Review Six Feet Under – Unborn

  • Label: Metal Blade
  • Veröffentlicht: 2013
  • Spielart: Death Metal

Und täglich grüßt das Murmeltier Chris Barnes von SIX FEET UNDER: Erst kapp ein Jahr ist es her, dass er mit „Undead“ das erste Album seit der personellen Umstrukturierung vorlegte – nun geht es mit „Unborn“ ans andere Ende des Lebenslaufes.

Mit „Neuro Osmosis“ beginnt das Album zunächst gänzlich unerwartet: Cleane Gitarren eröffnen den Reigen, bevor ein tonnenschweres Riff auf den Hörer herniederkracht, um sogleich in ein fast schon filigranes Gitarrensolo überzugehen … begleitet – natürlich – von Barnes unverkennbarem Gesang. Das Ganze klingt zunächst derart überraschend und dermaßen anders, als man es erwartet hätte, dass man nicht genau weiß, ob man sich darüber nun freuen soll oder nicht. Immerhin: Es könnte ein Indiz dafür sein, dass sich SIX FEET UNDER stilistisch tatsächlich etwas geöffn…
Nein. Der Gedanke ist nämlich noch nicht zu Ende gedacht, da kommt mit „Prophecy“ schon ein Brecher daher, wie er für SIX FEET UNDER typischer nicht sein könnte. Irgendwie enttäuschend nach dem so interessanten wie vielversprechenden Intro – auch wenn der Track ein wirklich ehrenwerter Vertreter seiner Zunft ist. So zurück auf den Boden der Tatsachen geholt, ist der Boden für „Zombie Blood Curse“ bestellt – definitiv die groovendste Nummer, die die Herren aus Florida in den letzten zehn Jahren geschrieben haben. Und wie aus dem Nichts ist er wieder da: Der Geist der Innovation, der seltene Gast im Hause SIX FEET UNDER: Ein doomiger Mittelteil transformiert sich in ein sphärisches Solo, getragen von einem schönen Basslauf und gehaltenen Akkorden … mit einem Wort: Geil!
Wenn das jetzt so weitergeh…nö. Auch nicht. Zumindest nicht so richtig. Denn obwohl auch in den folgenden Nummern immer wieder kleine Ausreißer aus der typischen SIX-FEET-UNDER-Masche zu vermerken sind, wirken die Songs dennoch uninspiriert und austauschbar – zumindest untereinander. Echte Hits sucht man in der zweiten Hälfte des Albums dem entsprechend vergebens.

„Undead“ hätte ein Befreiungsschlag werden können und wurde nur ein gutes Album – „Unborn“ hätte der Befreiungsschlag werden müssen … und wurde bestenfalls ein Befreiungsklaps. Verwunderlich ist das insofern nicht wirklich, als es eigentlich schon bemerkenswert ist, dass SIX FEET UNDER überhaupt einmal ein paar Zentimeter von ihrem angestammten Stil abgewichen sind. Schade ist es dennoch – zeigen Chris Barnes und Konsorten in den ersten vier Songs doch recht eindrucksvoll, was hier alles drin gewesen wäre. Tja … wäre.
Verglichen mit dem zumindest in sich geschlossenen „Undead“ ist „Unborn“ nichts Halbes und nichts Ganzes: nicht bandtypisch, nicht gänzlich anders, nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes, nicht „back to the roots“, aber auch nicht „into the future“ … vielmehr ein Album, das bis zuletzt nicht genau weiß, wo es hin will …
Immerhin ein positiver Aspekt ist „Unborn“ zumindest abzugewinnen: Wenn SIX FEET UNDER so weitermachen, könnte das übernächste Album wirklich interessant werden.

Wertung: 7 / 10

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