CD-Review: Painkiller Party - It’s Never Too Late To Have A Happy Childhood (−)

Besetzung

Jenny Josefine Schulz – Gesang, Keyboards, Programmierung
Christopher Schlüting – Gitarre
Max Schulze – Bass
Noel Sommerkamp – Schlagzeug, Gitarre, Hintergrundgesang

Tracklist

01. Rising Higher
02. B*kk*k* (This Party Sucks)
03. It’s Never Too Late To Have A Happy Childhood
04. I’m Empty, You’re Full
05. Nerdlove
06. Lovebite Battle
07. Well Then, Max (We Wrote A Song For You)
08. I’m So Glad You Are My Ex
09. It’s Always The Girlfriends (And Sometimes It’s The Boyfriends)
10. Gang Bang Tango
11. Edgy
12. We’re Still Fucking True


Artwork des Albums It’s Never Too Late To Have A Happy Childhood der Band Painkiller Party -

Sprachlosigkeit ist nicht per se etwas Schlechtes. Kunst will und soll überraschen, polarisieren und schockieren. Manchmal, das kommt auf die Art der Kunst an, ist es die höchste Form der Anerkennung, wenn die Konsumenten so überrascht sind, dass ihnen die Worte fehlen. Emotionen wecken, das ist es, was die Kunst will, nur egal sein will sie nicht.

PAINKILLER PARTY wollen nicht egal sein, sondern die Aufmerksamkeit mit lautem Getöse und bunten Fisimatenten auf sich ziehen. „It’s Never Too Late To Have A Happy Childhood“ ist der Titel des zweiten Albums der Combo aus Minden und als Aussage natürlich nur zu unterstreichen, am Glücklichsein gibt es nie etwas auszusetzen. Die Frage ist eher, wie diese (späte) Kindheit ausgelebt wird und was ein Individuum glücklich macht. Aus einer bunten Torte springt ein ebenso buntes Einhorn, Plastikpenisse und Brüste sind darauf drapiert, eine Kirsche auf der Sahne, oder ist das etwa gar keine Sahne? Die Sahne-Frage forciert aufgrund der Pornothematik der Texte ein eindeutig zweideutiges „Wohl eher nicht“, denn das Kind im Erwachsenen lassen PAINKILLER PARTY vor allem in schlüpfrigen Texten – vorwiegend gefüllt mit allerlei sexuellen Handlungen – aus sich heraus.

Jeder kennt diese Festivalbesucher, bei denen gezweifelt werden darf, ob sie auch während der Musik oder nur des Spaßes wegen anwesend sind: Ausgefallene Kostüme, laute „lustige“ Musik und Spiele von früh bis spät auf dem Campground, „lustige“ Deko vergleichlich dem Albumcover, lautes Gegröle und der musikliebende Nachbar denkt sich kurz nach dem Zeltaufbau: „Puh, das wird anstrengend, hoffentlich machen die wenigstens nachts ihr Scheißaggregat und ihre Scheißmusik aus …“ PAINKILLER PARTY haben Spaß, leben diesen hemmungslos aus und kümmern sich nicht die Bohne darum, was die Leute außenrum davon denken. Ob die Bandmitglieder auf Festivals selbst solche Radaubrüder und -schwestern sind oder ob die Musik dieses Klientel überhaupt anspricht, steht auf einem anderen Blatt, die optische Präsentation jedenfalls weckt diese Assoziationen.

Die musikalische Grundlage ist dabei gar nicht so schlecht geraten: Irgendwo zwischen Trancecore, Beatdown Hardcore und Grindcore bewegen sich PAINKILLER PARTY und reichern das Konstrukt mit elektronischen Spielereien an. Das ist ein durchaus potenter instrumentaler Unterbau, bei der Umsetzung hakt es aber ganz gewaltig. Der Trancecore von beispielsweise Eskimo Callboy, die als Vorbilder genannt werden, ist ein stimmiges Gesamtbild. Auf „It’s Never Too Late To Have A Happy Childhood“ dagegen werden quietschige, billige Synthies und Midisounds scheinbar ohne musikalisches Gespür eingeworfen, weil sie halt dazugehören. Die Breakdowns sind teilweise sogar gelungen, versprühen aufgrund der flachen Produktion aber nicht die nötige Wucht. Die Grindcore-/Porngrind-Elemente beschränken sich auf rockige, groovige, dreckige Riffs, die Schnelligkeit und Brutalität von Genrevertretern wie Gut oder Cliteater wird aber nie erreicht. Auch, wenn das eventuell nie das Ziel war, verliert sich der musikalische Bums leider erneut im schwachbrüstigen Sound. Das Songwriting ist ein zusätzliches Verhütungsmittel zur Freudenempfängnis: Während einzelne Parts für sich gesehen Potential haben, macht die chaotische Mischung jegliches Hörvergnügen zunichte. Statt sinnvoller Songstrukturen herrscht hier das Chaos, die Anarchie – das Kind im Erwachsenen übernimmt vollkommen die Kontrolle.

Die Growls von Frontfrau Josefine sind immerhin okay, sie kommt tief runter und eine gewisse Aggressivität kann man ihr nicht absprechen. Gesanglich bleibt das insgesamt aber bei flachem und kaum nuanciertem Gebrüll. Ganz im Gegensatz dazu steht der Klargesang von Drummer Noel, der mit schiefen Tönen die Grenze zum Fremdscham überschreitet. Zwischen Fremdscham und, nun, sehr eigenwilligem Humor pendeln die Texte, die man aber erst erkennen kann, wenn man sie auch mitliest: Durch die tiefen Growls versteht der Hörer schlicht kein Wort der Lyrics. Sofern die lyrischen Ergüsse also jemanden ansprechen sollten, wird das Booklet zwingend benötigt – sehr unglücklich für eine Band, die auf ihren Humor setzt. Herzlichen Glückwunsch jedenfalls an die Hörer, die hier mehr als die plumpe Aneinanderreihung diverser Geschlechtsakte, Kritik an Kritikern und der „Wir machen, was wir wollen, weil wirs können, Ätschibätsch“-Attitüde ohne Wortwitz und funktionierende Ironie finden.

„It’s Never Too Late To Have A Happy Childhood“ ist eigensinnig, unkonventionell, ungewöhnlich – und genau das ist es doch eigentlich auch, was Kunst sein will und sein soll. Das Ergebnis der Kunst muss nicht jedem gefallen, kann es in Fällen wie diesem auch absolut nicht. PAINKILLER PARTY machen, was sie wollen und was ihnen eben gefällt, das muss ihnen zumindest angerechnet werden. Schlussendlich muss eine Band sich auch erstmal trauen, sich mit so einem kruden Werk in die Öffentlichkeit zu stellen.

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