CD-Review: Spurv - Myra

Besetzung

Herman Nilius Otterlei - Gitarre
Gustav Jørgen Pedersen - Gitarre
Hans-Jakob Jeremiassen - Bass
Simon Ljung - Schlagzeug

Tracklist

01. Et Løfte I Fall
02. Og Ny Skog Bæres Frem
03. Fra Dypet Under Stenen
04. Hviler Bekkenes Sang
05. Et Blekt Lys Lyde
06. Fra Myrtempele
07. Den Gamles Stemme Brister
08. Allting Får Sin Ende, Også Natten


Inzwischen hat man, wenn es um Post-Metal geht, eigentlich wenig Hoffnung, noch auf interessante und spannende neue Alben zu treffen. Wurde doch das Genre in den letzten Jahren von unzähligen Hipster-Bands totgenudelt. Und dann kommen SPURV aus Norwegen um die Ecke und legen mit ihrer neuen Scheibe „Myra“ ein Werk vor, das seinesgleichen sucht: instrumentaler Post-Rock auf höchstem Niveau und mit einer als nahezu perfekt zu bezeichnenden Produktion. SPURV sind dabei aber eigentlich schon länger kein Geheimtipp mehr. Bereits mit ihrem letzten Album „Skarntyde“ legten die Jungs eine echte Überraschung hin, wobei die Songs und Arrangements darauf teilweise doch noch etwas zu lang und ausufernd waren.

Und nun also „Myra“, ein Konzeptwerk über Leben und Tod mit einem mehr als nur stimmigen Cover. Was aber beim Hören der Scheibe als Erstes auffällt, ist die wahnsinnig gelungene Produktion. Die beiden Produzenten Magnus Lindberg und Martin Bowitz haben hier ganze Arbeit geleistet. Spannend ist dabei vor allem der Kontrast zwischen weiten, sich öffnenden Klangflächen und drückenden, heftigeren Soundwänden. Die dynamisch komponierten Songs klingen auch dynamisch und abwechslungsreich.

Nach einem kurzen Intro bricht „Og Ny Skog Bæres Frem“ mit einem wuchtigen Bassriff und später einsetzenden Gitarren mit dem ruhigen Anfangsmoment. Der Track ist ein Paradebeispiel für die erwähnte Dynamik von „Myra“, kombiniert er doch zyklopische Riffwände mit eher flächigen Gitarren- und Bläserparts. An sich ist das im Post-Rock-Kosmos sicher kein Novum, aber dennoch machen SPURV das auf eine erfrischende und vor allem erstaunliche Art und Weise. Ausschlaggebend für diese Frische und Spannung der Songs sind sicherlich auch die vielen klassischen Instrumente wie Posaune, Cello der Geige. So lebt beispielweise „Hviler Bekkenes Sang“ von seinen melancholischen Streicher- und Klavierparts und macht den Song zu weit mehr als nur Post-Rock. Krönender Abschluss von „Myra“ ist das epische „Allting Får Sin Ende, Også Natten“, das mit einem Klavier und einem gesprochenen Zitat des Philosophen Martin Heidegger losgeht. Schließlich bricht aber auch hier wuchtiger Post-Rock durch und SPURV zeigen ein letztes Mal, zu welchen Glanzleistungen sie fähig sind. Drama, Melancholie und Schönheit vereinigen sich im Ausklang des Albums.

Was bleibt also als Fazit zu sagen? SPURV liefern mit „Myra“ ein nahezu perfektes Post-Rock-Album ab. Sowohl in Sachen Songwriting, Produktion und Emotionalität der Songs ist die Scheibe ein echtes Highlight und Ausnahmewerk. Zur vollen Perfektion fehlt lediglich das letzte Quäntchen Raffinesse, doch bei der gewaltigen Weiterentwicklung vom letzten Album hin zu „Myra“ dürfte dieser Schritt für SPURV kein Problem sein.

Bewertung: 9.5 / 10

Geschrieben am

1 Kommentar zu “Spurv – Myra”

  1. Röfflplock

    Witzig, gerade diese mangelnde Raffinesse hätte für mich die volle Punktzahl rausgerissen.

    Dazu muss ich kurz ausholen. Das ganze Album stellt ja als solches mehr oder weniger eine Vertonung des Lebens in Abhängigkeit vom Tod dar (zumindest soweit es die spoken Word Passage hergibt)… Auch die ruhige Melodiosität, der gravitätische Basslauf, die gesamte Musik strahlt Ruhe aus, Ruhe vor dem Ende, nach dem langen Kampf, Leben genant. Und gerade hier ist diese mangelnde Raffinesse m. E. nach von so großer Wichtigkeit, denn der Tod als solcher, so empfinde ich, ist niemals eine wirkliche Vollendung… Sondern mehr ein zu früh gekommenes Ende, das man nicht willkommen heißt, sondern gegen das man sich noch ein letztes Mal, viel zu schwach versteht sich, auflehnt. Im Wissen, um seine Unabwendbarkeit. Der Tod könnte man also sagen ist gleichsam Vollendung, wie auch Ende. Genau richtig und zu früh gleich.

    Genau das ist es, was sich in jener mangelnden Raffinesse m. M. e. widerspiegelt. Insofern hätte ich die Höchstnote gegeben. Denn dieses kleine Detail hebt das Album heraus aus der Außergewöhnlichkeit hin zum wahren Geniestreich.

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