CD-Review: Sol Sistere - Extinguished Cold Light

Besetzung

S. – Gesang
Ricardo Araya – Gitarre
Carlos Fuentes – Gitarre
Pedro Chávez – Bass
Pablo Vera – Schlagzeug

Tracklist

01. Elemental Chaos
02. Spiral Moon
03. Descending Light
04. The Faceless
05. Swallow The Misery
06. Insignificance Upon Us
07. Juxtaposed Universe


Eine wohlüberlegte Rezension zu einem Musikalbum zu verfassen, kann sich manchmal ziemlich kompliziert gestalten – mitunter so kompliziert, dass man bei zwei Alben mit völlig unterschiedlichen Stärken und Schwächen am Ende doch dieselbe Punktzahl vergibt. Ein bloßer Zahlenwert hat letztlich eben nur begrenzte Aussagekraft. Es gibt Platten, die einfach rundum gelungen sind, solche, bei denen im Grunde rein gar nichts stimmt, Platten voller atemberaubender Melodien, die jedoch grauenhaft umgesetzt wurden, und andere, die technisch einwandfrei, wenn auch nicht sonderlich aufsehenerregend sind. Und dann gibt es noch Alben wie „Extinguished Cold Light“, die zweite Platte der chilenischen Black-Metaller SOL SISTERE, die irgendwie in keine dieser Kategorien so recht hineinpassen wollen.

An sich merkt man der fünfköpfigen Truppe die Erfahrung, die ihre Mitglieder nicht nur in SOL SISTERE, sondern auch in mehreren anderen Bands sammeln konnten, auf „Extinguished Cold Light“ deutlich an. Die mittelhohen Screams strotzen vor Kraft, selbiges gilt für das überwiegend im Tremolo-Stil gespielte, dezent melancholische Riffing und die mit massenhaft Double-Bass und Blast-Beats aufwartenden Drums. Vereinzelt garnieren die Black-Metaller ihre bis zu neun Minuten langen Tracks auch mit stimmigen Zusätzen wie etwa schwebenden, unverzerrten Gitarren („Swallow The Misery“) oder wehklagenden Streicher-Outros („Juxtaposed Universe“). Die wunderbar füllige, organische Produktion steht hier ebenfalls auf der Habenseite.

Nichtsdestotrotz liegt eine bedauernswerte Ironie in dem Umstand, dass einer der Tracks den Titel „Insignificance Upon Us“ trägt. Was SOL SISTERE im Zuge ihrer gut fünfzig Minuten langen Platte von sich geben, könnte nämlich tatsächlich kaum belangloser sein. Nicht, dass die Kompositionen keinen Sinn ergäben oder keinerlei Hörwert besäßen – blendet man aus, dass auf „Extinguished Cold Light“ ein Song wie der andere klingt und keinem davon auch nur ein Quäntchen Einzigartigkeit innewohnt, kann man das Album gewiss ganz gut am Stück hören, ohne sich dabei allzu sehr zu langweilen.

Einen Grund, ihre Musik jener ihrer zahlreichen Genre-Kollegen vorzuziehen, liefern SOL SISTERE dem Hörer mit ihren größtenteils unnötig ausschweifenden Songs jedoch nicht. Obwohl (und in gewisser Weise gerade weil) sich die fünf Musiker keine nennenswerten Fehler zu Schulden kommen lassen, hinterlässt die Band keinen bleibenden Eindruck – selbst nach mehrmaligem Hören bleibt nicht ein einziger Track hängen.

So oft, wie in Rezensionen die Mär vom ewiggestrigen, engstirnigen Trve-Black-Metaller angestrengt wird, könnte man meinen, es handele sich dabei bloß um einen längst überholten Stereotyp. Alben wie „Extinguished Cold Light“ machen es jedoch nicht gerade leicht, mit diesem Klischee aufzuräumen. Den ausgelutschten Vergleich mit Darkthrone müssen SOL SISTERE allein schon dank der wärmeren und fülligeren Produktion ihrer zweiten Full-Length-Platte zwar nicht über sich ergehen lassen, ein signifikantes Alleinstellungsmerkmal oder auch bloß einprägsames Songmaterial kann man den Chilenen allerdings genauso wenig zugutehalten. Schlussendlich haben SOL SISTERE mit „Extinguished Cold Light“ eine halbwegs passable Sammlung von Songs kreiert, über die es erschreckend wenig zu sagen gibt.

Bewertung: 5 / 10

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