status der renomierten Lokal-Underground-Band in absolute Schlagdistanz zu den ganz großen des Genres katapultiert. Wer auf anspruchsvollen Black Metal steht, wird früher oder später an ODEM ARCARUM nicht vorbeikommen – er kann sich nur überlegen, ob er lieber jetzt einsteigt, oder es vorzieht, erst beim nächsten Album auf den dann fahrenden Zug aufzuspringen.

Bewertung: 8.5 / 10

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