CD-Review: Shelob's Lair - Nightfall In Heaven (Demo; Re-Release)

Besetzung

Varak – Gesang
Cernunnos – Gitarre
Ileies – Schlagzeug
Norghash – Keyboard

Tracklist

01. Intro – The Last Sunset
02. Nightfall In Heaven Pt. I: Longing For The Leader’s Arrival
03. Nightfall In Heaven Pt. II: The Birth Of The Godslayer
04. Nightfall In Heaven Pt. III: Infinity Of Black Faith – A Vision Of Victory
05. The Key To Immortality
06. Chamber Of Pagan Fate
07. Luzifer
08. One With The Night


Ausgehend von der allzu gängigen Major-Label-Praktik, vielversprechende Newcomer-Bands zu pushen und alsbald wieder fallen zu lassen, kann man wohl davon ausgehen, dass es vielen Entscheidungsträgern primär ums Geld und erst danach um die Musik selbst geht. Anders verhält es sich bei den meisten Underground-Label-Betreibern, deren Herzen merklich für die Kunst schlagen und die zuweilen auch selbst von der Muse geküsst zum Instrument greifen. Torsten Süß etwa, Gründer und Betreiber des deutschen Labels Northern Silence, spielte vor der Gründung seiner Firma unter dem Pseudonym Norgash in der Black-Metal-Band SHELOB‘S LAIR. Die einzige Veröffentlichung des Quartetts, die 2000er Demo „Nightfall In Heaven“, wird nun auf Süß‘ eigenem Label wiederveröffentlicht.

Wer einen ungefähren Überblick über die Bands, die sich in den Reihen von Northern Silence tummeln, hat, kann unter Umständen bereits einschätzen, welche Sorte Musik SHELOB‘S LAIR damals gespielt haben und für welches Instrument Norgash zuständig war. All jene, denen dieser Hinweis noch zu vage ist, seien zur Orientierung an Eldamar, Emyn Muil und Caladan Brood verwiesen. Süß‘ offensichtliche Vorliebe für Keyboard-lastigen Black Metal lässt sich somit schon zu seiner ersten und bis dato einzigen, eigenen Band zurückverfolgen.

„Nightfall In Heaven“ steht voll und ganz in der Tradition des skandinavischen 90er-Jahre-Black-Metals. Mittels stark verzerrtem, bisweilen sogar recht griffigem Gitarrenspiel, kernigen Screams und zügellosen Schlagzeugattacken sowie gleichermaßen mystischen wie kauzigen Keyboards reproduzierten SHELOB’S LAIR auf überzeugende Weise den Geist der Second Wave. Während an einer solchen stilistischen Reminiszenz prinzipiell nichts auszusetzen ist, lässt sich hinsichtlich des Sounds leider kaum beschönigen, dass dieser schon vor zwei Dekaden nicht mehr zeitgemäß war.

Die unausgeglichene, rohe Produktion, welche die Hi-Hats und Becken viel zu sehr in den Vordergrund rückt, wodurch diese die anderen Instrumente unangenehm übertönen, mag für eine Demo noch akzeptabel sein – fast zwanzig Jahre nach dem Original-Release werden sich davon allerdings wohl nur noch die nostalgischsten Traditionalisten angesprochen fühlen. Dass man sich dazu entschieden hat, die Demo bis auf das Artwork völlig unverändert zu lassen, ermöglicht zwar einen ungefilterten Blick auf SHELOB’S LAIR, beraubt die Songs jedoch des Potentials, das sie in nicht zu unterschätzenden Maß in sich getragen hätten.

„Nightfall In Heaven“ macht als erste Veröffentlichung einer jungen Band durchaus einiges her und untermauert den Eindruck, dass es ausgesprochen interessant gewesen wäre, zu beobachten, wohin sich SHELOB’S LAIR in Zukunft noch entwickelt hätten. Vermutlich wäre der Katalog von Northern Silence um einige hervorragende Platten reicher, hätten sich die Black-Metaller damals nicht von ihrem Drummer und zugleich von ihrem einzig verfügbaren Proberaum trennen und sukzessive auflösen müssen. Letzten Endes bleibt von SHELOB’S LAIR somit leider nur eine überschaubare Sammlung von Tracks, deren solides Songwriting bedauerlicherweise durch die technischen Mängel überschattet wird.

Keine Wertung

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