Stranger Vision Wasteland Coverartwork

Review Stranger Vision – Wasteland

STRANGER VISION hatten wie so viele neue Bands der letzten Jahre einen schweren Start: Die Aufnahmen zum 2021er Debütalbum „Poetica“ fielen in den ersten, großen Corona-Lockdown und folglich wurden alle Pläne ausgebremst. Die Leerlaufzeit haben die Italiener nicht nur mit einigen Coverversionen gefüllt (u. a. „Moonshield“ von In Flames), sondern konnten auch den von Blind Guardian ausgerufenen „Imagination Song Contest“ mit ihrer Version des BG-Klassikers „Bright Eyes“ gewinnen.

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Aus dem Sieg des Contests entstand nicht nur der Kontakt zu Blind Guardian: Niemand Geringeres als Blind-Guardian-Sänger Hansi Kürsch ist als Gast beim Titeltrack dabei. Dieser eröffnet das Album nach dem Intro „At The Gates“ und zeigt gleich mal alle Stärken von STRANGER VISION. Besonders fällt im Vergleich zu anderen Power-Metal-Bands der Gitarrensound auf. Die Riffs und Leads klingen sehr kraftvoll und überraschend roh, erinnern dabei sogar leicht an Thrash Metal. In Kombination mit leicht progressiven Songstrukturen und den unterstützenden, aber nie die Hauptrolle einnehmenden Keyboards und Orchestrierungen erzeugt das eine gefällige, eigenständige Klangwelt.

Sänger Ivan Adami hat von rauen über hohen bis gefühlvoll-melodische Vocals eine breite Spannweite und macht dabei fast immer eine gute Figur. Manchmal wirkt es so, als mute er sich mit seinem anspruchsvollen Gesangsstil selbst etwas viel zu – nicht alle Töne sitzen, in höheren Lagen kann’s schon mal etwas schief werden. Das ist aber nicht schlimm und schmälert nicht den insgesamt guten Eindruck, vor allem in den aggressiveren Parts klingt Adami stark. Für vorsichtige Vergleiche mit Kürsch und dem zweiten Gastsänger Tom Englund (Evergrey) ist es aber noch zu früh.

Am stärksten sind STRANGER VISION, wenn sie sich auf große Melodien und starke, treibende Songs konzentrieren, wie etwa den Titeltrack oder das rockige „The Thunder“. Auch gemäßigtere Stücke wie „Fire“ gefallen: Das Drumming sorgt hier für einen tollen Midtempo-Rhythmus und die mehrstimmigen Gesänge im Refrain überzeugen durch die emotional aufgeladene Stimmung. Emotionen zeigen STRANGER VISION durchgehend, „Wasteland“ wirkt von Anfang bis Ende wie ein Herzensprojekt, das mit purer Leidenschaft umgesetzt wurde. Manchmal aber müssten sich die vier Musiker bei ihren Kompositionen noch etwas mehr zügeln: Ein Song wie „Anthem For Doomed Youth“ sprudelt vor Ideen nur so über, hier passiert teilweise zu viel gleichzeitig und übereinander, so dass es chaotisch wird.

STRANGER VISION zeigen auf “Wasteland“ viel Potenzial und vor allem Eigenständigkeit. Ihr melodischer, progressiver Power Metal klingt mit seinem Gitarrensound und dem charakteristischen Frontmann einfach anders als die meisten Bands des Genres. Das und die unüberhörbare Leidenschaft der Italiener ist erfrischend und unterhaltsam. An memorablen Refrains fehlt es zum größten Teil noch und kompositorisch würde STRANGER VISION eine etwas klarere Linie nicht schaden. „Wasteland“ ist insgesamt aber ein gutes Debütalbum und eine Empfehlung für Genrefans.

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Wertung: 7 / 10

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