CD-Review: Phil Campbell And The Bastard Sons - The Age Of Absurdity

  • Veröffentlichung: 2018
  • Label: Nuclear Blast
  • Spielart: Rock
Besetzung

Neil Starrs – Gesang
Phil Campbell – Gitarre
Todd Campbell – Gitarre
Tyla Campbell – Bass
Dane Campbell – Schlagzeug

Tracklist

01. Ringleader
02. Freak Show
03. Skin And Bones
04. Gypsy Kiss
05. Welcome To Hell
06. Dark Days
07. Dropping The Needle
08. Step Into The Fire
09. Get On Your Knees
10. High Rule
11. Into The Dark


Mit Motörhead veröffentlichte Gitarrist Phil Campbell 16 Studioalben, gewann einen Grammy, zwei golden God Awards des Metal Hammer, einen Kerrang!-Award und unzählige weitere Preise. Vor allem aber schrieb der Waliser gemeinsam mit Lemmy Kilmister und Mikkey Dee ein unvergessliches Kapitel Rockgeschichte.

Geld dürfte Campbell damit genug für den Rest seines Lebens verdient haben – und auch, dass sich der Erfolg, den er mit Motörhead genießen durfte, wohl nicht wiederholen lässt, dürfte Campbell wissen. Die Motivation dafür, trotzdem nochmal mit einem neuen Projekt klein anzufangen, kann also eigentlich nur in einem unstillbaren Drang, Musik zu machen, liegen. Eigentlich keine schlechten Vorraussetzungen für guten Rock’n’Roll, oder?

Nach der selbstbetitelten EP aus dem November 2017 erscheint nun unter dem Namen „The Age Of Absurdity“ über das deutsche Metal-Label Nuclear Blast Records das Albumdebüt von PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS.

Der Projektname kommt nicht von ungefähr: Von Sänger Neil Starr abgesehen, sind die BASTARD SONS tatsächlich allesamt Phils Söhne – wenn auch, ganz un-rockstar-klischee-mäßig, mit seiner Ehefrau Gaynor. Rein aus väterlicher Fürsorglichkeit und blind (beziehungsweise: taub) machender Vaterliebe hat Phil Campbell Todd (Gitarre), Tyla (Bass) und Dane (Schlagzeug) aber – das sei an dieser Stelle klargestellt – gewiss nicht in die Band geholt. Vielmehr liefern alle Beteiligten auf „The Age Of Absurdity“ eine astreine Rock’n’Roll-Leistung ab.

Das gilt neben dem Campbell-Nachwuchs aber auch und vor allem für Sänger Starr: Mit bisweilen frappierender stimmlicher Ähnlichkeit zu Stone Sours Corey Taylor geleitet dieser den Hörer durch die elf Songs und steht dabei – erfreulicher Weise – zumeist im Mittelpunkt des Geschehens: Übertrieben lange, aus reiner Egozentrik in die Songs gepresste Soli, wie man sie von anderen Solo-Alben bekannter Gitarristen her kennt, finden sich auf „The Age Of Absurdity“ erfreulicher Weise keine.

Im insofern sehr 90er-Rock-typischen Gesang liegt dann auch der Haupt-, wenn auch bei Weitem nicht einzige Unterschied zu Phil Campbells bisherigem Schaffen: Zwar könnte das das Album eröffnende erste Riff von „Ringleader“ ebenso gut ein Motörhead-Album einleiten. Im weiteren Verlauf von „The Age Of Absurdity“ räsentieren sich PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS aber über weite Strecken doch merklich softer und mit unüberhörbarer Alternative-Rock-Schlagseite – wenn Phils in all den Jahren bei Motörhead eingeübte Handschrift im Songwriting auch stets unverkennbar durchscheint.

Wer an PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS in Erwartung eines musikalischen Motörhead-Nachfolgers herangeht, dürfte sich mit dem Material schwer tun. Denn trotz gewisser Parallelen ist „The Age Of Absurdity“ alles, nur kein unter neuem Namen erschienenes Motörhead-Album – und das nicht nur, weil Starr den Gesang gänzlich anders gestaltet als Lemmy das getan hätte. Wer sich dem Projekt aber mit offenem Ohr und ohne unerfüllbare Erwartungen nähert, bekommt mit „The Age Of Absurdity“ ein angenehm unverkrampftes, ja, sogar ziemlich lässiges Modern-Rock-Album geboten, das vielleicht nicht das Rad neu erfindet, aber durchweg Spaß macht. Und das ist am Ende doch, worauf es ankommt.

Bewertung: 8 / 10

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