Review Scariot – Momentum Shift

SCARIOT? Noch nie gehört? Nun, damit ist man wohl nicht alleine. Leider muss man sagen, denn die Norweger sind inzwischen seit zehn Jahren im Geschäft und haben bis hierhin bereits drei gute Alben vorgelegt, „Momentum Shift“ ist der inzwischen vierte Langspieler. Völlig unverständlich und wirklich schade ist dieser Zustand des weit verbreiteten Nicht-Kennens, die Nordmänner haben nämlich wirklich einiges auf dem Kasten. Daniel Olaisen (u.a. auch Blood Red Throne) muss man hier wohl eher sagen, er nämlich ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied und schreibt auch so gut wie alle Lieder und Texte im Alleingang.

Sein neues Line-Up ist dabei eine Ansammlung großartiger Musiker: Øyvind Hægeland singt und sang bei Arcturus, Asgeir Mickelson trommelt(e) für Borknagar und Vintersorg (und beide sind auch bei Spiral Architect) und dann ist da noch Bassist Steve DiGiogrio (Testament, Death und unzählige andere). Dass diese Leute was können, weiß man sowieso, und das hört man hier auch von Anfang an. „Redesign Fear“ lässt zu Beginn erstmal zwei Minuten lang solieren, wobei vor allem DiGiogrios Basslinien Freude machen, bis Hægelands Gesang zum ersten mal einsetzt. Musikalisch bieten SCARIOT eine technisch anspruchsvolle Mischung aus Progressive, Heavy und Thrash Metal, die nicht selten an Nevermore oder Mercenary erinnert. Der durchgehend klare Gesang ist zwischen mittlerer und höherer Tonlage angesiedelt, was ebenfalls manchmal Gedanken an Warrel Dane hevorruft. Um es aber gleich vorweg zu sagen, eine Kopie sind SCARIOT mitnichten.

Nachdem es vor allem am Anfang ordentlich auf die Mütze gibt, zeigt „Noble Quest“ eine andere Seite der Norweger. Eine tolle Melodie leitet das eher ruhige Lied ein, dem Hægeland mit seinem hier unglaublich emotionalen Gesang einen großen Stempel aufdrückt, eine tolle Stimmung wird hier erzeugt. Der Mittelteil überrascht mit einer riffbetonten Headbangerstelle, um danach wieder zur Anfangsmelodie zurückzukehren – ein absolutes Highlight. Ebenso eines ist „Slaves“ mit seinem orientalischen Feeling in den Riffs und dem Refrain. Bis man einzelne Höhepunkte überhaupt herausfiltern kann, vergehen einige Durchläufe, denn eingängig ist „Momentum Shift“ nicht gerade. Nebenbeihören funktioniert hier nicht, die Lieder entfalten sich erst bei genauerem Hinhören und haben im instrumentalen Bereich großartige Stärken, die Soloparts sind immer gut gelungen.

Mein einziger Kritikpunkt hier sind die Cover. Erstens das Coverartwork, das nämlich ist ziemlich hässlich und wird wohl niemanden zum kauf überreden. Zweitens das Coverstück, nämlich „Symbolic“ von Death, hier mit klarem Gesang, was dem Ganzen viel von seiner Energie nimmt und das Stück dahinplätschern lässt. Davon abgesehen aber ist SCARIOT eine Band, die ich jedem ans Herz legen kann, der seinen Thrash Metal gerne vertrackter und abwechslungsreicher als üblich (oder seinen Progressive Metal härter als üblicher) mag, bei dem dazu noch ein richtiger Sänger dabei ist, der allen „Schreiern“ weit überlegen ist.

Wertung: 8 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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